Fragen und Antworten

Darum dürfen historische Grenzsteine nicht einfach versetzt werden

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Zum Abschluss des Abmarkungsverfahrens: Rudolf Zerber, Fritz Eigenbrodt und Klaus Küthe vom Amt für Bodenmanagement Korbach setzen einen historischen Grenzstein wieder an seine Position. 

Waldeck-Frankenberg. Sie sind schmuck, mit eingemeißeltem Wappen vergangener Hoheitsgebiete, teils etwas unscheinbarer, geziert mit Initialen. Gesehen hat so einen steinernen Zeitzeugen jeder schon einmal. 

Doch was genau hat es mit den historischen Grenzsteinen auf sich? Welche Funktion erfüllen sie heute und wie ist die rechtliche Lage? Das Amt für Bodenmanagement in Korbach gibt Antworten.

Wer ist Ansprechpartner für historische Grenzsteine?

Zuständig für die Aufnahme und Inventarisierung von historischen Grenzsteinen ist das Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Unterstützung leisten das Amt für Bodenmanagement Korbach sowie ehrenamtliche Obleute. Allein sechs Obleute stehen als Ansprechpartner in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Kassel zur Verfügung.

Welche Aufgabe hat dabei das Amt für Bodenmanagement?

Das Amt für Bodenmanagement ist vor allem aus einem Grund mit im Boot: Es führt das Liegenschaftskataster. Die historischen Grenzsteine markieren oft nicht nur eine historische, sondern auch noch eine aktuelle Grundstücksgrenze, zeigen vor Ort, wo „meins“ aufhört und „deins“ anfängt.

Was tun, wenn man einen umgestürzten Stein findet?

Häufig achten Heimat- und Geschichtsvereine im Rahmen von Schnade- und Grenzgängen auf historische Grenzsteine. Wird dabei festgestellt, dass die Steine verschoben, abhandengekommen oder gefährdet sind, ist das Amt für Bodenmanagement in Korbach zu kontaktieren. Die Steine dürfen nicht in gut gemeinter Selbsthilfe wieder an die vermeintlich richtige Stelle gesetzt werden.

Warum darf man einen Stein nicht einfach so wieder aufstellen?

Liegt ein historischer Grenzstein, der eine noch gültige Grenze markiert, irgendwo im Dickicht, darf er nicht einfach wieder an seiner mutmaßlichen Position aufgestellt werden. Es bedarf eines förmlichen Abmarkungsverfahrens. Denn allein das bewahrt den Grenzfrieden. Ausführungsberechtigt sind hierzu befugte Vermessungsstellen. 

Ein Abmarkungsverfahren muss beantragt werden und ist kostenpflichtig. Für die Abmarkung ist Fachwissen erforderlich. Der Stein soll den tatsächlichen rechtlichen Verlauf der Grenze anzeigen und darf nicht willkürlich verlegt werden. Stellt ein Laie den historischen Grenzstein an irgendeiner Stelle wieder auf, handelt es sich juristisch gesehen um eine widerrechtliche Abmarkung. Dies ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldbuße geahndet werden.

Wie läuft das Abmarkungsverfahren ab?

Die Fachleute stellen zunächst die rechtmäßige Position des Grenzsteins anhand des Katasternachweises fest. Anschließend setzen sie ihn wieder an seiner rechtmäßigen und auch von den Grenznachbarn anerkannten Stelle ein.

Was ist, wenn ein Grenzstein zeitweilig umgesetzt werden muss?

Bei historischen Grenzsteinen handelt es sich um Kulturdenkmäler, wenn ihnen eine besondere geschichtliche, künstlerische oder wissenschaftliche Bedeutung zukommt – etwa, wenn er die ehemalige Grenze des Fürstentums Waldeck oder Kurfürstentums Hessens markiert. Ist ein historischer Grenzstein ein Kulturdenkmal, steht der Stein unter Denkmalschutz.

 Müssen solche historischen Grenzsteine, zum Beispiel im Rahmen von Bauarbeiten, vorübergehend entfernt werden, sind vorher eine denkmalpflegerische Dokumentation sowie eine genaue Bestimmung der Lage notwendig. 

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