Lage im Landkreis und in den 21 Kommunen:

Fast jeder Zehnte in Waldeck-Frankenberg ist überschuldet

Waldeck-Frankenberg. Bad Wildungen, Bad Arolsen und Volkmarsen waren auch im vorigen Jahr die drei Kommunen mit der höchsten Überschuldungsquote im Kreis. Das belegt die aktuelle Rangliste der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Creditreform hat bundesweit untersucht, wie viele Privatleute 2017 überschuldet waren – also wie viele ihren Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht nachkommen können. Wie der Geschäftsführer der Kasseler Creditreform, Sebastian Schlegel, berichtet, ist die Zahl in Deutschland erneut leicht gestiegen – auf 6,9 Millionen Einwohner über 18 Jahren, ein Plus von 65 000 Betroffenen. Nur wegen des Bevölkerungsanstiegs durch Einwanderung sei die Überschuldungsquote um 0,02 auf 10,04 Prozent leicht gesunken.

Lage in Nordhessen:

Die 1884 gegründete Kasseler Niederlassung hat die Zahlen für Nordhessen ausgearbeitet. Waldeck-Frankenberg kommt demnach auf eine Schuldenquote von 9,84 Prozent, ein Minus gegenüber dem Vorjahr von 0,13 Prozent. 12 825 Einwohner galten als überschuldet, 91 mehr als 2016. Die Quote liegt – wie im Vorjahr – leicht unter dem Bundesdurchschnitt. 

In Nordhessen kommt der Kreis nach Kassel-Land mit 9,26 Prozent und Hersfeld-Rotenburg mit 9,4 Prozent auf Rang drei. Schlusslicht ist wiederum die Stadt Kassel mit 15,85 Prozent. Damit gehört sie auch zu den 15 Städten Deutschlands mit dem höchsten Verschuldungsstand.

Lage im Kreis:

 Die beste Quote im Kreis hat Frankenau mit 7,23 Prozent, gefolgt von Rosenthal mit 7,32 Prozent und der Industriegemeinde Allendorf mit 7,41. 

Letzter ist erneut das Mittelzentrum Bad Wildungen mit 12,9 Prozent, ein Anstieg um 0,61. In Bad Arolsen stieg die Quote um 0,07 Prozent leicht auf 11,27. In Volkmarsen ging die Quote um 0,19 auf 11,22 Prozent zurück. 

Frankenberg landet mit 9,39 Prozent auf Rang 13, Korbach kommt mit 9,89 Prozent auf Platz 15 von 21 Kommunen im Kreis.

Gründe für Überschuldung:

Die Arbeitslosigkeit als Grund für Überschuldung habe sich angesichts der guten Wirtschaftslage deutlich verringert, sagt Schlegel: Sie macht noch 21 Prozent der Fälle aus. 

Deutlich gestiegen seien die Faktoren Krankheit, Sucht und Unfall, ihr Anteil: 15 Prozent. 

In etwa gleich geblieben seien die Gründe „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ mit elf Prozent und „gescheiterte Existenzgründung“ mit acht Prozent.

Starke Zuwachsraten habe es bei der Überschuldung im Alter gegeben: Offenbar reiche die Rente nicht aus.

Zugenommen hat laut „Schulden-Atlas“ auch die Zahl der „atypisch Beschäftigten“ in Teilzeit oder im Niedriglohn-Sektor. Als problematisch sieht der „Atlas“ auch stark steigende Miet- und Energiekosten.

Im Vorjahr waren laut „Atlas“ rund 4,24 Millionen Männer und 2,61 Millionen Frauen überschuldet, und der Anteil der Frauen nehme zu – gerade bei Alleinerziehenden.

Immer mehr Verbraucher aus der Mittelschicht seien „in die Überschuldungsspirale geraten“, hält Creditreform fest. Grund: Während die obere Einkommensschicht ihr Realeinkommen erheblich gesteigert habe, seien die mittlere und besonders die untere Schicht zurückgefallen: Die Mittelschicht schrumpfe, und in ihr sei seien immer mehr „strukturell verschuldet“ – 4,38 Millionen Menschen, ein Plus von 69 000 Fällen. Sie stellten 60 Prozent aller Überschuldeten, Arme nur elf Prozent. 

Der „Atlas“ warnt vor den Folgen: Immer mehr Menschen befürchten den sozialen Abstieg. Langzeitanalysen von 20 Volkswirtschaften zeigten: Die politische Radikalisierung wachste, und das Vertrauen ins Wirtschaftssystem sinke.

Wie es mit der Verschuldung in Kassel aussieht, lesen Sie hier.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa

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