Petra Hegmann

Flüchtlinge im Landkreis: Dekanin ruft zur Hilfe auf

Wie kann jeder Einzelne helfen: Dekanin Petra Hegmann sprach bei dem Frühstück der Rosenthaler Landfrauen über Möglichkeiten der Integration. Foto: Dittrich

Frankenberger Land. Dekanin Hegmann sprach in Rosenthal darüber, wie man bei der Integration von Flüchtlingen helfen kann.

Einzelschicksale erkennen, Flüchtlinge als Individuen sehen - das war die zentrale Botschaft von Dekanin Petra Hegmann. Die Rosenthaler Landfrauen hatten die evangelische Theologin am Mittwoch zu ihrem Frühstück eingeladen. Sie berichtete über die Flüchtlingssituation im Landkreis, Integrationsmöglichkeiten und religiöse Sichtweisen zum Thema. Im Gespräch wurde den Rosenthaler Landfrauen schnell deutlich: Ganz neu ist das Flüchtlingsthema nicht - auch vor Jahrzehnten gab es Spätaussiedler, Russlanddeutsche und andere Menschen, die Zuflucht suchten.

Doch jetzt sind es andere Menschen, die derzeit nach Deutschland kommen, wie Hegmann verdeutlichte. Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea oder anderen Nationen seien oft monate- oder jahrelang unterwegs: „Die Menschen waren zwischendurch im Gefängnis, sie sind oft traumatisiert oder zermürbt, weil sie ihre Familien zurücklassen mussten.“ Viele kommen aus Kriegsgebieten, haben Angehörige verloren.

„Schutz von fremden Menschen ist ein biblisches Gebot.“

Umso wichtiger sei es, die Einzelschicksale in der Masse zu sehen, so Hegmann: „Wenn man den einzelnen Menschen wahrnimmt, dann ist schon viel erreicht.“ Daher warb sie auch dafür, sich für die Flüchtlinge direkt vor Ort einzusetzen. „Man muss nicht gleich das ganz große Programm fahren“, sagte sie in Rosenthal. „Oft reichen schon einzelne Kontakte, um den Menschen kennenzulernen“ und darauf komme es ihr an: „Einzelne bekommen ein Gesicht.“

Ehrenamtlich unterstützen

Für die Flüchtlinge habe das diakonische Werk nicht einmal zwei ganze Stellen einrichten können, um sie bei dem Asylverfahren zu beraten. Hegmann: „Wir sind personell eng gestrickt. Es ist nicht viel, was wir anbieten können - aber es ist wenigstens etwas.“ Daher warb sie für den Einsatz der Bevölkerung, die Flüchtlinge ehrenamtlich zu unterstützen - in vielen Orten, zum Beispiel in Frankenberg, hätten sich bereits Netzwerke gebildet. Die Möglichkeiten sind laut Hegmann vielfältig: Sprachunterricht, Freizeitangebote, Begleitung bei Behördengängen, Kleiderspenden - die Theologin zählte viele Beispiele auf.

Aus religiöser Sicht ist die Aufgabe laut Hegmann eindeutig: „Schutz von fremden Menschen ist ein biblisches Gebot.“ Mit Beispielen aus der Bibel erklärte sie den rund 60 Zuhörern den Bezug: Moses musste vor Herodes versteckt werden, das Volk der Israeliten floh aus Ägypten, außerdem werde die Notwendigkeit betont, Fremden entgegenzukommen.

Flüchtlinge können erst nach sechs Monaten einen Antrag auf Asyl stellen - bis dahin können sie jederzeit abgeschoben werden. Und auch erst dann bekommen sie finanzielle Unterstützung vom Staat - bis dahin wird kein Sprachkurs bezahlt. Die Möglichkeit, Kirchenasyl zu beantragen, also als Flüchtling unter dem Schutz der Kirche diese sechs Monate abzuwarten, sei nicht einfach, so Hegmann: „Das ist kein verbrieftes Recht.“ Es werde zwar toleriert, bewege sich aber außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen. „Wir sind da auf das Wohlwollen der Politik und der Verwaltungen angewiesen“, sagte Hegmann.

Von Benedikt Dittrich

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