"Knappe Bodenschicht" und „schlechte Filterqualität“

Nitratwerte oft zu hoch: Grundwasser teilweise im Kreis Waldeck-Frankenberg betroffen

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Ein Landwirt bringt Gülle aus. Gelangt auf diesem Weg zu viel Nitrat ins Wasser, muss laut neuer Verordnung die Düngemenge reduziert werden.

Das Land Hessen hat jetzt festgelegt, wie die bundesweite Düngeverordnung umgesetzt werden soll. Von der neuen Regelung sind auch einige Teile des Landkreises betroffen.

Denn: In zahlreichen sogenannten „Roten Gebieten“ ist ein zu hoher Nitratgehalt im Grundwasser festgestellt worden, vor allem in Nordwaldeck.

Bereits seit 2017 gilt die neue Düngeverordnung, jetzt hat auch das hessische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium eine Regelung veröffentlicht, wie sie im Land umgesetzt werden soll. 

Demnach muss Dünger vor der Ausbringung unter anderem auf Stickstoff und Phosphat untersucht werden, zudem muss der Abstand zu oberirdischen Gewässern jetzt fünf statt vier Meter betragen. 

Insgesamt, so hat das Ministerium festgelegt, dürfen Landwirte pro Jahr nur noch maximal 40 statt bisher 50 Kilo Stickstoff je Hektar aufbringen.

Qualitätsmängel befürchtet

„Das führt zu massiven Einschränkungen in der Produktion“, sagt Fritz Schäfer, Kreislandwirt und Dezernent für Landwirtschaft beim Landkreis. Dies könne, beispielsweise beim Weizen, gar zu einer Minderung der Qualität führen, fürchtet er. 

Dass viele Gemarkungen im Landkreis einen zu hohen Nitratgehalt im Wasser ausweisen, habe auch mit der „knappen Bodenschicht“ zu tun, sagt Friedrich Weber vom Fachdienst Landwirtschaft beim Kreis. Der Boden habe oftmals eine „schlechte Filterqualität“ und „keine Speicherwirkung“.

Gesundheitliche Gründe für Grenzwerte

Man müsse mit den Böden umgehen, die man hier habe, sagt Dr. Peter Koswig, Mitglied der Grünen-Kreistagsfraktion und engagiert beim NABU. Es gebe gesundheitliche Gründe für die Nitratgrenzwerte, deshalb müsse man so wirtschaften, dass nur so viel Dünger ausgebracht werde, wie Pflanzen auch aufnehmen könnten. 

Gülle beispielsweise sei ein „wertvoller Rohstoff“. Doch durch den „Gülletourismus“ gebe es zu viel davon in Waldeck-Frankenberg. „Es darf keine zusätzlichen Gülleinfuhren geben, das ist das A und O,“ mahnt Koswig.

Die Nitratwerte des Grundwassers sind nicht gleichzusetzen mit denen des Trinkwassers, das in allen Kommunen im Kreis deutlich unter den Nitrat-Grenzwerten liegt.

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