Frau Holle kehrt zurück

HNA-Wetterexperte: Am Wochenende fällt in Waldeck-Frankenberg Schnee

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Schnee zum Adventsanfang: Das Foto vom verschneiten Burgberg in Battenberg hat Leserin Kathrin Wenzel am 1. Adventssonntag gemacht.

Waldeck-Frankenberg. Sind Bauernregeln Humbug oder ein hilfreicher Fingerzeig? Der Ernsthäuser Wetterexperte Roland Schmidt gibt in unserer Serie eine Prognose ab: Am Wochenende soll es schneien.

Das erste Adventswochenende präsentierte sich winterlich mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und anhaltendem Schneefall am Sonntag. Doch ab dem 3. Dezember setzte in allen Höhenlagen Tauwetter ein und überall tauchte die Frage auf: War es das schon wieder mit dem Winter?

Die Antwort darauf ist ein klares „Nein“, denn die jetzige Milderung ist im Jahresablauf völlig normal und als „Nikolaus-Tauwetter“ bekannt. Die Bauern haben dazu in einem Reim festgehalten „Sankt Nikolaus spült die Ufer aus“ , womit die abfließenden Regen- und Schmelzwasser anschaulich beschrieben werden.

Doch diese Phase hält nur wenige Tage an und die Wettermodelle kündigen auch zum zweiten Adventswochenende in guter Übereinstimmung die Rückkehr kalter Meeresluftmassen an. Damit setzt sich ein auffälliger Rhythmus fort, der Ende Oktober anfing und der uns zu jedem Wochenende einen Vorstoß polarer Kaltluft nach Mitteleuropa bescherte. Dies passt auch gut zum Anfang der zweiten Dezemberdekade fälligen Wintereinbruch, der in einer weiteren Bauernregel umschrieben wird: „Kommt die heilige Lucia (13. Dezember), ist die Kälte oft schon da“.

In vielen Jahren bleiben uns Schnee und Kälte danach bis kurz vor Weihnachten weitgehend erhalten, um anschließend von der alle Jahre wieder vom Atlantik heranbrandenden milden Meeresluft vertrieben zu werden. Womit dann auch für dieses Jahr die finale Wetterfrage auf dem Tisch liegt: Gibt es mal wieder Weiße Weihnachten? Darauf können allerdings auch die Bauernregeln keine Antwort geben, denn das Weihnachtstauwetter ist eine Singularität, die unsere Vorfahren nicht kannten, weil es sie so nicht gab. Es wird erst seit dem frühen 20. Jahrhundert in vielen Jahren beobachtet und könnte Frau Holle und Väterchen Frost durchaus auch in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung machen.

Typen von Großwetterlagen wiederholen sich

Ob es dazu kommt, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht beurteilen, aber vielleicht hilft uns ja auch hier eine Regelmäßigkeit weiter: Manchmal wiederholen sich Typen von Großwetterlagen im Abstand von sieben Jahren. Diese Zufälligkeit verhilft auch dem Hundertjährigen Kalender gelegentlich zu überraschenden Trefferserien. Die letzte Weiße Weihnacht durften wir in Deutschland im Jahr 2010 erleben – die derzeitigen Wetterlagen ähneln den damaligen durchaus.

Wie auch immer das meteorologische Ringen um das Weihnachtswetter auch ausgehen wird, die Wahrscheinlichkeit, dass im diesjährigen Dezember Frau Holle kräftig zur Werke gehen wird, ist deutlich erhöht. Das freut dann letztlich nicht nur alle Wintersportler und Fans, sondern auch die Bauern, die schon vor langer Zeit reimten: „Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee, folgt ein fruchtbares Jahr mit üppigem Klee.“

Von Roland Schmidt

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