Kaum Organspenden aus dem Landkreis

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Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es wenige Organentnahmen

Waldeck-Frankenberg. In Hessen spendeten im vergangenen Jahr 56 Menschen Organe nach ihrem Tod. Das zeigen aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Der Grund für die niedrigen Spenderzahlen: Viele haben keinen Organspendeausweis und Angehörige lehnen eine Transplantation oft ab, sagt Dr. Hartmut Lotz, Chefarzt der Anästhesie der Asklepios-Kliniken in Bad Wildungen.

Die Wildunger Kliniken gehören zu den sogenannten Entnahmekrankenhäusern. Dort dürfen Organe für eine Spende entfernt werden. „Wir hatten in den vergangenen Jahren allerdings keine Entnahmen“, sagt Lotz. Der Chefarzt spricht sich für die Einführung der Widerspruchsregelung aus. Dabei ist jeder nach seinem Tod Organspender, es sei denn, er hat zu Lebzeiten widersprochen.

„Grundsätzlich wächst wieder die Bereitschaft zur Organspende“, sagt Nicole Ludolph, Oberärztin der Klinik für Innere Medizin und Transplantationsbeauftragte am Frankenberger Kreiskrankenhaus. Allerdings: „Der Tod, gerade der eigene, ist für viele Menschen ein Tabuthema. Auch wenn sie der Organspende generell positiv gegenüberstehen, wollen sie diese Frage für sich persönlich nicht beantworten.“ Sie spricht sich auch für die Widerspruchsregelung aus. 

Auch in der Frankenberger Klinik wurden in den vergangenen Jahren keine Organe entnommen. Dass die Zahl der gespendeten Organe rückläufig ist, hat für die Medizinerin auch etwas damit zu tun, dass die Menschen immer älter werden und damit auch die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten steigt. Alle Organe seien deshalb nicht für Transplantationen geeignet, aber es gebe Programme, bei denen Organe von Älteren auch Älteren eingepflanzt würden. Auch Senioren sollten deshalb Organspenden zustimmen.

10128 Menschen warten auf Organ

2016 gab es bundesweit 857 Organspender. Im Schnitt wurden jedem 3,3 Organe entnommen. Insgesamt wurden 2867 Organe transplantiert. 10 128 Menschen standen Ende 2016 auf der Warteliste. Ein neues Herz brauchen 725 Menschen, eine Lunge 390, eine Niere 7876, eine Leber 1157, eine Bauchspeicheldrüse (Pankreas) brauchen 270 und einen Dünndarm neun Menschen. Neben diesen Organen dürfen in Deutschland Hornhaut der Augen, Gehörknöchelchen, Herzklappen, Blutgefäße, Hirnhaut, Knochen- und Knorpelgewebe, Sehnen und Haut gespendet werden. Die Stiftung Eurotransplant kümmert sich um die Zuteilung von Organen.

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