„Landwirte Teil der Lösung“

Martin Vollbracht löst Fritz Schäfer als Kreislandwirt in Waldeck-Frankenberg ab

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Der neue und der alte Kreislandwirt: Martin Vollbracht (links) hat das Amt am 1. Januar von Fritz Schäfer übernommen, der 29 Jahre Kreislandwirt war. Foto: renner

Waldeck-Frankenberg – 29 Jahre lang war Fritz Schäfer Kreislandwirt, zum 1. Januar hat der Basdorfer das Amt an seinen Nachfolger Martin Vollbracht aus Giebringhausen abgegeben.

In den vergangenen Jahrzehnten sei in der Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg mehr passiert als in ganz Hessen, sagt Fritz Schäfer. Positive Beispiele seien die vielen Investitionen in die Milchwirtschaft, so seien im Landkreis in den vergangenen Jahren gut 250 Boxenlaufställe entstanden. Stolz sei er darauf, dass noch immer bis zu 15 junge Menschen im Landkreis jedes Jahr die Ausbildung zum Landwirt beginnen, so Schäfer. Dennoch habe die Zahl der angehenden Landwirte in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen.

 Die Schließung der Landwirtschaftsschule in Frankenberg bedaure er noch immer, so Schäfer. Auch, dass es den Vieh-Auktionsstandort in Korbach, die Bullenhalle, nicht mehr gebe.

Über die lokalen Probleme hinaus gab es einige Krisen für die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Als der heute 66-Jährige sein Amt antrat, waren das die Milchquote und BSE. In den folgenden Jahren gab es Diskussionen, die auch heute wieder geführt werden: um Düngerverbrauch und Pflanzenschutzmittel, sinkende Erträge für die Ernte und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse. „Ich habe trotzdem immer versucht, das Positive darzustellen.“ Auch habe er stets einen guten Dialog zwischen Verbrauchern und Erzeugern angestrebt.

Durchaus harte Auseinandersetzungen gab es mit Naturschutzverbänden, „dabei gab es Einschränkungen und Kompromisse, doch wir sind uns immer einig geworden“. Mit vorangetrieben habe er Kooperationen zum Gewässerschutz, auch die Gründung des Landschaftspflegeverbands fällt in seine Amtszeit. Einen Schatten wirft der Skandal um Wilke-Wurstwaren: Schäfer war als Ehrenamtlicher jahrelang verantwortlich für die Lebensmittelüberwachung.

Vor vier Jahren entschied Schäfer, dass Ende 2019 Schluss sein sollte. Damals wurde Martin Vollbracht zu seinem Stellvertreter gewählt und damit auch zu seinem Nachfolger. Sein ganzes Leben sei er in der Landwirtschaft aktiv, sagt Vollbracht. „Und ich kann einfach nicht Nein sagen“, sagt er lachend. Deshalb sei er jetzt Kreislandwirt.

Für die Zukunft sieht er mehrere große Aufgaben auf ihn und die heimische Landwirtschaft zukommen: „Ein wichtiges Thema ist die Öffentlichkeitsarbeit“, sagt Vollbracht. Eine intensivere Auseinandersetzung mit der Bevölkerung sei wichtig, „wir sollten miteinander sprechen, nicht übereinander“, appelliert er.

Genauer anschauen müsse man sich, worauf die teils hohe Nitratbelastung des Grundwassers zurückzuführen sei. Nicht in jedem Gebiet seien daran Landwirte Schuld. Gleiches gelte für den Kohlendioxid-Ausstoß. „Wir sind Teil der Lösung“, betont der neue Kreislandwirt. Bei allen Einschränkungen: „Betriebe müssen leistungsfähig bleiben.“ Er habe das Gefühl, dass in Berlin immer wieder „über unsere Köpfe hinweg“ entschieden werde.

Weil die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinke, werde es in Zukunft nicht mehr in allen Orten im Landkreis Höfe geben. Schon jetzt gebe es Orte ohne Landwirtschaft. Derzeit gebe es zwar noch in mehr als 90 Prozent der Ortschaften einen Ortslandwirt, doch das werde nicht so bleiben. 

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