Maschinenring will Anteile an Biomasse-Kraftwerk loswerden

Jens Deutschendorf

Der Maschinenring Waldeck-Frankenberg will sich aus dem Biomassekraftwerk in Flechtdorf zurückziehen. Denn die gemeinsam mit dem Landkreis gegründete Betreiber-Gesellschaft BMV schreibt Verluste.

Für einen Euro soll der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Landkreises die Anteile der 100-prozentigen Maschinenring-Tochter Biomasse- und Brennstofflogistik (BBL) GmbH an der BMV übernehmen. Der Eigenbetrieb, der bislang 51 Prozent der Anteile hält, wird somit ab Januar 2016 zum Alleingesellschafter. Der Finanzausschusses hat am Donnerstag dem Geschäft bereits einmütig zugestimmt, der Kreistag entscheidet am 20. Juli endgültig.

Die für 3,8 Millionen Euro gebaute und im Mai 2007 in Betrieb genommene Anlage hat im vergangenen Jahr ein Minus von rund 48.000 Euro erwirtschaftet, für das laufende Jahr geht die Betreibergesellschaft von einem Verlust von knapp 70.000 Euro aus. Auch in den Folgejahren werde das Kraftwerk unter diesen Bedingungen nicht mehr kostendeckend zu betreiben sein, heißt es in der Beschlussvorlage für den Kreistag. 2006 hatte der Landkreis noch mit einem mittleren Jahresüberschuss von 93.000 Euro vor Steuern kalkuliert.

„Die Rahmenbedingungen auf dem Markt haben sich über die Jahre verändert“, erklärte Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf (Grüne) im Finanzausschuss die wirtschaftliche Schieflage: Die Einspeisevergütung für regenerative Energien hat das Geschäft für Private lukrativ gemacht. Biomassekraftwerke sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen und kaufen große Mengen Holz aus der Landschaftspflege auf.

Das hat Folgen für die Flechtdorfer Anlage: Zum einen wird weniger Brennstoff angeliefert, zum anderen muss das Kraftwerk den fehlenden Brennstoff zu steigenden Preisen zukaufen.

Müll als Energieholz nutzbar 

Aktuell werden in der Flechtdorfer Deponie unter anderem von den Straßenmeistereien und den Schredderplätzen der Gemeinden jährlich rund 10.000 Tonnen „verholzte Biomasse“ zur Entsorgung angeliefert, davon sind rund 7000 Tonnen als Energieholz brauchbar. Das reicht gerade mal, um 60 Prozent des Jahresbedarfs des Biomassekraftwerks zu decken. Die übrigen 40 Prozent muss sich die Betreibergesellschaft BMV auf dem freien Markt besorgen.

Vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Perspektive sieht die BBL - respektive der Maschinenring - sich nicht mehr in der Lage, mögliche Verluste über das Jahr 2015 hinaus mit zu tragen und hat deshalb dem Eigenbetrieb angeboten, die 49 Prozent der Gesellschaftsanteile für einen Euro zu übernehmen.

Ziel des Landkreises ist, die Betreibergesellschaft aufzulösen und das Kraftwerk als weitere Entsorgungsanlage in den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft einzugliedern. Das ermögliche es, die Anlage flexibler zu betreiben, das wirtschaftliche Interesse rücke in den Hintergrund, erklärte Deutschendorf. So sollen die Betriebszeiten des Kraftwerks optimiert werden, sagte Egbert Blanc, Leiter des Eigenbetriebs.

Denkbar sei eine längere zusammenhängende Revisionszeit im Sommer. Die Anlage soll hauptsächlich laufen, wenn die Gemeinden Material anliefern und der Biogarten Flechtdorf die Wärme benötigt. Dadurch müsse weniger Brennstoff zugekauft werden, das Defizit werde reduziert, so Blanc. Angestrebt werde ein ausgeglichenes Ergebnis. Deutschendorf: „Wir sind überzeugt, dass wir so in Zukunft solider aufgestellt sind.“

„Unwägbarkeiten“ sah Rainer Opper (CDU): „Wir kaufen uns möglicherweise für einen Euro ein Defizit ein, das ist die Krux.“ Dennoch stimmte er dem Vorschlag zu. (lb)

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