Nabu: Hessen-Mobil betreibt Kahlschlag an Straßenrändern

Nabu: Hessen-Mobil betreibt Kahlschlag an Straßenrändern

Mit Motorsäge und Schredder: Allzu kräftig wurde nach Ansicht des NABU-Kreisverbandes in Waldeck-Frankenberg das Begleitgrün an den Straßen, wie hier an der B 252, ausgelichtet. Foto: zve

Waldeck-Frankenberg. Streit zwischen Naturschutzbund und Hessen-Mobil: Die einen sprechen von Kahlschlag an Straßenrändern, die anderen von üblichen Pflegearbeiten.

Der Naturschutzbund-Kreisverband Waldeck-Frankenberg (Nabu) wirft Hessen-Mobil vor, beim Frühjahrsschnitt „Kahlschlag entlang vieler Straßen im Kreis“ betrieben zu haben - und vermutet finanzielle Interessen dahinter.

„Das hat nichts mehr mit Verkehrssicherung oder Gehölzpflege zu tun, was wir an verschiedenen Stellen des Kreisgebietes festgestellt haben“, sagen Nabu-Vertreter. Die Naturschützer beobachteten, dass Straßenwärter oder von Hessen-Mobil beauftragte Firmen teilweise mit Spezialmaschinen ausrückten, „um ganze Böschungen, dicke Bäume oder geschlossene Hecken abzurasieren. Auf riesigen Haufen türmte sich das Schnittgut, das später mit Lkw zu Sammelplätzen transportiert wurde oder direkt in Container geschreddert wurde.“

„Der Markt für Holzhackschnitzel ist derzeit so gut, dass es sich offenbar lohnt“, vermutet Nabu-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider (Battenberg) auf HNA-Anfrage. Es lägen auch Hinweise aus Südhessen vor, nach denen Baumfäll-Firmen bei Überlassung des Holzes diese Arbeiten fast kostenlos übernähmen. Der Nabu sehe die Schutzfunktion der Gehölze für die Brut vieler Vögel nicht mehr als gewährleistet an. Er will seine Kritik über eine Resolution beim Verkehrsminister Tarek Al-Wazir vorbringen und droht, künftig Anpflanzungen nicht mehr als Ausgleichsmaßnahmen bei Straßenneubauten anzuerkennen.

„Hessen-Mobil hat bei der Gehölzpflege immer die Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit im Blick“, konterte Horst Sinemus vom Straßen- und Verkehrsmanagement. Fällungen von Bäumen und Verjüngungsmaßnahmen seien aus Sicherheitsgründen notwendig und würden mit den Naturschutzbehörden abgestimmt. Ein Teil des Holzes würde zum Schreddern verkauft, der Erlös sei jedoch gering, so Sinemus.

Als Beispiel für den „Kahlschlag“, den der Naturschutzbund (Nabu) Waldeck-Frankenberg Hessen-Mobil vorwirft, nennt Nabu-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider den Bereich unweit der Kröge bei Battenberg. Dort habe Hessen-Mobil bei der Frühjahrsverjüngung Straßenbegleitgrün auf etwa 300 Meter Länge „platt gemacht“.

Dabei seien besonders auch die blühenden Weiden und Haselsträucher beseitigt worden, die gerade jetzt im kalten Frühjahr für die geschwächten Bienenvölker eine erste wichtige Nahrungsgrundlage bilden.

Hessen-Mobil bewertet die Situation komplett anders: An der Landesstraße bei der Kröge wurden auf drei Kilometern mit durchgehendem Straßenbegleitgrün in fünf maximal 50 Meter langen Abschnitten Baumfällarbeiten erledigt - vor allem Weiden und andere in Ufernähe der Eder wachsende Bäume wurden gefällt. Es wurde kein Kahlschlag durchgeführt, sondern es wurden sogenannte Zielbäume erhalten. Die gefällten Weiden, Haselnusssträucher und Büsche treiben wieder aus.

Der Sprecher von Hessen-Mobil, Horst Sinemus, vermutet: „Möglicherweise ist aufgrund der Baufeld-Räumungen für die Baumaßnahmen im Bereich B 253 /Sackpfeife und der Landesstraße Eifa-Hatzfeld und den turnusgemäß verstärkt im Bereich Hatzfeld-Frankenberg erfolgten Arbeiten am Lichtraumprofil der falsche Eindruck entstanden, dass Hessen-Mobil Baumfällungen zu Erlöszwecken durchführt.“

Er stellt fest: „Der Umfang der Arbeiten ist keineswegs von der Höhe eines Erlöses bei der Holzverwertung bestimmt, sondern Folge der Baumaßnahmen und im Falle „Kröge“ von turnusgemäßen Gehölzpflegearbeiten sowie vereinzelt auch von Arbeitsrückständen aus Vorjahren.“ (zve/mab)

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