Nach der Reanimation: Vier Frankenberger erzählen

Ein Jahr später: (von links) Alexander Paul, Gudrun Waßmuth, Dieter Scholl und der 25-jährige junge Mann aus Marsberg hatten alle einen Herzstillstand und sind von Dr. Monika Güttinger (2. von rechts) reanimiert worden. Foto: Battefeld

Frankenberger Land. Vier Mal Herzstillstand und vier Mal Reanimation: Uns erzählen vier Betroffene wie es ihnen ein Jahr nach der Wiederbelebung geht. Denn die Genesung ist oft schwierig.

Dieter Scholl traf es beim Joggen, Gudrun Waßmuths Herz stand nach einen schweren Hinterwandinfarkt still, und Alexander Paul fiel im Foyer einer Bank leblos zu Boden: Dramatische Situationen, in denen manchmal Sekunden über Leben oder Tod entscheiden können.

In allen drei Fällen ging der durch Herzstillstand eingetretene Notfall gut aus, denn die Patienten, konnten von der Frankenberger Notärztin Monika Güttinger erfolgreich reanimiert werden.

Knapp ein Jahr nach den Vorfällen haben wir mit den Beteiligten gesprochen und nachgefragt, wie es ihnen heute geht. Dazu gehört auch ein junger Mann, der namentlich nicht genannt werden will. Alle haben sich inzwischen ins Leben zurückgekämpft. Für alle war es aber auch ein langer, oft schwieriger Weg.

Am Arbeitsplatz

„Ich kann mich an nichts erinnern“, sagt der 25-Jährige, der am Arbeitsplatz plötzlich leblos zusammengebrochen war. Er wisse nur durch Erzählungen seiner Eltern, dass er einen Herzstillstand gehabt habe und „völlig verkabelt“ da gelegen habe. Der junge Mann ist nach langem Krankenhausaufenthalt, dem Einsetzen eines Herzschrittmachers und einer Reha zwar wieder beruflich tätig, einige Dinge gehen ihm aber immer noch nicht so leicht von der Hand wie früher. Er leidet außerdem unter Schwindel. Er sei aber froh, dass er es wieder soweit geschafft habe und wieder arbeiten könne. „Ich habe jetzt nicht mehr so große Angst vor dem Tod“, sagt der Marsberger, der nun zwei Mal im Jahr Geburtstag feiern will.

Beim Joggen

Auch die Erinnerung von Dieter Scholl setzt erst wieder ein, als er im Krankenhaus auf die normale Station verlegt worden ist. Da hat er aber schon eine OP und mehrere Tage künstliches Koma hinter sich. „Ich erinnere mich dort an eine rothaarige Krankenschwester“, berichtet der Bottendorfer. Die Woche vor und nach dem Zusammenbruch beim Joggen sei völlig weg. Später habe er erfahren, dass seine Frau jeden Tag an seinem Bett gesessen, mit ihm geredet und ihm auch Musik vorgespielt habe. Anfangs habe er noch leichte Gedächtnisstörungen gehabt, aber nach relativ kurzer Zeit sei ihm alles wieder eingefallen. „Wenn das das Sterben war, dann war es nicht schlimm“, habe er später gesagt. „Ich habe unwahrscheinliches Glück gehabt“, betont der 61-Jährige.

Hinterwand-Infarkt

Während Dieter Scholl nach eigenen Angaben inzwischen wieder „voll belastbar“ ist und auch wieder zum Joggen aufbricht, ist Gudrun Waßmuth körperlich noch eingeschränkt, bedingt durch Komplikationen bei einer Herzkatheter-Behandlung. Die 57-Jährige konnte erst fünf Monate nach ihrem Infarkt aus dem Krankenhaus entlassen werden. „Ich bin aber froh, dass das Gedächtnis wiedergekommen ist und es mir wieder gut geht.“ Die Zeit nach ihrem Herzinfarkt sei allerdings „wie ausgeblendet“. Ihr Mann habe ihr alles erzählen müssen. „Man fühlt sich hilflos, wenn man viele Dinge nicht weiß“, so die Frankenbergerin. Sie habe auch psychologische Hilfe in Anspruch genommen, um Ängste abzubauen. Im Vordergrund stehe, dass es auch körperlich wieder besser werde. „Ich habe nochmal ein neues Leben geschenkt bekommen“, sagt sie.

In der Bank

„Ich wollte damals zur Bank gehen und bin dann dort wohl zusammengebrochen“, berichtet Alexander Paul, der zur Zeit im Seniorenzentrum Ederbergland wohnt. Auch er weiß von dem Vorfall nicht viel. Der 57-jährige Frankenberger kann noch nicht alleine wohnen, möchte aber gerne wieder aktiver leben und hofft auf einen Platz im Betreuten Wohnen. Körperlich geht es ihm wieder gut und er wünscht sich wieder im Garten arbeiten zu können.

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