Taxifahrer war ums Leben gekommen – Witwe überzeugt Juristen nicht

Nach Unfall bei Wetterburg: Gericht sieht keinen Totschlag

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Ein Ort der Trauer direkt am Ortseingang von Wetterburg: Bei der Berufungsverhandlung in Kassel ging es um den verstorbenen polnischen Taxifahrer von Wetterburg.

Wetterburg/Kassel. Das Berufungsverfahren zum Unfalltod eines polnischen Taxifahrers am Ortseingang von Wetterburg ist von der 7. Strafkammer des Landgerichts Kassel wieder eingestellt worden.

Sowohl der Vorsitzende Richter Michael Reichhardt, als auch Staatsanwalt Fabian Ruhnau hatten der trauernden Witwe dargelegt, dass ihre Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Korbach zwar menschlich nachvollziehbar, juristisch aber ohne jede Aussicht auf Erfolg sei.

Ende Januar hatte der Korbacher Amtsrichter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling den für den Unfall verantwortlichen Fahrer zu einer Bewährungsstrafe von elf Monaten und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Außerdem war verfügt worden, dass der 26 Jahre alte Student vor Ablauf von drei Jahren keine neue Fahrerlaubnis beantragen darf.

Die Urteilsbegründung sei schlüssig, urteilte der Vorsitzende Richter des Berufungsgerichts. Vor allem sei sauber dargelegt, warum der Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Verkehrsgefährdung verurteilt wurde.

Die von der Witwe als Nebenklägerin beantragte Verurteilung wegen Totschlags entbehre jeder juristischen Grundlage, weil dazu mindestens bedingter Vorsatz nachgewiesen werden müsse. Das sei dann der Fall, wenn der Tod anderer billigend in Kauf genommen werde. Das Amtsgericht habe aber sehr ausführlich herausgearbeitet, dass genau das nicht der Fall war.

Schließlich habe sich der Unfallverursacher durch seine riskante Fahrweise ebenso in Lebensgefahr gebracht wie seine drei Mitfahrer. Den plötzlich auftretenden Gegenverkehr habe er gar nicht im Sinn gehabt. Der Bundesgerichtshof habe bei einem tödlichen Straßenrennen in Berlin ebenfalls keinen bedingten Vorsatz erkannt, obwohl dort sogar mit hohem Tempo rote Ampeln überfahren worden seien.

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