Flüchtlingszahlen gehen zurück

Nachfrage in Kleiderkammern sinkt – Ehrenamtliche berichten

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Beim Aussortieren: (von links) Regine Frese, Gertrud Hornig und Michaela Steuber vom Kleiderkammerteam Bromskirchen haben viel Arbeit damit, die Kleidung aus den schweren Säcken herauszuholen. 

Waldeck-Frankenberg. Im Herbst 2015 schossen sie wie Pilze aus dem Boden, die Kleiderkammern für Flüchtlinge. In vielen Gemeinden in Waldeck-Frankenberg engagierten sich Ehrenamtliche, um die Hilfsbedürftigen mit gespendeten Kleidern, Mänteln und Schuhen zu versorgen.

Viele Flüchtlinge besaßen damals nur das, was sie am Körper trugen. Aufgrund rückläufiger Flüchtlingszahlen wird nun mancherorts überlegt, ob das Angebot noch aufrechterhalten werden soll.

Die Bitten sind überall die gleichen: nur gut erhaltene und noch tragbare Kleidung spenden und sie in kleinen Verpackungen direkt in der Kleiderstube abgeben – nicht einfach in großen Müllsäcken abstellen. Das sagen ehrenamtliche Helferinnen, die in Bromskirchen, Allendorf-Eder und Battenberg Kleiderstuben betreiben und unserer Zeitung von ihren Erfahrungen berichten.

Enttäuscht zeigt sich das Bromskirchener Kleiderkammerteam, zu dem Regine Frese, Gertrud Hornig und Michaela Steuber gehören. „Die gespendete Kleidung befindet sich häufig in einem schlechten Zustand und wird teilweise in großen Müllsäcken wie zur Entsorgung vor der Tür abgestellt“, sagen die Frauen.

Die ehrenamtlichen Helferinnen bedauern auch, dass der Umgang mit einigen Flüchtlingen, die sich in der Einrichtung mit Kleidung eindecken, nicht ganz einfach sei. „Manche wühlen sich durch die Regale, finden nicht das, was sie suchen, und lassen uns mit der Unordnung dann alleine.“

Christiane Melzer und Traudel Becker, die die seit langem bestehende Kleiderstube für Bedürftige der evangelischen Kirchengemeinde Allendorf/Eder betreiben, haben klare Regeln eingeführt. Sie lassen immer nur eine Person oder eine Familie an die Theke treten. „Hier können die Bedürftigen ihre Wünsche äußern und wir holen, was gewünscht wird. Wir haben alles nach Artikel und Größe sortiert und lassen uns keine Unordnung machen“, sagen die beiden, für die „ihre Kleiderstube“ auch eine Herzensangelegenheit geworden ist.

Bei ihrer Arbeit werden die Frauen von Birgit Heß unterstützt. „Wir haben Stammkunden, die schon lange zu uns kommen und keine Flüchtlinge sind. Deshalb stellt sich bei uns nicht die Frage, ob wir die Kleiderstube weiterführen“, sagt Christiane Melzer.

Traudel Becker hat diese Bitte an Kleiderspender: „Nur das spenden, was man vom Zustand her selbst noch tragen würde.“ Das sei aber leider nicht immer der Fall. Diese Bitte unterstreicht auch Bärbel Becker, die in Battenberg die Kleiderkammer betreut. Besonders benötigt wird nach ihren Worten Kleidung für junge Männer. „Keine Anzüge, sondern eher Freizeitkleidung für Männer im Alter zwischen etwa 20 und 40 Jahren“, präzisiert sie.

An Schließung der Kleiderstube denkt man in Battenberg nicht. „Die Flüchtlingszahlen sind zwar zurückgegangen. Aber durch die Flüchtlingsunterkunft am Wingertsberg mit etwa 80 Personen ist die Nachfrage nach Kleidungsstücken nach wie vor groß“, sagt Becker. (wi/off/mab)

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