HNA stellt Menschen vor, deren Name zum Beruf passt

Der Name als Beruf: Die Schneiders aus Löhlbach sind Schneider

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Daniel Schneider aus Löhlbach ist gelernter Schneider, für seine Tochter Birgit Wilhelm ist Nähen ein Hobby.

Waldeck-Frankenberg: Ein Koch der Koch heißt, ein Zahnarzt namens Dr. Zahn, eine Familie Schneider, die viele Schneider in ihren Reihen hat. Die HNA stellt Menschen vor, bei denen der Name auch Berufung ist. 

Daniel Schneider heißt nicht nur Schneider. Er kommt aus einer Schneiderfamilie und ist selbst gelernter Schneider. 1946 hat er seine Lehre bei seinem Vater begonnen, dem Löhlbacher Schneidermeister Adam Schneider.

„Heute konfirmiert, morgen in die Lehre. So war das damals“, sagt der 86-Jährige. Dass er den Beruf des Schneiders lernte, war damals selbstverständlich. „In der Zeit nach dem Krieg gab es kaum Auswahl“, sagt er. Drei Jahre lang dauerte die Lehre, als Gesellenstück machte er sich selbst einen Anzug. Zur Prüfung kam der Obermeister Bartke aus Frankenberg. Daniel Schneider bestand mit einer glatten Zwei. Den Gesellenbrief hat er noch.

Bis 1956 übte er den Beruf in der Werkstatt seines Vaters aus. Wie sein Vater saß er beim Nähen auf dem Tisch, damit die Kleidung nicht auf dem Boden schleifte. Und meist hatten die Schneider namens Schneider Gesellschaft in der Schneiderstube in der Löhlbacher Mittelgasse. Männer aus dem Dorf kamen zum Plaudern.

Doch nach und nach ließ die Nachfrage nach Maßanzügen nach. Konfektionsware setzte sich durch. Für zwei Schneider reichte die Kundschaft nicht. So wurde Daniel Schneider Krankenpfleger in Haina – fünf Jahre dauerte die Ausbildung bis zum Staatsexamen. Auch sein jüngerer Bruder Willi hatte noch Schneider gelernt, er suchte sich aber nach der Lehre gleich andere Beschäftigungen.

Daniel Schneider nähte in seiner Freizeit für den Hausbedarf weiter. Tochter Birgit Wilhelm erinnert sich noch daran, wie er ihr und ihrer Schwester in den 1960er-Jahre moderne Steghosen, die man in den Stiefeln trug, nähte. Der Vater kürzte Hosen und Röcke und erneuerte defekte Reißverschlüsse. Doch vor drei Jahren war damit Schluss: Die Augen und die von Gicht befallenen Hände machten nicht mehr mit.

Da beschloss seine Tochter, die als Einzelhandelskauffrau im Textilbereich arbeitete, nun selbst Nähen zu lernen. Denn wer sollte nun die Reißverschlüsse wechseln? „Bisher hatte ich mich darum gar nicht gekümmert“, sagt die 63-Jährige. Sie besuchte einen Volkshochschulkurs und schloss sich dem Nähkästchen, der Nähgruppe der Löhlbacher Landfrauen, an.

„Es macht mir viel Spaß“, sagt sie. Anders als ihr Vater, der nur auf seiner mechanischen Maschine, einer Mundlos aus Magdeburg aus dem Jahr 1938, nähte, kaufte sie sich aber eine elektrische Nähmaschine. Damit führt sie nun die Familientradition der Schneiders zumindest als Hobby fort.

Weitere Beispiele für Menschen, bei denen der Name auch mit dem Beruf zu tun hat, lesen Sie in der gedruckten Montagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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