Diskussion um Schüleraustausch zwischen ost- und westdeutschen Schulen

Schulleiter legen Wert auf europäischen Schüleraustausch

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Waldeck-Frankenberg. Helmut Holter, Chef der Kultusministerkonferenz, will den Ost-West-Schüleraustausch vorantreiben, weil Jugendliche und Erwachsene zu wenig wüssten über die Geschichte der alten BRD und der DDR. Wir haben heimische Schulleiter, gefragt, was sie davon halten.

Schulleiter in Waldeck-Frankenberg stehen dem Vorschlag eines Schüleraustauschs zwischen Ost- und Westdeutschland nicht grundsätzlich negativ gegenüber. Dennoch gebe es Argumente, die dagegen sprechen.Zum Beispiel, dass die meisten Schulen schon viele Austauschprogramme mit europäischen Städten haben.

„Wir haben begrenzte Möglichkeit, überhaupt mit Schülern zum Schüleraustausch zu fahren“, sagt beispielsweise Claus-Hartwig Otto, der Schulleiter der Edertalschule. Das Gymnasium bietet bereits Schüleraustausch mit Dänemark und den Niederlanden, wo die Schüler Englisch sprechen, und mit Frankreich an. Demnächst werde Spanisch als zweite Fremdsprache eingeführt, „dann suchen wir uns in zwei Jahren eine Austauschschule in Spanien“, sagt Otto. „Wir sind ein Gymnasium, das großen Wert auf Sprachen legt, deshalb ist es uns sehr wichtig, mit den Schülern ins europäische Ausland zu fahren. Wir unterrichten ja kein Sächsisch.“ Außerdem gebe es schon je eine Klassenfahrt in den Jahrgangsstufen 6 und 10 und eine Oberstufenfahrt.

Digitale Alternativen

Dem „guten Vorschlag“ Ostdeutschland steht der Schulleiter dennoch offen gegenüber – aber nicht als Austausch. „Im digitalen Zeitalter gibt es viele Möglichkeiten für gemeinsame Projekte von Schulen in Politik und Geschichte“, findet Otto. In der Frankenberger Partnerstadt Frankenberg in Sachsen hat die Edertalschule übrigens keine Partnerschule.

Ähnlich wie Otto sieht es Reinhold Gaß, Schulleiter der Gesamtschule Battenberg: Schüleraustauschprogramme seien immer eine sinnvolle Sache, sagt Gaß. „Wir haben hier allerdings schon viele Austauschprogramme mit Schulen in Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich.“ Der interkulturelle Austausch mit anderen EU-Staaten werde schließlich auch gefordert.

Bei Exkursionen nach Berlin und Brandenburg werde die deutsche Geschichte allerdings regelmäßig mit den Schülern aufgearbeitet. Beispielsweise bei Besuchen in der Gedenkstätte für Stasi-Opfer in Berlin-Hohenschönhausen. „Gerade in der heutigen Zeit, wo viele sich in Richtung Nationalismus bewegen“, seien europäische Austauschprogramme aber besonders wichtig, meint Gaß.

Sehr aufgeschlossen gegenüber einem Ost-West-Austausch zeigt sich Robert Gassner, der Schulleiter der Alten Landesschule in Korbach. „Meiner Meinung nach könnte so ein Austausch für alle Jahrgänge interessant sein. Es hängt jedoch von der Zielsetzung ab. Würde man einfach nur hin- und zurückfahren, ohne Vor- und Nacharbeit, wäre es lediglich Tourismus“, sagt Robert Gassner.

Ob die Idee etwas spät komme, fragt sich Barbara Pavlu, Leiterin der Uplandschule in Willingen – nach der Wende habe es vielleicht zu wenig Vergleichbares gegeben. Schlecht sei die Idee deshalb noch nicht: „Wir sind offen für alles“, sagt sie. Mit dem fremdsprachigen Ausland würden schon häufig Schüler ausgetauscht, Erfahrungen gibt es etwa mit Polen. Den Osten Deutschland erkundeten die Uplandschüler bislang in Studienfahrten. „Insgesamt lässt sich festhalten: Kontakte und Austausch sind immer von Vorteil“, sagt Barbara Pavlu. (jpa/maz/wf)

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