"Ein Gespräch ist schwierig"

Streit mit der Türkei belastet auch Türkisch-Deutschen Verein in Frankenberg

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Gedrückte Stimmung beim Türkisch-Deutschen Verein: Über die Auswirkungen der Politik des türkischen Präsidenten Erdogan auf den Frankenberg Verein sprach die HNA mit den Vorsitzenden Herbert Keim (links) und Riza Aras sowie Vorstandsmitglied Ruth Seitz.

Frankenberger Land. Die aktuelle Lage zwischen Deutschland und der Türkei macht auch dem Türkisch-Deutschen Verein (TDV) in Frankenberg zu schaffen.

 „Es ist schwierig, ein sachliches Gespräch über dieses Thema im Türkisch-Deutschen Verein zu führen. Das sagt der deutsche Vorsitzende Herbert Keim über die Auswirkungen der eisigen Beziehung im Vorfeld des Referendums zur Änderung der türkischen Verfassung zwischen der Türkei und Deutschland.

„Das ist wie in der Familie, wenn sich die Verwandtschaft trifft. Bestimmte Themen werden ausgeklammert, um des lieben Friedens Willen“, ergänzt Keim. Dabei stimmt er mit dem türkischen Vereinsvorsitzenden Riza Aras darin überein, dass „der TDV keinen politischen Auftrag hat und dass es nicht Aufgabe des Verins ist, zu den aktuellen Themen Stellung zu beziehen.“

Bei einem Gespräch mit der HNA weisen beide darauf hin, dass der TDV vor 24 Jahren - nach dem Erschrecken über fremdenfeindliche Angriff - gegründet wurde, um Toleranz sowie das Kennenlernen von Türken und Deutschen zu fördern und die „Fremdheit zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zu vermindern“, wie es in der Vereinssatzung heißt.

„Das ist dem Verein gelungen. Es haben sich zahlreiche Freundschaften zwischen türkischen und deutschen Familien gebildet, die regelmäßigen Feste sind gut besucht, ebenso wie gemeinsame Vorträge und Fahrten“, berichtet Vorstandsmitglied Ruth Seitz.

Nun steckt der Verein in einem Dilemma - ausgelöst durch die Politik. „Machen wir das deutsch-türkische Verhältnis zum Thema, kann es zum Streit kommen. Klammern wir das Thema aus, wird es das Klima vergiften und uns lähmen“, beschreibt Vorsitzender Keim die Lage.

Der deutsch-türkische Konflikt mache deutlich, wie unterschiedlich die Sichtweise von Deutschen und Türkischstämmigen auch im Frankenberger Land noch sei. Keim: „Es ist für uns Deutsche nicht nachzuvollziehen, dass in Deutschland aufgewachsene türkischstämmige Mitbürger in so großer Anzahl für Erdogans Verfassungsreferendum sind. Türkischstämmige können hingegen nicht nachvollziehen, dass wir Deutschen so wenig Verständnis für ihre Sichtweisen und ihr Ursprungsland haben.“

Riza Aras fügt hinzu, dass Informationen in den deutschen Medien oft „einseitig“ seien. Er verfolge auch die türkischen Medien. Dass es dort gar keine Opposition mehr gebe, stimme so nicht. Und was die Deutschen nicht verstünden, sei die Gefahr des Terrorismus in der Türkei.

Dennoch soll das Gespräch nach Ansicht des deutschen Vorsitzenden gesucht werden: „Nicht beim Frühlingsfest oder anderen Veranstaltungen, sondern in kleinen Kreisen mit Deutschen und Türken, die Freunde geworden sind - so wie beispielsweise in der besten Ehe immer mal wieder Standpunkte geklärt werden müssten, ohne dass man sich danach böse ist.“

Riza Aras, der türkische Vorsitzender des TDV; erlebt immer wieder, wie er und andere Türkischstämmige von deutschen Arbeitskollegen, Bekannten oder Nachbarn auf das Verhalten Erdogans angesprochen und dafür verantwortlich gemacht werden. Aras: „Ich kann nicht dafür stehen, was Erdogan sagt. Herbert Keim steht ja auch nicht für das, was Angela Merkel sagt“, macht er deutlich.

Aras hört immer wieder den Satz: „Dann geh doch zurück in die Türkei“. Der Sozialdemokrat Keim kennt diese Argumentation aus den 60er- und 70er-Jahren in Deutschland: „Dann geh doch rüber!“ wurde linken Kritikern damals entgegengehalten.

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