Inzwischen gibt es mehrere Varianten

Täter bringen Senioren mit Enkeltrick um ihre Ersparnisse

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Sie hat einen Enkeltrick verhindert: Maike Neumeier, Filialleiterin der Waldecker Bank in Mengeringhausen.

Waldeck/Frankenberg. Mindestens 16 Mal haben Straftäter im Jahr 2016 versucht, ältere Menschen aus Waldeck-Frankenberg mit dem so genannten Enkeltrick um ihre Ersparnisse zu bringen.

Diese Zahl nannte die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg auf Anfrage. „Die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher, weil sich nicht alle Betroffenen bei der Polizei melden“, sagt Oberkommissarin Susanne Gottmann aus Kassel, Sachbearbeiterin in der Kriminalprävention.

Zum Enkeltrick, bei dem sich wildfremde Menschen am Telefon als nahe Angehörige ausgeben, finanzielle Notlagen vorgaukeln und auf die Hilfsbereitschaft vorwiegend älterer, alleinstehender Menschen setzen, gibt es inzwischen mehrere Varianten.

Als Beispiel nennt Susanne Gottmann den „falschen Polizeibeamten“: Ein angeblicher Polizist ruft bei älteren, alleinstehenden Menschen an und gibt diesen zu verstehen, sie müssten schnellstens ihre Ersparnisse von der Bank abholen, weil diese dort nicht mehr sicher seien. Alleinstehende Menschen würden „oft über Wochen“ immer wieder angerufen und traktiert mit dem Ziel, persönliche Daten, Bankgeheimnisse und Vermögensverhältnisse preiszugeben.

Aktenkundig sind darüber hinaus auch „Schockanrufe“. Dabei wird zum Beispiel Russlanddeutschen am Telefon suggeriert, Angehörige hätten einen Unfall in der früheren Heimat und kämen nur gegen Geldzahlung wieder frei.

„Lassen Sie sich am Telefon nicht ausfragen und unter Druck setzen“, rät Susanne Gottmann. Viele Täter suchten im Telefonbuch gezielt nach scheinbar älteren Vornamen. „Am besten löschen Sie Ihren Eintrag im Telefonbuch“, rät die Oberkommissarin. Sie gibt noch einen praktischen Tipp: „Die Polizei ruft nie über den Notruf 110 bei Ihnen an.“ Wer diese Nummer in seinem Telefon-Display sehe, der habe es mit Betrügern zu tun. 

Tipps der Opferschutzorganisation "Weißer Ring"

„Bei Anrufern, die Geld fordern, ist stets Vorsicht geboten“, schreibt die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ und gibt folgende Tipps:

  • Legen Sie bei unerwünschten Anrufen auf. Das hat nichts mit Unhöflichkeit zu tun.
  • Notieren Sie sich, wenn möglich und ein Display vorhanden ist, die Rufnummer.
  • Lassen Sie sich auf keine Diskussion ein, denn die Betrüger verfügen in der Regel über einen reichen Erfahrungsschatz, dem der überraschte Bürger nicht gewachsen ist.
  • Telefonbetrüger verschaffen sich während des Gesprächs äußerst versiert Informationen über Sie, Ihr Umfeld und Ihre finanziellen Verhältnisse. Achten Sie darauf, Unbekannten niemals Informationen über sich preiszugeben.
  • Vorsicht, wenn Personen sich am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Bei Ratespielchen („Na, rate mal, wer dran ist!“) sollten Sie auf keinen Fall mitmachen.
  • Haben Sie Zweifel an der Identität eines Anrufers, der sich als Familienangehöriger ausgibt, legen Sie auf und rufen Sie den angeblichen Bekannten/Verwandten selbst an.
  • Angebote, die Sie nicht angefordert haben, sollten Sie ablehnen, besonders am Telefon.
  • Lassen Sie niemals Fremde in Ihre Wohnung und übergeben Sie kein Geld an Unbekannte, die ein Verwandter telefonisch angekündigt hat.
  • Offizielle Stellen, zum Beispiel das Ordnungsamt oder die Staatsanwaltschaft, fordern niemals telefonisch zur Zahlung eines Geldbetrages auf. Kommen Sie solchen Zahlungsaufforderungen unter keinen Umständen nach.
  • Banken und offizielle Stellen bitten grundsätzlich nicht um die Herausgabe von Geheimnummern/PINs oder Passwörtern. Geben Sie diese niemals an Dritte weiter.
  • Informieren Sie die Polizei, wenn Ihnen die Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt. 
    Quelle: Weißer Ring

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