Vier Männer und eine Frau waren angeklagt

Urteil gegen Erpresserbande: Zehn Jahre Haft für den Haupttäter

Frankenberg/Marburg. Hohe Haftstrafen von bis zu zehn Jahren wegen Geiselnahme und erpresserischen Menschenraubs sind am Dienstagabend gegen drei Männer aus dem Frankenberger Land verhängt worden. Eine Frau und ein weiterer Mann kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Es war ein ungewöhnlich langer Prozess. Seit Anfang November verhandelte die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Frank Oehm gegen die fünf Angeklagten, die zwischen August und Oktober 2016 in wechselnder Besetzung mit weiteren Tätern mit großer Brutalität und teils über einen langen Zeitraum mehrere Opfer unter anderem zu Geldzahlungen gezwungen haben sollen. Am 30. Prozesstag fielen nun die Urteile. 

„Es war immer ein ganz fein gekochter Hinterhalt“, sagte Oehm Landgerichtspräsident Frank Oehm in seiner Begründung zum Urteil gegen eine Bande aus dem Frankenberger Land. Die vier Männer und eine Frau waren beim Landgericht in Marburg wegen Geiselnahme und erpresserischen Menschenraubs angeklagt. Der 30-jährige Hauptangeklagte habe die Opfer meist unter Vorwänden durch andere an entlegene Orte gelockt, an denen er für eine Überzahl gesorgt habe, führte Oehm aus.

„An Schäbigkeit nicht zu überbieten“ sei dabei ein Fall gewesen, weil ein Mann, der über Stunden in der Gewalt der Täter war und dabei mehrfach geschlagen und mit dem Tode bedroht wurde, mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hatte. Dem 30-jährigen Hauptangeklagten ging es laut Urteil hier nämlich darum, einen anderen unter Druck zu setzen, um Differenzen aus Drogengeschäften zu klären. Das Opfer wurde an verschiedene Orte gefahren und musste teilweise die Zeit im Kofferraum verbringen. An dieser Tat waren alle fünf Angeklagten beteiligt.

Die Lebensgefährtin des Haupttäters leistete, wie in mindestens einem weiteren Fall, Fahrdienste. Ein 23-Jähriger, so Oehm, stand nahe an einer direkten Beteiligung an den Taten. Weil die ihm aber nicht nachzuweisen war, blieb es bei Beihilfe. Beide bekamen 1,5 Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Mann muss als Auflage 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, die Frau 3600 Euro an die Staatskasse zahlen.

5,5 Jahre Gefängnis lautete das Urteil gegen einen 25-Jährigen. Ein 23-Jähriger erhielt 8,5 Jahre. Zehn Jahre gab es für den Haupttäter. Bei den beiden Letzteren ordnete die Strafkammer wegen ihrer Alkohol- beziehungsweise Drogenabhängigkeit die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an, weil die Taten in unmittelbarem Zusammenhang mit der Sucht stünden. Vor der Therapie muss der 23-Jährige ein Jahr und einen Monat, der 30-Jährige vier Monate Haft verbüßen.

Die beiden Angeklagten wurden zudem wegen zweier weiterer Fälle verurteilt, in denen Männer – „auch hier wurden Kumpels losgeschickt, um sie rauszuholen“, so Oehm – um Geld erpresst werden sollten. Ebenso für das zweimalige Erpressen von Geld und Drogen von einem Paar. Dieses wurde in einem Fall von mehreren Männern, die mit Baseballschlägern und Schlagringen bewaffnet waren, in seiner Wohnung überfallen.

Das Vorschicken anderer und das Herstellen einer Überzahl in allen Fällen durch den Haupttäter bezeichnete Oehm als „absolut feige“. „Es wurden von ihm außer Tötungsdelikten praktisch alle schweren Straftaten des Strafgesetzbuches verwirklicht“, so der Richter. Eine zweistellige Haftstrafe sei dabei unausweichlich.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Mit den Strafmaßen blieb das Gericht durchgängig unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten teilweise deutlich mildere Strafen gefordert.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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