Interview nach Vortrag in Herzhausen

Ausbildungsexperte Manfred Mahler über MINT-Berufe: „Brauchen mehr Frauen“ 

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Versucht, junge Menschen für MINT-Berufe zu begeistern: Manfred Mahler. Er ist Projektleiter beim Bildungsdienstleister Provadis in Frankfurt und betreut Schulklassen, die bei einem von insgesamt drei MINT-Projekten mitmachen. 

Waldeck-Frankenberg. Junge Menschen für MINT-Berufe begeistern: Die Ederseeschule Herzhausen hat sich am Projekt "MINT - Die Stars von morgen" beteiligt. 

Wir sprachen darüber mit Projektleiter Manfred Mahler. MINT – Die Stars von Morgen“ heißt das Projekt, mit dem unter anderem das hessische Wirtschaftsministerium mehr junge Menschen für Berufe aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) begeistern will. Die Ederseeschule aus Herzhausen war dabei, hat Experimente gemacht und kleine Forschungsvorhaben umgesetzt. Mit Projektleiter Manfred Mahler sprachen wir über das mangelnde Interesse von jungen Menschen an diesen Jobs und die Berufsaussichten.

Herr Mahler, wie hat sich der Fachkräftebedarf im MINT-Bereich in den vergangenen Jahren in Hessen verändert?

Nach wie vor ist der Bedarf sehr groß. Bis jetzt haben wir immer noch Schwierigkeiten in der Berufs- und Studienorientierungszeit, Schüler für MINT-Berufe zu begeistern. Deshalb sind die Projekte der hessischen MINT-Aktionslinie mit hohem Praxisanteil, mit Gesprächen zwischen Schülern und Azubis und der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Firmen eine sehr gute Unterstützung.

Woran liegt es, dass das Interesse an diesen Berufen bei jungen Menschen nicht so groß ist?

Das fängt bei der Arbeitskleidung an und hört bei den falschen oder gar keinen Vorstellungen über die Tätigkeiten in den MINT-Berufen auf. Zudem bekommen andere Berufe mehr Aufmerksamkeit. Wir merken das auch bei uns bei der Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH, wir sind ja ein großer Bildungsdienstleister. Auf die wenigen Ausbildungsstellen, die im kaufmännischen Bereich angeboten werden, kommt ein Vielfaches an Bewerbungen. Im technischen Bereich werden bis zum Ausbildungsbeginn interessierte Schüler gesucht.

Gibt es auch Vorurteile, denen Sie im Gespräch mit jungen Menschen immer mal wieder begegnen?

In den Gesprächen mit ihnen geht es meist nicht um Vorurteile, sondern um Informationen, damit die jungen Leute sich erst einmal eine Vorstellung machen können, wie die Tätigkeiten in den heutigen MINT-Berufen sind.

Wie kann man die MINT-Berufe deutlich mehr in den Fokus rücken?

Eine interessante und für junge Menschen attraktive Imagekampagne könnte etwas bewirken. Im Handwerk gab es vor einigen Jahren einen Werbespot, der aufgezeigt hat, dass ohne Handwerk die heutige Lebensform nicht möglich wäre.

Das Interesse ist nicht sehr groß, dabei sind die Berufsaussichten, die Zukunftsperspektiven sehr gut.

Ja, und die Verdienstmöglichkeiten wie auch die Weiterbildungsmöglichkeiten sind sehr gut. Man hat in den MINT-Berufen ein gutes Grundgehalt und wer gerne Verantwortung übernehmen möchte, dem stehen nach der Ausbildung zum Meister, Techniker oder Ingenieur alle Türen offen.

Werden denn nur Abiturienten oder Uniabsolventen für diese Berufe gesucht?

Nein. Generell werden in den MINT-Berufen vom Hauptschüler bis hin zum Abiturienten alle gesucht. Große Probleme haben wir, weil in der heutigen Zeit alle das Abitur anstreben. Dabei sollte man wissen, dass für eine Berufsausbildung zum Beispiel ein guter Realschulabschluss besser ist als ein schlechtes Abitur.

Wie sieht das Geschlechterverhältnis in den MINT-Berufen aus? Wie kann man mehr Mädchen begeistern?

In der Naturwissenschaft sieht es ganz gut aus. Dort gibt es Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, zum Beispiel Chemielaborantin. Das sind für Frauen sehr interessante Berufe. Aber im Bereich der Informatik brauchen wir mehr Frauen, auch bei den Metall- und Elektronikberufen ist der Anteil zu gering. Die Frauen, die diese Berufe wählen, beginnen meist nach der Ausbildung eine Weiterbildung. Leider haben wir zu wenig Frauen, die in den Berufen an der Basis arbeiten und dann auch für diese Berufe werben. Deshalb unterstützt die MINT-Aktionslinie gerade auch interessierte Schülerinnen.

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