Mitglieder der Einsatzabteilung nicht nur aus der Jugendwehr

Nicht nur eigener Nachwuchs: Feuerwehr profitiert von Quereinsteigern

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Feuerwehr-Grundlehrgang in Frankenberg: Die Teilnehmer mit den Kreisausbildern Björn Engeland und Andreas Vesper (vorn von links, mit Schlauch).

Waldeck-Frankenberg. Neue Mitglieder der Feuerwehr-Einsatzabteilungen kommen nicht nur aus dem eigenen Nachwuchs. Zunehmend finden Quereinsteiger den Weg zu den Brandschützern.

Unter den 17 Neuzugängen in Korbach und den 14 Ortsteilen waren 2016 zehn Quereinsteiger. „Ich war selbst überrascht“, sagt der Korbacher Stadtbrandinspektor Friedhelm Schmidt. Die Frankenberger Kernstadt-Feuerwehr verbuchte von 2014 bis 2016 zwei „echte“ Quereinsteiger, zwei Nachwuchskräfte kamen laut Wehrführer David Tschirner aus der Jugendfeuerwehr. Auf „ein Viertel bis ein Drittel“ schätzt Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick den Anteil der Quereinsteiger in die Einsatzabteilungen der Feuerwehren im Landkreis.

Biederbick steht Quereinsteigern absolut positiv gegenüber: „Wer sich spät für den Dienst in der Feuerwehr meldet, der weiß, was er tut – und bleibt in aller Regel bei der Stange.“ Jedes Jahr finden fünf Grundlehrgänge statt, und zwar in Korbach, Frankenberg, Bad Arolsen, Diemelstadt-Rhoden und Bad Wildungen. Der erfolgreiche Besuch eines solchen Grundlehrgangs ist Voraussetzung dafür, dass man bei Einsätzen der Feuerwehr mitfahren darf.

189 Frauen und Männer absolvierten 2016 den Grundlehrgang. „Auch ältere Feuerwehrleute werden gebraucht“, betont Gerhard Biederbick. Normalerweise endet der aktive Dienst mit Vollendung des 60. Lebensjahres. Nach einer ärztlichen Untersuchung könnten Feuerwehrleute jedoch auch bis zum 65. Lebensjahr im aktiven Dienst bleiben, sagt Biederbick. „Zum Beispiel als Maschinisten oder Fahrer von Einsatzfahrzeugen.“ Unter dem Strich hat sich die Zahl der aktiven Feuerwehrmänner und -frauen im vergangenen Jahr kaum verändert. Bei 4651 Feuerwehrleuten im Landkreis gab es 234 Neuzugänge und 237 Austritte.

Quereinsteiger im Grundlehrgang

Sie müssen mit Leitern eine Hauswand erklimmen und durch ein Fenster ins Gebäude einsteigen, Schläuche ausrollen und ankuppeln und natürlich die vielfältigen Gerätschaften der Einsatzfahrzeuge kennenlernen: 21 Frauen und Männer aus dem Landkreis haben vor Kurzem am Frankenberger Katastrophenschutzzentrum einen Grundlehrgang für den aktiven Dienst in der Feuerwehr absolviert.

Nicht alle kommen aus der Jugendfeuerwehr. Es sind auch „gestandene“ Frauen und Männer dabei, die sich erst später für den Feuerwehrdienst entschieden haben. Mit 46 Jahren ist Christian Pöller aus Friedrichshausen, von Beruf Maschinenbautechniker im Qualitätsmanagement des Allendorfer Heiz- und Kühltechnikherstellers Viessmann, dieses Mal der Älteste. „Friedrichshausen ist ein kleiner Ort und die Feuerwehr ist der einzige Verein. Meine Freunde und Bekannten sind alle in der Feuerwehr“, erklärt Christian Pöller. Die ersten Tage im Grundlehrgang haben ihm gut gefallen: „Man lernt richtig was dazu“, sagt der Vater von zwei Kindern. „Beispielsweise bei der Ersten Hilfe, wie man Personen aus Fahrzeugen rettet.“

Zwei Quereinsteiger für den aktiven Dienst in der Feuerwehr: Anna Mucha aus Röddenau (38) und Christian Pöller aus Friedrichshausen (46) besuchten den Grundlehrgang.

Richtig ist allerdings auch, dass es einiger Überredungskunst bedurfte, ehe sich Christian Pöller tatsächlich zum Grundlehrgang anmeldete. Bereits zum 40. Geburtstag hatte er eine Urkunde für eine befristet kostenlose Mitgliedschaft in der Feuerwehr geschenkt bekommen. Führungskräfte der Feuerwehr wie der Friedrichshäuser Wehrführer Andreas Vesper oder der stellvertretende Stadtbrandinspektor Stefan Stross – ein Schulkollege – sa- ßen ihm seit Jahren mit der Frage im Nacken: „Wann machst du endlich deinen Grundlehrgang?“ „Ich war schon bei vielen Übungsabenden mit dabei“, sagt Christian Pöller. „Unser Wehrführer gibt sich immer total viel Mühe. Auch beim Neubau unseres Feuerwehrhauses in Friedrichshausen habe ich mitgeholfen.“

Während der Besuch des Grundlehrgangs für Christian Pöller quasi nur eine Frage der Zeit war, hat sich Anna Mucha aus Röddenau ganz bewusst für den aktiven Dienst in der Feuerwehr entschieden. „Ich bin vor vier Jahren mit meinem Mann nach Röddenau gezogen“, erzählt die 38-jährige Steuerfachangestellte. „Wir haben uns dann gefragt, wie wir uns am besten ins Dorfleben integrieren können.“ Auf die Feuerwehr kam die junge Frau, „weil ich selbst schon einmal nach einem Verkehrsunfall von der Feuerwehr gerettet wurde“. In der Röddenauer Feuerwehr sei sie derzeit zwar die einzige Frau, aber das sei kein Problem: „Die Kameradschaft ist super“, versichert Anna Mucha. Es tue ihr auch gut, nach einem Bürotag, den sie weitgehend sitzend verbracht habe, noch einmal richtig gefordert zu werden. In Birkenbringhausen trainiert sie parallel bereits in einer Wettkampfgruppe der Feuerwehr. Auch unter Atemschutz: „Das ist richtig anstrengend.“ Sie möchte gern weitere Lehrgänge besuchen und „noch was anderes lernen“, sagt Mucha, die daheim als Frau und Mutter eingespannt ist. Gut vorstellen kann sie sich, künftig bei Einsätzen als „Melderin“ zu arbeiten.

4651 Mitglieder im Landkreis

Voraussetzungen für Einsteiger in den aktiven Dienst der Feuerwehr sind eine gewisse Fitness und Interesse an feuerwehrtechnischen Dingen. Am jüngsten Grundlehrgang in Frankenberg nahmen auch ein 46 Jahre alter Mann aus Friedrichshausen und eine 38 Jahre alte Frau aus Röddenau teil. Beide sind Quereinsteiger. Zum Ende des Jahres 2016 gab es in Waldeck-Frankenberg 176 Einsatzabteilungen der Feuerwehr mit 4651 Mitgliedern – 4083 Männer und 568 Frauen. 1392 Jugendfeuerwehrleute waren gemeldet – 874 Jungen und 518 Mädchen. In Kindergruppen (Bambini-Feuerwehren) wurden 305 Jungen und 197 Mädchen betreut, also 502.

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