So teuer ist Wohnen im Landkreis

Waldeck-Frankenberg hat fast die niedrigsten Mieten in Hessen

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Waldeck-Frankenberg. Wohnen in Waldeck-Frankenberg ist so billig wie in kaum einem anderen Landkreis: Die Mieten gehören nach wie vor zu den günstigsten in Hessen.

Doch auch hier haben sich in den vergangenen Jahren die Quadratmeterpreise für Neuvermietungen nach oben entwickelt. Das ergibt eine Auswertung des Immobiliendienstleisters empirica-systeme.

Unser Landkreis scheint für Mieter ein Hort der Glückseligkeit. Für eine Bleibe zwischen Eder und Diemel liegt die mittlere Miete bei höchstens 5,81 Euro.

Mit einem mittleren Quadratmeterpreis von 5,20 Euro gehörten 2018 die Mieten im Landkreis jedenfalls zu den niedrigsten in Hessen. Günstiger ging es nur im Vogelsbergkreis (5,17 Euro) und im Werra-Meißner-Kreis (4,95 Euro). Im Vergleich zum Jahr 2014 kletterten die Mietpreise in Waldeck-Frankenberg allerdings um 11,3 Prozent. Insgesamt sind laut Empirica-Systeme die Kaltmieten in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren im Mittel um 13,2 Prozent gestiegen.

Die höchsten Preise erzielten Vermieter im Tourismus-Schwerpunkt Willingen mit 5,81 Euro pro Quadratmeter. Vergleichsweise hoch sind die Mieten laut Empirica-Vergleich auch in den Mittelzentren Frankenberg (5,65 Euro), Korbach (5,55 Euro), Bad Wildungen (5,58 Euro) und Bad Arolsen (5,32 Euro). Auch Battenberg (5,39 Euro) hält Anschluss an die Spitze. „Schlusslichter“ sind ländliche Regionen wie Lichtenfels (4,50) und Vöhl (4,68).

Gleichwohl waren bei den Neuvermietungen Preissteigerungen im Vergleich zu 2014 zwischen 4,5 und 19 Prozent sowohl in den Waldeck-Frankenberger Mittelzentren als auch im ländlichen Raum zu beobachten.

Vergleich mit 2014

Im Vergleich zum Jahr 2014 sind die Preise für Kaltmieten bei Neuvermietungen in Waldeck-Frankenberg um 11,3 Prozent gestiegen. Das ergab eine Auswertung der Angebotspreise durch Empirica-Systeme. 

Den Trend bestätigt auch Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbunds Nordhessen: „Nordhessenweit sind die Mietpreise gestiegen, egal ob im städtischen oder im ländlichen Raum. Das trifft insbesondere auf Neuvermietung zu, Bestandsmieten steigen nicht so stark“ Die Ursachen dafür seien vielfältig: „Seit Beginn der Niedrigzinsphase investieren viele in Immobilien und versuchen die Renditen durch Mieteinnahmen zu verbessern“, sagt Malirsch. Gerade bei kleinen, bezahlbaren Wohnungen sei die Nachfrage höher als das Angebot. „Und sozialer Wohnungsbau hat in den vergangenen Jahren so gut wie gar nicht stattgefunden.“ 

„Die Nachfrage ist gestiegen, es gibt kaum Leerstände“, sagt auch Martin Ernst, Vorsitzender des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins „Haus und Grund“ in Frankenberg. Bei Bestandsmieten bleibe es aber für Vermieter weiter schwierig, Mieterhöhungen durchzusetzen. Diese seien jedoch wegen allgemein gestiegener Kosten und anstehenden Investitionen erforderlich. Modernisierungen seien oftmals dringend notwendig: Entweder wegen des Alters der Wohnungen, wegen neuer Anforderungen an die Energieeffizienz und wegen des steigenden Bedarfs an barrierefreien Wohnungen für ältere Menschen. 

Die Wohnungsbedarfsprognose für Hessen, die das Institut Wohnen und Umwelt im Auftrag des Innenministeriums erstellt hat, sieht indes bis 2025 einen steigenden Wohnungsbedarf in Waldeck-Frankenberg, für die folgenden Jahre aber einen deutlichen Rückgang. Der jährliche Bedarf an Neubauten, die notwendig sind, um den Wohnungsabgang auszugleichen, liegt derzeit im Kreis bei 70 Wohnungen.

Hintergrund

Einen amtlichen Mietspiegel als justiziable Messlatte für Mieterhöhungen gibt es in Waldeck-Frankenberg nicht. Empirica-Systeme hat Angebotspreise aus Anzeigen und im Internet ausgewertet. Landkreis und das Amt für Bodenmanagement sammeln in einer gemeinsamen Datenbank aktuelle Angebotsmieten, aber auch Bestandsmieten. 

Diese Mietpreissammlung ist als aussagekräftige Orientierungshilfe und „schlüssiges Konzept zur Ermittlung der angemessenen Mietobergrenze“ vom Landessozialgericht Darmstadt anerkannt und damit wichtige Grundlage für den Landkreis, um die Unterkunftskosten für Hartz-IV-Empfänger zu berechnen. Auch für Privatleute ist die Datenbank aufschlussreich. 

Mit der Software „Mika“ können sich Mieter und Vermieter für eine Gebühr von 20 Euro pro Auskunft bei der Suche nach einem realistischen Mietpreis helfen lassen. Die Anwendung ist einfach: Neben Lage (Gemarkung), Wohnfläche und Baujahr des Hauses werden der Bodenrichtwert und die Ausstattung angegeben. Automatisch nennt „Mika“ dann die durchschnittliche Nettokaltmiete. 

Ein Beispiel: In einer 75 Quadratmeter großen Wohnung mit mittlerer Ausstattung in Korbach, Baujahr 1990, zahlt ein Mieter durchschnittlich 386 Euro. In Diemelsee würde die Kaltmiete für eine vergleichbare Wohnung 334 Euro betragen. „Mika“ ist seit diesem Jahr erstmals online verfügbar.

Einen Vergleich der Mieten im HNA-Verbreitungsgebiet mit den Großstädten Kassel und Göttingen finden Sie in dieser Übersicht. 

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