Preise und Personalbedarf steigen

Starke Nachfrage stellt Baubranche in Waldeck-Frankenberg vor Herausforderungen

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Die Auftragslage des Baugewerbes ist hervorragend - in Waldeck-Frankenberg sind besonders öffentliche Investitionen wie die Arbeiten an den Beruflichen Schulen in Korbach treibend.

Waldeck-Frankenberg. Vor allem kommunale Investitionen bescheren der Baubranche eine gute Auftragslage - das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Preise und Personalbedarf.

Die hessische Baubranche hat derzeit eine glänzende Auftragslage, ihr Umsatz ist von 2017 auf 2018 um zehn Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Die Lage in Waldeck-Frankenberg ist ein wenig differenzierter: Seit drei Jahren hält sich der Umsatz bei rund 120 Millionen Euro – machte allerdings schon 2016 einen Satz um rund 26 Millionen Euro.

„Das Wort ,Bauboom‘ ist ein wenig übertrieben, aber man kann sagen, dass es gut läuft“, hält Ulrich Mütze fest, seines Zeichens Kreishandwerksmeister, Obermeister der Innung und Bauunternehmer in Frankenberg.

Grund sei vor allem die gute finanzielle Lage der Kommunen: Sie investierten wieder in zuvor „auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur“. Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, fügt hinzu: „Auch der Landtag hat beschlossen, mehr Geld denn je in Infrastruktur und Schulen zu stecken.“ Ein weiterer Faktor sei der Gewerbebau.

Kreishandwerkerschaft rechnet weiter mit guten Bedingungen

Das niedrige Zinsniveau spiele in die Investitionsfreudigkeit hinein, erläutert Kai Bremmer: „Und es ist nicht absehbar, dass sich dieses drastisch ändern wird.“ Die zuletzt häufiger geäußerte Sorge um die Konjunktur betreffe die Branche nur teils, erklärt Ulrich Mütze: Bedenken gebe es hauptsächlich im Export, die Binnenwirtschaft sei noch gut unterwegs.

Unbedeutend sei der Außenhandel für den Bau zwar nicht – wenn etwa ein Unternehmen wegen des Brexits auf eine Halle verzichte, merkten das die Bauunternehmer. „Aber ich bin optimistisch, dass die Nachfrage in unserem Bereich hält“, sagt Ulrich Mütze.

Die Tücke der Statistik über den "Bauboom"

In die Statistik fließen Betriebe mit 20 oder mehr Beschäftigten ein. Da liegt die Tücke: Dazu gehören nur zwölf Bauunternehmen im Kreis, die zusammen 990 Mitarbeiter beschäftigen. Insgesamt sind es im Gewerbe aber laut Angaben der Arbeitsagentur 1650. 

Die Zahl der berücksichtigten Unternehmen ist gesunken, 2016 waren es noch 15. Den scheinbar stagnierenden Umsatz im Kreis erwirtschafteten also weniger Firmen als zuvor – da spiele die Problematik der schwierigen Nachfolgersuche hinein, erklärt Kai Bremmer.

Baupreise in Waldeck-Frankenberg steigen

Das System von Angebot und Nachfrage trägt seinen Teil dazu bei, dass bei guter Auftragslage die Kosten steigen, erklärt Kreishandwerksmeister Ulrich Mütze: „Trotz gestiegener Preise gibt es genügend Investitionen von den Kommunen – da braucht man sich nicht mit Kampfpreisen drauf zu stürzen.“ 

Das sei derweil längst nicht der einzige Faktor, erläutert Kai Bremmer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KHW): Materialkosten seien ebenso gestiegen, um bis zu 30 Prozent. Und auch der Tariflohn sei um sechs Prozent gestiegen – verdienterweise, so Mütze.

Nachfrage am Bau erfordert mehr Fachkräfte

Es ist eine Herausforderung, die Nachfrage mit den bestehenden Fachkräften abzudecken“, sagt Ulrich Mütze: „Da haben wir Probleme und die sind zum Teil hausgemacht.“ Infolge der Sparsamkeit bei Investitionen in die Infrastruktur hätten manche Unternehmern an Fachkräften gespart. 

Die Konjunktur im Baugewerbe erhöht den Bedarf an Fachkräften: Deshalb versucht die KHW die Ausbildung attraktiver zu machen, etwa mit dem "Baucamp" am Lehrbauhof, das Kai Bremmer (links) und Ulrich Mütze hier demonstrieren.

Die Ausbildung vor Ort stark zu halten, sei indes ein Kampf, Fachklassen musste die KHW in größere Städte abgeben. Kai Bremmer plädiert für Rücksichtnahme der entscheidenden Gutachter: „Man kann Korbach nicht mit Frankfurt am Main vergleichen.“ Für Klassengrößen müssten andere Zahlen zugrunde gelegt werden: „Wenn das Ausbildungsangebot vor Ort nicht mehr besteht, wird es noch schwerer, Azubis zu finden. Dann bricht hier alles zusammen.“ 

Die Grundversorgung wollten KHW und Betriebe sicherstellen – dafür brauche es auch ein modernes Berufsbildungszentrum, sowohl von der Bausubstanz als auch von der Ausstattung her. Sonst ließe sich potenziellen Azubis und ihren Eltern nicht verdeutlichen, dass die Berufsbilder auf dem Bau sich modernisiert haben. Deshalb bemüht sich die KHW derzeit um eine Förderung, um das BBZ zu erneuern.

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