Bessere Jobchancen trotz anderen Glaubens

Was Dekanate in Waldeck-Frankenberg zu kirchlichen Einstellungskriterien sagen 

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Arbeit unter dem Dach der Kirche: Nach den Gerichtsurteilen darf die Religionszugehörigkeit auch in Frankenberg nicht bei allen Tätigkeiten das ausschlaggebende Kriterium sein.

Waldeck-Frankenberg. Kirchen dürfen nach Gerichtsurteilen die Religionszugehörigkeit nicht mehr generell zum Einstellungskriterium für Mitarbeiter machen. 

Kirchen dürfen die Religionszugehörigkeit nicht mehr generell zum Einstellungskriterium für Mitarbeiter machen. Das haben Bundesarbeitsgericht und Europäischer Gerichtshof vor kurzem entschieden. Konfessionelle Arbeitgeber müssen also zum Teil ihre Einstellungspraxis ändern.

In den evangelischen Dekanaten Eder (Frankenberg) und Twiste-Eisenberg (Korbach) seien bisher in der Regel evangelische Mitarbeiter eingestellt worden. „Ich glaube, man bewirbt sich auch nur bei der Kirche, wenn man eine grundsätzlich positive Einstellung zu ihr und zum christlichen Glauben hat“, sagt die Korbacher Dekanin Eva Brinke-Kriebel.

Nicht bei allen Stellen ändern sich die Einstellungskriterien

„In Leitungsstellen und auch Stellen, die direkt Verantwortung für religionspädagogische Inhalte und Verkündigungsaufgaben haben, möchten wir aktive Christen wissen, die sich der evangelischen Kirche zugehörig fühlen“, sagt sie. Diese Forderung sei trotz der Urteile möglich.

Laut ihrer Frankenberger Kollegin Petra Hegmann sind in Kitas des Dekanats Eder Reinigungskräfte mit anderer Konfession eingestellt worden, wenn keine geeigneten evangelischen Bewerber verfügbar waren.

Doch auch in ihrem Dekanat würden alle Stellen, bei denen es um kirchliche Inhalte und Strukturen geht, von Menschen evangelischen Glaubens besetzt - etwa bei Jugendreferenten, Kirchenmusikern, Sekretärinnen und Erzieherinnen.

In Frankenberg wurden bereits Ausnahmen gemacht

„Es gibt Ausnahmen, aber die sollten auch Ausnahmen bleiben“, sagt Hegmann. Künftig werde das Dekanat genauer hinschauen, bei welcher Tätigkeit eine Kirchenmitgliedschaft sinnvoll ist.

In der katholischen Kita St. Marien in Frankenberg arbeiten neben katholischen auch evangelische Erzieherinnen und eine muslimische Erzieherin, sagt Kita-Leiterin Pia Mörchen. Letztendlich gehe es um das „menschliche Mitein-ander“.

Autonomie wider Gleichbehandlung

Mussten Gerichte in den vergangenen Jahren zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen und dem Gleichbehandlungsgrundsatz entscheiden, so räumten sie kirchlichen Arbeitgebern oft einen großen Spielraum ein, Stellen nur mit Bewerbern zu besetzen, die der betreffenden Kirche angehörten.

Bereits im April urteilte der Europäische Gerichtshof, dass die Religion nur dann eine Rolle spielen dürfe, wenn sie „eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung“ für eine Stelle ist.

Im Oktober sprach das Bundesarbeitsgericht in Erfurt daraufhin einer konfessionslosen Sozialpädagogin Schadenersatz zu. Sie hatte sich bei einem christlichen Träger als Referentin beworben und war nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Die Stelle bekam ein Mitbewerber, der Kirchenmitglied war. (nde)

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