Tiefster Stand seit 2009

Auch wegen Protesten: Immer weniger Windräder in Nordhessen genehmigt

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Bürgerinitiativen machen die Genehmigung von Windkraftanlagen aufwendiger: Im Bild Vertreter verschiedener Initiativen bei einer Demonstration während der Sitzung der Landesregierung beim Hessentag in Korbach. 

Im Regierungspräsidium Kassel sind im Jahr 2018 so wenige neue Windenergieanlagen genehmigt worden wie seit 2009 nicht mehr. Ein Grund sind Bürgerinitiativen. Auch in Waldeck-Frankenberg.

Neun Anlagen genehmigte das RP, nachdem es im Vorjahr noch 18 und 2016 als Rekordwert 55 waren. Sieben der Genehmigungen im vergangenen Jahr betrafen Waldeck-Frankenberg, zudem werden vier alte Anlagen durch zwei neue ersetzt. Von den mehr als 500 im Regierungsbezirk betriebenen Anlagen stehen 35 Prozent im Landkreis.

Es habe weniger Anträge gegeben, auch die Förderung habe sich verändert, erklärte Susanne Linnenweber, Dezernatsleiterin Regionalplanung beim Regierungspräsidium (RP) der Presse. „Noch wichtiger ist: Jetzt sind schwierige Standorte an der Reihe“, erläuterte sie. Umweltverträglichkeit, Natur- und Artenschutz seien schwieriger zu gewährleisten. „Die ,Best-of Flächen‘ sind soweit genehmigt“, sagte die Dezernatsleiterin. Auch wenn die angestrebten zwei Prozent der Landesfläche verplant worden seien, gebe es „Schwund“: Die Natur halte nicht still. So falle der Wert und es müsse neu geplant werden.

Auch der Einfluss von Bürgerinitiativen habe zugenommen: „Durch Bürgerinitiativen werden Verfahren einfach aufwendiger“, sagte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Je mehr Widerstand sich gegen ein Vorhaben formiere, desto mehr Einwendungen würden eingereicht und müssten bearbeitet werden. „Im Prinzip ist es gut, dass Bürgerinitiativen da sind“, befand er: Es kämen wichtige technische Eingaben. Auf der anderen Seite kritisierte er die durchgehende Ablehnung durch manche "Dauergäste".

Die gesammelte Menge der Windkraftanlagen in Hessen, erklärte Susanne Linnenweber, habe eine Leistung von 2043 Megawatt, also 80 Prozent des Kernkraftwerks Biblis.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg laufen beim Regierungspräsidium (Stand 15. Januar) elf Verfahren zu Windenergieanlagen:

  • Bad Arolsen: elf Anlagen;
  • Diemelsee-Wirmighausen: eine Anlage;
  • Korbach: sieben Anlagen;
  • Korbach-Marke: vier Anlagen;
  • Twistetal-Gembeck: sieben Anlagen;
  • Waldeck: eine Anlage;
  • Waldeck-Netze: fünf Anlagen;
  • Waldeck-Sachsenhausen und Höringhausen: drei Anlagen;
  • Waldeck-Sachsenhausen (Orthberg): drei Anlagen;
  • Willingen-Usseln: drei Anlagen.

2018 genehmigt wurden zwei Windräder in Landau, sowie zwei in Adorf, die vier alte Anlagen ersetzen. In Willingen wurden drei genehmigt, eines abgelehnt und eins zurückgenommen. Rückzieher gab es auch bei drei Anlagen im Mengeringhäuser Stadtwald, fünf in Sachsenhausen und sechs zwischen Basdorf und Hof Lauterbach – in diesem Fall bestehen die Pläne weiter.

Trotz Wind laufen manche Windräder nicht immer. Warum das so ist, erklären wir hier.

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