Projekt zieht nach fünf Jahren Bilanz

Werkstatt "Radwechsel" in Korbach betreut 64 Langzeitarbeitslose

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Blick in die Werkstatt: Ulli Gade (von links) mit Martina Friedewald, Rita Micheel-Pfordt und Volker Heß in der „Radwechsel“-Werkstatt. 

Korbach. Seit fünf Jahren gibt es die Fahrradwerkstatt „Radwechsel“, eine Einrichtung von Delta Waldeck-Frankenberg. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter werden dort Langzeitarbeitslose wieder ans Berufsleben herangeführt.

Aus Sicht von Delta-Geschäftsführer Volker Heß fällt die Bilanz sehr gut aus. Maximal vier Teilnehmer arbeiten gleichzeitig unter der Anleitung von Ulli Gade in der Fahrradwerkstatt an der Waldmannsbreite. Gade, selbst früher Teilnehmer in einem Langzeitarbeitslosenprojekt von Delta, hat die Werkstatt vor fünf Jahren aufgebaut.

In der Werkstatt steht es für die Teilnehmer auch nicht im Vordergrund, ein neues Handwerk zu lernen. Dort gehe es eher darum, die Beschäftigungsfähigkeit festzustellen, wie Heß sagt. Kann der Teilnehmer sechs Stunden am Tag arbeiten? Kommt er pünktlich und ist er zuverlässig? Welche Fähigkeiten bringt er bereits mit? Wie lernfähig ist er? Oft würden bei den Teilnehmern mehrere Beeinträchtigungen zusammenfallen: beispielsweise fehlende fachliche Qualifikationen oder auch eine gesundheitliche Einschränkung.

Während Ulli Gade die Teilnehmer – Frauen und Männer gleichermaßen – beim Einbau von Ersatzteilen oder beim Auseinandernehmen eines Fahrrads anleitet, kümmert sich Rita Micheel-Pfordt um die sozialpädagogische Betreuung. Für viele sei es nicht leicht, nach jahrelanger Arbeitslosigkeit wieder einen geregelten Tagesablauf zu haben. 

Zusammen mit Projektleiterin Martina Friedewald arbeitet sie daran, die sogenannten „soft skills“ zu verbessern. Jeden Tag haben die beiden Frauen Kontakt zu den Teilnehmern, führen regelmäßig Gespräche. Dabei gibt es „Lob, Tadel und Motivation“, wie Micheel-Pfordt sagt. So beantworten sie am Ende die Frage, ob jemand wieder bereit ist für einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

64 Frauen und Männer zwischen 18 und 60 Jahren haben in den vergangenen fünf Jahren in der Fahrradwerkstatt gearbeitet. Die meisten von ihnen ein halbes Jahr, andere auch ein Jahr. Neun von ihnen haben anschließend einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden, einige sind nicht mehr beschäftigungsfähig gewesen, wieder andere wechselten in andere Maßnahmen. Wie viele dann letztlich von den anderen Bildungsträgern aus noch den Weg in einen Job gefunden haben, weiß Volker Heß nicht genau.

Aus seiner Sicht ist das Projekt, das jedes Jahr verlängert werden muss, ein Erfolg. Martina Friedewald sieht das ähnlich.

Werkstatt Radwechsel: Projekt ist kostendeckend

In den vergangenen fünf Jahren haben die Teilnehmer, die aus Korbach, Lichtenfels, Bad Arolsen und Vöhl kommen, mehr als 1000 Räder fit gemacht für den Verkauf an Bedürftige. Zwischen fünf und 30 Euro kosten die Drahtesel am Ende. Besonders gestiegen ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren durch die Flüchtlinge, die in den Landkreis kamen.

Die Arbeitenden in der Werkstatt bekommen dafür ihre üblichen Bezüge und zusätzlich einen Euro pro Stunde als Mehraufwandsentschädigung. Auch die Fahrtkosten nach Korbach – viele Teilnehmer besitzen kein Auto – werden übernommen.

„Radwechsel“ trägt sich finanziell gesehen selbst, sagt Delta-Chef Heß. Man versuche, so wenig wie möglich neu zu kaufen, damit die Kosten nicht zu hoch werden.

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