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Lang hat‘s gedauert, bis das Vasbecker „Wasserwerk“ vor 100 Jahren in Betrieb ging

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Mitglieder derAlters- und Ehrenabteilung der Vasbecker Feuerwehr 2003 nach dem Abschluss von Arbeiten am Hochbehälter „Im Forst“. - „Wasserwerk - Vasbeck 1922“ steht bis heute über dem Eingang des Hochbehälters. Die Altersfeuerwehr pflegt ihn seit Jahrzehnten – dieses Bild entstand 2003. Die Männer verschönern das Bauwerk derzeit fürs Wasserfest Ende August.
„Wasserwerk - Vasbeck 1922“ steht bis heute über dem Eingang des Hochbehälters „Im Forst“. Die Altersfeuerwehr pflegt ihn seit Jahrzehnten – dieses Bild entstand 2003. Die Männer verschönern das Bauwerk derzeit fürs Wasserfest am Sonntag. © Repro: Philipp Emde

Vor 100 Jahren haben die Vasbecker ihr „Wasserwerk“ fertiggestellt, bald darauf floss das Wasser über Leitungen direkt in die Häuser – die alten Brunnen hatten ausgedient. Dieses Jubiläum soll am Sonntag, 28. August, mit einem „Wasserfest“ gefeiert werden.

Diemelsee-Vasbeck - Philipp Wilhelm Emde hat 2020 Quellen zusammengetragen, als es darum ging, den Hochbehälter als Baudenkmal auszuweisen. Außerdem hat er die lange Geschichte des Projekts in seinem Buch über den Vasbecker Lehrer Adolf Brandt in einem eigenen Kapitel nachgezeichnet – der fortschrittliche Pädagoge hatte sich für den Bau eingesetzt, um endlich den Wassermangel im Sommer zu beheben.

Brunnen fallen im Sommer trocken

In Unterdorf gab es über Jahrhunderte einige Brunnen, Born genannt. Nicht alle sind in Dokumenten erfasst, deshalb ist ihre genaue Zahl nicht bekannt. Das Oberdorf verfügte über vier Teiche, die aber überwiegend als Tiertränke dienten. Der „Ächelndiek“ versorgte auch die Ziegelei. Im Unterdorf gab es unterhalb des Friedhofes einen fünften Teich, der Regenwasser sammelte.

Immer wieder fielen Brunnen im Sommer trocken, Deshalb hatten drei Bauernfamilien schon 1861 eine Wasserleitung vom bis heute erhaltenen „neuen Teich“ verlegt. Obwohl das Wasser nicht sauber war, schlossen sich immer mehr Interessenten an. Dennoch herrschte in Dürrezeiten regelmäßig Wassermangel, Bauern mussten mit ihren Jauchefässern bis zur Kleppe fahren, um die Versorgung sicherzustellen. Doch auch dieser Bach fiel zum Leidwesen des Kleppmüllers immer wieder trocken – 1927 musste er aufgeben.

Forderungen nach einer Wasserleitung

Schon vor dem Ersten Weltkrieg lieferte der Lehrer Brandt der WLZ wiederholt Meldungen über den Mangel – verbunden mit der Forderung, endlich eine Wasserleitung von einer Quelle bis ins Dorf zu bauen. Doch es dauerte bis nach dem Krieg, bis sich etwas tat: 1919 kam der Thüringer Bohrmeister Walter zu Probebohrungen ins Dorf. Oberhalb der Kleppe stieß er auf Jones Wiese schon bei fünf Metern auf Wasser, er trieb seine Bohrung bis in 23 Meter Tiefe.

Eine Pumpe förderte das Quellwasser ergiebig nach oben: Das Projekt „Wasserwerk“ nahm Gestalt an. Doch die WLZ berichtete immer wieder über Verzögerungen. Rund drei Jahre dauerte es von der ersten Planung bis zur Fertigstellung des „Wasserwerks“.

Vorentwurf für die Vasbecker Wasserversorgung

Am 29. Oktober 1919 legte der Kasseler Ingenieur Leithäuser einen Vorentwurf für die Vasbecker Wasserversorgung vor. Nahe der Kleppe sollte ein Pumpenhaus gebaut werden, die Pumpe sollte das Wasser über eine Leitung bis zu einem Sammelbehälter fördern, von dort aus sollte es ins Dorf fließen. Veranschlagte Kosten: stattliche 236.000 Mark.

Am 16. November sprach sich der Gemeinderat für den Plan aus – vorausgesetzt, genügend Zuschüsse würden bewilligt. Auch bei einer Versammlung in der Schule begrüßten die Vasbecker den Bau. Doch schon eine Sitzung später lag das Projekt auf Eis: Es gab keine Zuschüsse.

Bau 1921 beschlossen

Aber das Dürreproblem blieb. Eine Zusammenarbeit mit Nachbardörfern zerschlug sich. Und so beschloss der Gemeinderat am 14. September 1921 den Bau. Kosten: rund 762.000 Mark – die Inflation machte sich bereits bemerkbar. 400.00 Mark sollten die Vasbecker als Umlage aufbringen, 200.000 Mark sollte die Gemeinde an Krediten bei der Kreissparkasse in Arolsen aufnehmen, durch Holzverkauf sollten 162.000 Mark hereinkommen.

Erschlossen werden sollte eine Quelle in der Wüstung Esbeck im Westen des Dorfes. Da sie auf Adorfer Gemarkung liegt, zahlten die Vasbecker 28.000 Mark für die Nutzung. In der Dorf- und Schulchronik beschreibt Lehrer Brandt den Baufortschritt:

Im Herbst 1921 begannen die Arbeiten, im Dezember wurde die Grube für den Hochbehälter ausgehoben. Die Arbeiter kamen aus Vasbeck, aber auch aus Adorf und Massenhausen. Sie bekamen anfangs vier Mark die Stunde ausgezahlt, wegen der fortschreitenden Inflation am Ende 15 Mark.

Die Inflation und die Kosten

Im Dezember 1921 erfuhren die Vasbecker bei einer Versammlung in der Gastwirtschaft Todtenhausen, dass die Wasserleitung 800.000 Mark koste – auch das ein Inflationspreis. Deshalb sollte jeder der 71 Haushalte 1000 Mark aufbringen, für 200 000 Mark sollte Holz verkauft werden, 200 000 Mark wollte laut WLZ „der Staat borgen“. Die restlichen 329 000 Mark sollten auf die Landbesitzer umgelegt werden – 110 Mark pro Morgen.

Der Kasseler Bauunternehmer Götze erhielt den Auftrag für die Erdarbeiten: Quelle, Hochbehälter und Dorf mussten mit Leitungen verbunden werden. Außerdem wurden im März 1922 aus dem Gemeindewald an der Straße nach Adorf auf zehn Morgen Fläche Tannen gefällt und nach Marsberg verkauft. Chronist Brandt schreibt:

Der Längsschnitt des Vasbecker Hochbehälters mit seinen zwei Kammern. Eine Zeichnung aus den Bauplänen des Kasseler Ingenieurs Leithäuser. Bis heute hält der Bau einen Löschwasservorrat vor und speist den Dorfteich. Aus dem Bauplan des Kasseler Ingenieurs Leithäuser.
Der Längsschnitt des Vasbecker Hochbehälters mit seinen zwei Kammern. Eine Zeichnung aus den Bauplänen des Kasseler Ingenieurs Leithäuser. Bis heute hält der Bau einen Löschwasservorrat vor und speist den Dorfteich. © Repro: Philipp Emde

„Im Juli 1922 konnte in jedem Haus Wasser gezapft werden. Ein kleines Wasserfest im Kriegervereinsschuppen wurde veranstaltet, wobei die Leitmarer Kapelle spielte. Wieder ein Kulturfortschritt!“

Gesamtkosten 2,2 Millionen Mark

Allerdings waren die Bauarbeiten laut WLZ auch im September 1922 noch nicht abgeschlossen. Als Gesamtkosten beziffert Robert Wetekam inflationsbedingt 2,2 Millionen Mark. Die Gemeinde nahm einen Kredit von 700 000 Mark auf – und konnte ihn wegen der rasanten Geldentwertung schnell zurückzahlen.

Die neue Wasserleitung ermöglichte den Bau des Freibades – eines der ältesten in Waldeck. Die Teiche verschwanden bis auf den Dorfteich, neue Häuser entstanden auf der Walme, auf dem Gelände des Bleicheteiches baute die Familie Beck ihre Molkerei. Bürgermeister Heinrich Wetekam erklärte 1925:

„Bis zum heutigen Tage funktioniert die Leitung sehr gut, und muß auch immer acht darauf gegeben werden, dann wird Vasbeck für immer mit reichlich Wasser versorgt sein und ist es die größte und beste Anlage, welche je in Vasbeck ausgeführt ist. Ich möchte meine Nachfolger bitten, die Leitung stets in gutem Zustand zu erhalten.“

Alterswehr kümmert sich um die Instandhaltung

Die Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr kümmert sich um die Instandhaltung des Hochbehälters und des Außengeländes – auch derzeit ist sie zur Vorbereitung aufs Wasserfest aktiv.

Das älteste Bild des Vasbecker Hochbehälters: Die freiwillige Feuerwehr nimmt 1934 vor dem zwölf Jahre alten Bau Aufstellung.
Das älteste Bild des Vasbecker Hochbehälters: Die freiwillige Feuerwehr nimmt 1934 vor dem zwölf Jahre alten Bau Aufstellung. © Das älteste Bild des Vasbecker Hochbehälters: Die freiwillige Feuerwehr nimmt 1934 vor dem zwölf Jahre alten Bau Aufstellung.

Wie Fritz Pistorius berichtet, hat die Feuerwehr 1992 ein plattdeutsches Stück aufgeführt: „Wej buget eine Waterledung!“ Es zeichnet die entscheidende Sitzung des Gemeinderats nach. Der kürzlich gestorbene Heinrich Paul spielte den Bürgermeister Heinrich Wetekam.

Das Wasser ist bis heute ein Thema im Dorf: Die Quellen in der Vasbecker Scholle dienen bis heute der Wasserversorgung in Diemelsee und Marsberg.

Das „Wasserfest“ am Sonntag

Der Ortsbeirat lädt am Sonntag zum „Wasserfest“ ein. Der Ablauf: Um 9.25 Uhr versammeln sich alle Interessenten an der Bushaltestelle, um mit dem Linienbus 560 ins Adorfer „Meer“ zu fahren. Er startet um 9.35 Uhr. An der Quelle in der einstigen Burg Esbeck beginnt eine Wanderung, die zunächst über 5,5 Kilometer zum 100 Jahre alten Hochbehälter führt. Der Weg ist nicht kinderwagentauglich. Wer nicht so weit laufen will, kann gegen 11.30 Uhr direkt zum Hochbehälter kommen.

Der Hochbehälter steht zur Besichtigung offen. Gegen 12 Uhr geht es weiter bis zum Dorfteich, in der Dorfgeschichte der „neue Teich“. Philipp Wilhelm Emde berichtet an mehreren Stellen aus der Historie.

Am neuen „Dorftreff“ am Teich sorgt die Dorfjugend für Essen und Getränke. Auch eine kleine Ausstellung ist aufgebaut. Philipp Wilhelm Emde trägt zudem einen bislang unbekannten Bericht über den Bau vor, den der damalige  Bürgermeister Heinrich Wetekam beim Ausscheiden aus seinem Amt 1925 verfasst hat. Nachmittags klingt das Fest in gemütlicher Runde aus. -sg-

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