Zahlreiche Chemoblöcke

Leukämie mit zwölf: So kämpfte sich Celine zurück ins Leben

Mutmach-Kette: Die an Leukämie erkrankte Celine König (Mitte) mit Mutter Sylke (links) und Schwester Lisa. Jede Perle steht für einen Behandlungsschritt. Auf dem Tisch liegen Fotos, eine Mütze und Tücher aus der Zeit, als Celine Chemo bekam. Foto: Biedenbach

Oberholzhausen. Es war ein einziger Alptraum: Ohne Vorwarnung erkrankte die damals zwölfjährige Celine König an einer schweren Form der Leukämie und wurde neun Monate auf der Kinder-Onkologie der Uniklinik Gießen behandelt. Mittlerweile hat sie sich ins Leben zurück gekämpft.

Sie ist mehrere Meter lang, die Mutmach-Kette von Celine König. An den Farben der Perlen lassen sich die vielen Behandlungsschritte ablesen, die die heute 14-Jährige während der akuten Phase ihrer Leukämie-Erkrankung erlebte.

Wenn sich Celine mit ihrer Mutter Sylke (38) und Schwester Lisa (18) die Kette und Fotos von der neunmonatigen Krankenhaus-Zeit ansieht, dann stehen ihnen allen drei Tränen in den Augen.

Tränen des Schmerzes und auch der Freude. Freude darüber, dass Celine die akute lymphatische Leukämie überhaupt überlebt hat. Denn sie war im Februar 2012 von der schlimmsten Form dieser Krebserkrankung betroffen. Ohne Anzeichen, von einem Tag auf den anderen, bekam die damals Zwölfjährige hohes Fieber, wurde in die Uniklinik Marburg gebracht, brach auf dem Weg zur Notaufnahme zusammen, stand kurz vor dem Organversagen.

Blut- und Hirnwasseruntersuchungen brachten die schlimme Diagnose zutage. Sobald Celine transportfähig war, wurde sie in die Kinder-Onkologie nach Gießen gebracht. Kaum angekommen, erhielt sie gleich die erste Chemo.

Eine starke Chemo, bei er Haarausfall die geringste Nebenwirkung war. „Sie hatte offene, wunde Stellen an Händen, Füßen und am Mund“, beschreibt die Mutter, die fast die ganze Zeit bei der Tochter im Krankenhaus war. Neun Monate dauerte diese akute Behandlung mit zahlreichen Chemoblöcken.

In der Klinik: Trotz der schlimmen Krankheit hatten Celine und ihre Schwester Lisa auch fröhliche Momente. Foto: nh

Manchmal waren die Schmerzen aufgrund der Folgewirkung so schlimm, dass Celine Morphium erhielt. Grüne Perlen auf der Mutmach-Kette zeigen die Morphium-Tage. Einmal sind es 13 Perlen am Stück. Immer wieder hatte Celine auch Kreislauf-Zusammenbrüche. Ihr Leben hing die ganze Zeit an einem seidenen Faden.

Und wie reagierte Celine? „Mir geht es gut“, sagte sie meist am Telefon, wenn Verwandte oder Freundinnen sie anriefen. „Sie ist unglaublich tapfer“, erzählt ihre Mutter.

Zwischen den Chemo-Blöcken durfte Celine manchmal nach Hause. Dafür musste alles so steril wie möglich sein. Die Haustiere - zwei Hunde und zwei Hasen - mussten weggegeben, Teppiche und Kuscheltiere entfernt werden. Sylke König stand jeden Morgen um 5 Uhr auf, um den Wohnbereich mit einer speziellen Lösung abzuwaschen, bevor Celine nach unten kam.

Im Hausflur standen Desinfektionmittel und Mundschutz für Besucher. Nur wenige Menschen durften überhaupt ins Haus. Mit Freundinnen nahm Celine über die Fensterscheibe Kontakt auf.

Bis Ende Oktober 2012 war Celine die meiste Zeit im Krankenhaus. Ende November/Anfang Dezember macht sie zusammen mit ihrer Mutter eine Reha. Dann ging die Therapie zu Hause weiter. Bis zu 27 Tabletten musste das Mädchen pro Tag nehmen. Seit Ende Mai 2014 ist damit Schluss. Da endete die akute Behandlung und begann die Erhaltungstherapie. (mab)

Was Celine und ihre Familie aus der Zeit gelernt haben und wie Celine es schaffte, nach einem Jahr wieder in ihre Schulklasse zurückzukehren, das lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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