Zwei Fälle in Waldeck-Frankenberg

Liebesbetrug im Internet: Oft mit strafrechtlichen Folgen für Opfer

Übers Internet verliebt: Immer wieder fallen Menschen hier Betrügern zum Opfer, warnt die Polizei. Foto:  dpa

Waldeck-Frankenberg. Falsche Liebesschwüre im Internet sorgen nicht nur für gebrochene Herzen: Nicht selten erschleichen sich Love- oder Romance-Scammer neben dem Vertrauen auch das Geld ihrer Opfer. Im schlimmsten Fall mit straf- und zivilrechtlichen Folgen für die Opfer.

Dass die Betrugsmasche der falschen Liebe im Internet auch in Waldeck-Frankenberg aktuell ist, zeigen zwei aktuelle Fälle, die noch glimpflich verlaufen sind, wie die Polizei berichtet. In einem Fall kam die Betroffene mit einem „blauen Auge“ davon - ohne finanziellen Schaden. Im zweiten war der finanzielle Schaden mit einer mittleren dreistelligen Summe überschaubar.

Hier die wichtigsten Hinweise der Polizei dazu:

Was ist Love- oder Romance-Scamming?

Einfach gesagt: Liebesbetrug im Internet (engl. scam = Betrug). Dabei spielen die Täter ihren Opfern eine Liebesbeziehung vor, um sie dann finanziell zu schädigen. Opfer sind sowohl Männer als auch Frauen, meist in der zweiten Lebenshälfte.

Wie nehmen Scammer Kontakt zu ihrem Opfer auf?

Die Kontaktaufnahme kann grundsätzlich über jedes Internetportal erfolgen, verstärkt über Singleportale oder Dating-Apps. Mal geben sich die Täter als „gutaussehender und erfolgreicher Traummann“ aus, mal als „bezaubernde Traumfrau“.

Wie gehen die Täter im Internet vor?

Der Ablauf ist immer gleich: Ein Treffen ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich, der Kontakt erfolgt nur über Internet und Telefon. Der „Traumpartner“ gibt vor, beruflich nach Westafrika zu müssen oder ist bereits da. Der „Traumpartner“ oder ein Familienmitglied erleidet einen Schicksalsschlag und bittet um Geld, Elektronikartikel oder Dienstleistungen. Alternativ wird auch um Geld für ein Flugticket oder Visum gebeten, um ein Treffen zu ermöglichen. Dieses lässt der „Traumpartner“ dann kurzfristig platzen. „Die Täter umgarnen ihre Opfer teilweise über Monate und können sehr charmant sein“, so die Polizei.

Wie läuft dann der Betrug ab?

Er beginnt erst, wenn das Opfer emotional stark eingebunden ist. Die gängigste Art sei eine Bargeldanweisung ins Ausland - häufig über „Western Union“ oder „MoneyGram“. Die Täter betonen, das Geld zurückzahlen zu wollen. Die emotionale Erpressung kann so weit gehen, dass der Täter mit Selbstmord droht, wenn das Opfer die Forderungen nicht erfüllt.

Wer sind die Scamming-Betrüger?

Professionelle Banden, die mit dem Bild des „Traumpartners“ nichts gemeinsam haben. Da die Täter oft im Ausland sitzen, sind polizeiliche Ermittlungen aufwendig.

Welche Folgen hat Romance-Scamming für die Opfer?

Da die Täter ihren Opfern über eine längere Zeit ein inniges Verhältnis vorspielen, sind die Opfer nach einem Betrug emotional stark erschüttert. Und im Zweifelsfall nehmen die Täter den finanziellen Ruin ihres Opfers in Kauf. Oft bitten die Täter ihre Opfer, Geld oder Waren - aus kriminellen Handlungen - in Empfang zu nehmen und weiter zu versenden. Somit können den Opfern straf- und zivilrechtliche Konsequenzen drohen. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass jeder Euro, der überwiesen wird, verloren ist.

Wie erkenne ich einen Liebesbetrüger?

Wer auf deutschen Singleportalen mit einer kurzen Nachricht in Englisch zum Chat eingeladen wird, sollte vorsichtig werden. Die Profilbilder sind häufig aus dem Internet gestohlen, oft unscharf. Weibliche Scammer locken dagegen mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet sind. Männliche Scammer haben häufig eine Verbindung nach Westafrika, weibliche nach Osteuropa, Südostasien oder Südamerika. Um einen Verdacht zu bestätigen, kann man den Namen des Kontakts mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine eingeben.

Wie verhalte ich mich, wenn ich betrogen wurde?

Brechen Sie den Kontakt ab, rät die Polizei. Falls Sie bereits auf Forderungen eingegangen sind, werden die Betrüger hartnäckig sein: Ignorieren Sie daher jede weitere Kontaktaufnahme. Sichern Sie den gesamten Schriftverkehr und heben Sie Überweisungsbelege auf. Und: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Strafanzeige.

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