Politik ignoriere Konzepte

Liftbetreiber in Willingen und Westfalen fordern Öffnung oder Hilfen

Die Piste am Ettelsberg im Skigebiet Willingen, mit Schneekanonen, wegen Corona und Lockdown aber ohne Gäste.
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Schneebedeckt, aber leer sind die Pisten im Skigebiet Willingen. Die Liftbetreiber plädieren dafür, das zu ändern.

Die Liftbetreiber in Willingen und Westfalen plädieren für eine vorsichtige Lockerung und verweisen auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Andernfalls seien ganz andere Hilfe nötig, als es sie gerade gibt.

  • Die Liftbetreiber in der Wintersport-Arena Sauerland setzen sich für eine vorsichtige Öffnung der Skigebiete ein.
  • Unterstützung erhalten sie von einem Aerosol-Physiker, der ihr Konzept „mehr als ausreichend“ findet.
  • Andernfalls seien bessere Corona-Hilfen nötig: Einnahmen können viele nur jetzt erzielen, die Kosten dafür laufen das ganze Jahr.

Willingen (Upland) – Die Infektionszahlen in Hessen und NRW sinken, gerade im ländlich geprägten Gebiet der Wintersport-Arena Sauerland, wie diese in einer Pressemitteilung betont. Viele Branchen plädierten inzwischen dafür, den schrittweisen Ausstieg aus dem Lockdown vorzubereiten – so auch die Skigebiete. Ansonsten sollten zumindest adäquate Hilfen bereitgestellt werden.

Die Skigebiete sehen sich für eine Öffnung gewappnet: Schnee ist genug vorhanden, es herrscht die beständigste Winterperiode der vergangenen zehn Jahre. Bis Ende Januar hätten die Skigebiete 30 lukrative Wintersporttage hinter sich bringen können.

Betrieb wie in anderen Jahren malen sich die Liftbetreiber nicht aus - aber mit weniger Gästen und ohne Après Ski halten sie ihn für sicher.

Die Liftbetreiber betonen: Es geht um das reine Sportangebot, vom Après Ski haben sie sich schon im Sommer verabschiedet – in der Region sei es ohnehin kaum ein Thema. An den Hygienekonzepten haben sie seit Sommer gearbeitet, teils sechsstellige Summen dafür investiert. „Wir hätten uns gewünscht, dass unsere Konzepte zumindest geprüft worden wären“, ist Christoph Klante enttäuscht, Geschäftsführer des Skiliftkarussells Winterberg und Vorsitzender des Skiliftverbands Sauerland. Fortlaufend hätten die Betreiber ihre Konzepte weiterentwickelt, über verantwortungsvolle schrittweise Öffnungen nachgedacht und immer wieder darauf hingewiesen. „Dies hat bislang leider keine Beachtung gefunden.“

Aerosol-Physiker Scheuch unterstützt Konzepte der Skigebiete gegen Corona

Wissenschaftlich belegt sei: Sars-Cov-2-Viren werden hauptsächlich durch Aerosole übertragen. Diesen Übertragungsweg zu unterbinden, funktioniert am besten an der frischen Luft. Aerosol-Experten bestätigen, dass draußen kaum Ansteckungsgefahr bestehe: „Im Freien ist das Ansteckungsrisiko mindestens 20 bis 100 Mal geringer als in geschlossenen Räumen“, betont Dr. Gerhard Scheuch, Aerosolphysiker und Geschäftsführer der GS Bioinhalation GmbH aus Gemünden. „Das von den Skigebieten vorgelegte Hygienekonzept halte ich für mehr als ausreichend.“ Weiter wird er zitiert: „Aus wissenschaftlicher Sicht wäre es mehr als sinnvoll, die Skigebiete zu öffnen, um mehr Menschen eine Motivation zu bieten, sich im Freien aufzuhalten und die Infektionsgefahr in Innenräumen zu verringern.“

Wie Skigebiete in Willingen trotz Corona sicher in Betrieb gehen wollen

Die ausgearbeiteten Konzepte sehen vor, mit deutlich reduziertem Ticketkontingent zu arbeiten. Vorabbuchungen online garantieren kontaktfreien Ticketkauf und zuverlässige Limitierung. Um die erhöhte Nachfrage verteilen, können die Betriebszeiten ausgeweitet werden. Auf Parkplätzen und an allen Zuwegen sol streng kontrolliert werden. Eine Besucherlenkung erfolgt durch Zäune sowie umfangreiche teils elektronische Hinweistafeln. Zudem stehen sichere sanitäre Anlagen und Desinfektionsmittel für die Gäste bereit. Bei der Umsetzung der Konzepte greifen die Skigebiete auf Erfahrungen zurück, die die Bikeparks im Sommer gemacht haben. Auch die Skigebiete in Österreich, der Schweiz und Skandinavien zeigen laut Wintersport-Arena, dass es möglich ist, Wintersport sicher anbieten zu können.

Einen Andrang wie zum Jahreswechsel befürchten die Betreiber nicht. Dies begründen sie einerseits mit den strengen Limitierungen, andererseits sei der Anreiseverkehr außerhalb der Ferienzeit erfahrungsgemäß deutlich geringer.

Einen Andrang wie zum Jahreswechsel in Willingen denken die Liftbetreiber durch ihr Konzept verhindern zu können

Die Liftbetreiber erklären, die Entwicklung der Infektionszahlen stets im Blick zu haben. Sollte der positive Trend anhalten und eine Erlaubnis erteilt werden, würden sie ihre Konzepte vorsichtig und verantwortungsvoll umsetzen. Dabei denken die Liftbetreiber beispielsweise an Testtage, sehr kleine Ticketkontingente, die dann langsam zu steigern wären.

Corona-Hilfen für Skigebiete anpassen: Kosten aufs Jahr verteilt

Die drei Wintermonate sind für den überwiegenden Teil der Liftbetreiber die einzige Erwerbsquelle des gesamten Jahres. Die Kosten hingegen fallen über zwölf Monate hinweg fortlaufend an. Nach dem schlechten Vorwinter hatte der erste Lockdown im März den Skibetrieb abrupt beendet – mitten in der ersten wirklich winterlichen Phase der Vorsaison .„Wir sind vorbereitet“, betont Jörg Wilke, Sprecher des Skigebiets Willingen. „Sollte eine Öffnung weiterhin unmöglich gemacht werden, dann müssen wenigstens die Hilfen angepasst werden.“ Bereits im ersten Lockdown hatten die meisten Skigebiete keine Überbrückungsgelder bekommen. Auch die aktuellen Hilfsangebote greifen im Falle der Skigebiete kaum. Effektiv würden sie nur zehn bis 15 Prozent ihrer Kosten erstattet bekommen.

Jörg Wilke, Geschäftsführer von Ettelsberg-Seilbahn und K1 sowie Sprecher des Willinger Skigebiets.

Die Politik ignoriert uns. Es geht nicht darum, eine ‚Extrawurst‘ zu bekommen“, betont Meinolf Pape, Sprecher der Postwiesen-Liftgesellschaft Neuastenberg und Geschäftsführer des Skiliftverbands Sauerland. „Sehr viel lieber würden wir unsere Einkünfte selbst erwirtschaften. Aber wenn uns das verboten wird, wollen wir wenigstens nicht durch das aufgespannte Netz fallen.“ (red)

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