Mut machen durch Sprache

Lions-Clubs ehren Flüchtlinge für Dolmetscherdienste

Lions-Ehrung im Projekt Migranten helfen Migranten: vorne die Geehrten, dahinter Vertreter der Lionsclubs und Personen, die die Ehrung vorschlugen. Von links: Ruua Al Obaidi (Sachsenhausen) mit Gerhard Schaller (Bad Arolsen), Raundoz Mustafa (Korbach) mit Lydia Oswald und Eva-Brinke-Kriebel (Korbach), Wodhaa Aloboidi (Rosenthal) mit Angelina Ernst und Dr. Markus Pfuhl (Frankenberg) und Mahdi Ghulami (Höringhausen) mit Klaus Weise (Koordinator der Ehrung) sowie Frankenbergs Bürgermeister Heß. Foto: Biedenbach

Waldeck-Frankenberg. Vier junge Flüchtlinge lernten schnell Deutsch und helfen nun ehrenamtlich als Dolmetscher. Sie wurden für ihr Engagement geehrt.

Sie haben alle vier in kurzer Zeit Deutsch gelernt und schon nach wenigen Monaten für andere Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Irak übersetzt, sie bei Behörden und Arztterminen begleitet und ihren Landsleuten geholfen, sich im neuen Land zurechtzufinden. Für dieses ehrenamtliche Engagement zeichneten die vier Lions-Clubs in Waldeck-Frankenberg vier junge Flüchtlinge aus. Ihr Wirken mache auch anderen Flüchtlingen Mut.

Unter Druck eine Sprache lernen

• Die 26-jährige Ruua Al Obaidi flüchtete Ende 2014 aus dem Irak. „Obwohl sie selbst unter Druck war, half sie schnell anderen“, sagte Gerhard Schaller vom Lions-Club Korbach/Bad Arolsen. Ihr Deutsch war schnell so gut, dass sie ehrenamtlich der Stadt Waldeck und dem Landkreis für Übersetzungsdienste ins Arabische zur Verfügung stand. Die junge Frau möchte nun eine Ausbildung in einer öffentlichen Verwaltung beginnen.

• Der 17-jährige Mahdi Ghulami kam als unbegleiteter Jugendlicher von Afghanistan nach Sachsenhausen und übersetzte schon nach wenigen Monaten für seine Landsleute. Die örtlichen Flüchtlingshelfer erhielten seine Handynummer, so dass der Jugendliche bei dringenden Fällen schnell helfen konnte. Deshalb ehrte ihn der Lions-Club Daniel Rauch Bad Arolsen. Der 17-Jährige lebt jetzt in Höringhausen und besucht die Fachoberschule, Zweig Sozialwesen, in Korbach.

• Die 17-jährige Raundoz Mustafa brachte sich mit Internet-Programmen weitgehend selbst Deutsch bei, unterstützt von den Ehrenamtlichen des Korbacher Integrationscafés Klatsch. Die Syrerin spricht Kurdisch, Arabisch und ein bisschen Türkisch, kann also Flüchtlingen verschiedener Herkunft als Dolmetscherin behilflich sein und unterstützt auch ihre Kameraden der Klassen für Integration und Abschluss (InteA) in der Berufsschule Korbach, sagte Lydia Oswald vom Café Klatsch. Auch Eva Brinke-Kriebel vom Lions-Club Korbach/Waldecker Land würdigte die junge Frau, die in diesem Sommer bei der Freilichtbühne als Laiendarstellerin mitwirkt.

Er war in Syrien als Anwalt tätig: Jetzt bietet er ehrenamtliche Übersetzungsdienste an

• Der 30-jährige Wodhaa Aloboidi aus dem Irak unterstützt den Sprachunterricht an der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg. Dort werden rund 100 Flüchtlinge in sechs InteA-Klassen mit Schülern aus bis zu acht verschiedenen Nationen unterrichtet. Gerade am Anfang, wenn die Schüler noch gar kein Deutsch sprächen, seien Aloboidis Übersetzungen sehr hilfreich, ebenso seine Kenntnisse der Mentalität der Flüchtlinge, schilderte Lehrerin Angelina Ernst. Ehrenamtliche Übersetzungsdienste bietet der 30-Jährige, der in Sprien als Anwalt tätig war, auch in seinem Wohnort Rosenthal an, wie die Rosenthalerin Lydia Waßmuth berichtete. Er wurde von Dr. Markus Pfuhl (Lions Frankenberg) ausgezeichnet.

Alle vier Geehrten dankten in deutscher Sprache für die Auszeichnung, die im Rathaussaal in Frankenberg stattfand. Bürgermeister Rüdiger Heß lobte das Engagement der Lions und der Geehrten.

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