Literarischer Frühling: Barbara Frank las in Frankenberg aus „Der Leopard“

Konzentration im Hintergrund, viel Ausdruck im Vordergrund: Barbara Frank las aus einem italienischen Klassiker. Foto: Ludwig

Frankenberg. Eine Reise nach Italien für alle Sinne war die Lesung aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas „Der Leopard" im Hotel Die Sonne am Sonntagabend.

Die Stimme von Schauspielerin Barbara Frank entführte Ohren, Sternekoch Erik Arnecke Gaumen und Nasen der 25 Gäste nach Sizilien. Dort spielt der Roman „Der Leopard“. Teils ist er biografisch-ironische Historie Siziliens, teils melancholische Betrachtung der Vergänglichkeit. Lampedusa - selbst Adliger - zeichnet die Geschichte des Fürstengeschlechts Salina von 1860 bis 1910 nach. Nicht gerade modern, fanden Verleger der 50er-Jahre und fast wäre das Werk nicht erschienen. Doch dank des Spürsinnsvon Regisseur Luchino Visconti wendete sich das Blatt 1963. Der gleichnamige Film und seine Quelle wurden zum Welterfolg.

Von Liebe und Revolution

Der Leopard, heute verlegt als Der Gattopardo, ist ein Buch, das seine Relevanz auch in unserer Zeit nicht verloren hat, erklärt Barbara Frank zu Beginn. Da ist zum einen die zeitlose Liebesgeschichte zwischen dem Fürstenneffen Tancredi und der schönen Bürgerstochter Angelica. Aber auch politische Umwälzungen schlagen im Buch hohe Wellen. Denn die Handlung beginnt 1860. In dem Jahr erobert der Revolutionär Giuseppe Garibaldi Sizilien und nur ein Jahr später wurde die Halbinsel Teil des neuen vereinten Königreichs Italien.

Immer wieder ergänzte die Schauspielerin Frank die Buchzitate mit historischen Einordnungen und Anekdoten. So schlug sie etwa den Bogen zwischen Romanhandlung und ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Deutschen Wiedervereinigung. Zum bekanntesten Zitat aus dem Buch - „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich ändert“ - erzählt sie eine Anekdote. Eine Zuhörerin bat sie für ihren Mann das Zitat in eine Ausgabe zu schreiben. Ob das so positiv ist? Das ist fraglich, denn „im Roman gewinnt am Ende die Vergänglichkeit“, erklärte Frank.

Keine schwere Kost

Es ist schwere Kost, die der Roman auftischt. Leichter zu verdauen ist, was sich an diesem Abend tatsächlich auf den Tellern abspielte. Es hätte Don Fabrizio, Fürst von Salina, wohl auch geschmeckt. Die Makkaroni etwa finden sich gleich mehrfach auch auf den Buchseiten. Würdig eines Fürsten war auch die grandiose Vorspeise - ein Croustillant auf Hummercreme mit grünen und roten Tomaten. Danach ging es bodenständiger, mit Klassikern der italienischen Küche, weiter: Minestrone, Makkaroni und Tiramisu. All diesen Gerichten hatte Arnecke eine moderne Note mitgegeben. Die Minestrone wurde durch Meeresfrüchte noch intensiver, die Makkaroni an Bolognese wurden geschmacklich durch Parmesanschaum und Wildkräuter aufgehellt und das Tiramisu wurde von erfrischendem Mascarpone-Eis begleitet.

Sowohl das Essen als auch die Lesung war ein Hit bei den Gästen, wenn der Applaus am Ende Indikator war. Einer der wenigen Kritikpunkte: „Die Stühle sind so unbequem“, flüsterte eine der Besucherinnen am Ende. Trotzdem wolle sie wiederkommen.

Mehr zum Literarischen Frühling lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der Frankenberger Allgemeinen.

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