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Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg 2022: Ab jetzt mit Iris Berben

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Von: Martina Biedenbach

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Prominente Unterstützung: Die Schauspielerin Iris Berben, hier bei ihrem Auftritt auf Schloss Waldeck im Gespräch mit dem Literaturkritiker Denis Scheck, ist die neue Schirmherrin des Literarischen Frühlings.
Prominente Unterstützung: Die Schauspielerin Iris Berben, hier bei ihrem Auftritt auf Schloss Waldeck im Gespräch mit dem Literaturkritiker Denis Scheck, ist die neue Schirmherrin des Literarischen Frühlings. © Fotografie Eva-Maria Schmidt

Der Literarische Frühling in Waldeck-Frankenberg hat ein ebenso hochkarätiges wie aktuelles Programm mit Themenschwerpunkt Ukraine-Krieg geboten und mit Iris Berben eine neue Schirmherrin gewonnen. Die Veranstalter sind mit dem Festival 2022 hochzufrieden.

Waldeck-Frankenberg – Insgesamt 2500 Besucher haben die 19 Lesungen des Literarischen Frühlings in Waldeck-Frankenberg vom 2. bis zum 10. April besucht. Das kommt nicht an die Rekordzahl des Vor-Corona-Jahres 2019 mit 4000 Zuschauern heran, dennoch sind die Verantwortlichen „hochzufrieden“. Es war das 10. Literaturfestival, das die drei Hotels Die Sonne Frankenberg, Schloss Waldeck und Landhaus Bärenmühle in Ellershausen veranstalteten.

„Wir hatten aufgrund von Corona eine geringere Anzahl von Plätzen in den Sälen, außerdem waren es insgesamt etwas weniger Veranstaltungen als sonst. Alle Lesungen waren ausgebucht, teils haben wir dann doch noch Stühle dazu gestellt“, sagt Festivalleiterin Christiane Kohl auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Lesung mit dem bekannten Schauspieler Edgar Selge, hier im Gespräch mit Festival-Leiterin Christiane Kohl, war eine der am schnellsten ausgebuchten Veranstaltungen beim Literarischen Frühling 2022.
Die Lesung mit dem bekannten Schauspieler Edgar Selge, hier im Gespräch mit Festival-Leiterin Christiane Kohl, war eine der am schnellsten ausgebuchten Veranstaltungen beim Literarischen Frühling 2022. © Fotografie Eva-Maria Schmidt

Noch mehr freue sie sich über die Rückmeldung von Zuschauern und Künstlern, die „extrem beeindruckt von dem ausgezeichneten Programm“ gewesen seien. „Was die Qualität insgesamt betrifft, war es vermutlich eines der besten Festivals überhaupt: Jede Veranstaltung war gelungen, von der Eröffnung mit Iris Berben bis hin zum Finale mit Edgar Selge“, bilanziert Kohl.

Mit Iris Berben habe das Festival eine „tolle neue Schirmherrin“ gewonnen. Wie berichtet, hat der 91-jährige Mario Adorf diese Funktion nach über zehn Jahren an die Schauspielkollegin abgegeben. Dass er und auch der zweite Schirmherr, Friedrich Christian Delius, krankheitsbedingt kurzfristig ihre Auftritte absagen mussten, hätten die Karteninhaber verständnisvoll aufgenommen. „Viele haben unser Angebot angenommen und statt der Delius-Lesung eine andere Veranstaltung besucht.

Die Absage von Mario Adorf, so traurig sie war, fiel kartenmäßig kaum ins Gewicht, da Iris Berben bei der ursprünglich gemeinsam geplanten Veranstaltung praktisch alles aufgefangen hat“, sagt Kohl und kündigt an: „Die Veranstaltung mit dem Traum-Duo Mario Adorf und Iris Berben wird 2023 nachgeholt.“

Kohl: „Es war ein Festival der magischen Momente“

Was den Literarischen Frühling 2022 ihrer Meinung nach auszeichnet, beschreibt die Leiterin so: „Es war ein Festival der magischen Momente – etwa als Edgar Selge aus dem Buch seiner Kindheit vorlas und plötzlich Shakespeare rezitierte. Es war zugleich ein Festival der starken Literatinnen: Mit Julia Franck, Nino Haratischwili und Katerina Poladjan hatten wir bedeutende Stimmen der aktuellen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dabei. Und es war ein Festival des besseren Verstehens, wie die Veranstaltung mit dem Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski gezeigt hat.“

Ein ungeplanter, hochaktueller Themenschwerpunkt war die Auseinandersetzung mit dem Ukraine-Krieg geworden. Zur russischstämmigen Autorin Katerina Poladjan, die über die Wende in der Sowjetunion schreibt, hatten die Veranstalter kurzfristig die Autorin Nino Haratischwili, die in ihrem Roman „Das mangelnde Licht“ die blutige Ablösung Georgiens von Russland beschreibt, und den Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski eingeladen.

Die Reaktionen der Zuhörer darauf beschreibt Christiane Kohl so.: „Viele Zuschauer waren extrem aufmerksam und auch engagiert. Nino Haratischwili hat nach ihrer Lesung zu Spenden für ukrainische Schriftsteller aufgerufen, dabei sind 1350 Euro zusammengekommen, doppelt soviel wie bei ihrer Lesung im Hamburger Thalia-Theater zwei Wochen vorher. Sie war zutiefst beeindruckt davon. Auch die Veranstaltung mit Jörg Baberowski war sehr wichtig – die Menschen gingen danach sinnbildlich mit rauchenden Köpfen hinaus, so viele Zusammenhänge waren ihnen plötzlich klar geworden.“

Der Termin des nächsten Literarischen Frühlings in Waldeck-Frankenberg steht schon fest, es soll vom 24. März bis 2. April 2023 stattfinden.  (Martina Biedenbach)

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