Start nach kultureller Dürre

Literarischer Frühling in Waldeck-Frankenberg: Festivalleiterin Kohl zieht positive Bilanz

Festivalleiterin Christiane Kohl, hier bei der Ankündigung einer Lesung in der Bärenmühle, zieht im Interview eine positive Bilanz zum ersten Nachholteil des Literarischen Frühlings 2020.
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Festivalleiterin Christiane Kohl, hier bei der Ankündigung einer Lesung in der Bärenmühle, zieht im Interview eine positive Bilanz zum ersten Nachholteil des Literarischen Frühlings 2020.

Es war ein „gelungener Start nach den Monaten der kulturellen Dürre“. So lautet die Bilanz von Christiane Kohl über den ersten Nachholteil des Literarischen Frühlings 2020.

Waldeck-Frankenberg – Im Interview mit unserer Zeitung zieht die Leiterin des Literaturfestivals Literarische Frühling in Waldeck-Frankenberg, Christiane Kohl, Bilanz über die nach mehrfacher coronabedingter Terminverschiebung vom 1. bis 5. Juli erfolgten Lesungen.

Wie ist das Festival unter erschwerten Bedingungen gelaufen?

Wir sind hochzufrieden, dass der erste Teil des Festivals so gut über die Bühne ging. Dreimal haben wir den Literarischen Frühling verschoben. Beim vierten Anlauf hat es jetzt endlich geklappt. Wegen der Corona-Regeln mussten wir ja neue, größere Orte suchen, dabei haben wir herrliche Entdeckungen gemacht.

Welche meinen Sie?

Zum Beispiel hat die Waldbühne an der Bärenmühle die Zuschauer von Michael Quast bezaubert. Der Schauspieler, die guten Wald-Texte, das traumhafte Ambiente mit den Bläsern der Jägervereinigung Frankenberg und den Gesangseinspielungen aus dem Off des Waldes – das alles mischte sich zu einer wunderbaren Symbiose.

Was waren für Sie weitere Höhepunkte?

Eine Sternstunde der Literatur war das Gespräch zwischen Rüdiger Safranski und Thea Dorn über Friedrich Hölderlin – diese niveauvolle und zugleich unterhaltsame Debatte war ein literarischer Hochgenuss, den man höchst selten erlebt. Auch die anschaulichen Ausführungen des äthiopischen Prinzen Asfa-Wossen Asserate über die Völkerwanderung aus Afrika und ihre Hintergründe haben das Publikum fasziniert. Die Küchenlesung mit Turgenjews Klassiker der Weltliteratur und Erik Arneckes Menü kam sehr gut an und Andrea Sawatzki war natürlich ein Selbstläufer.

Es gab auch eine Schulveranstaltung. Wie lief die?

Wir haben eine Schulveranstaltung für das Edertal-Gymnasium gemacht, die ebenfalls ein Highlight war. Thea Dorn war ganz begeistert von den klugen Fragen der Schüler. Alles in allem war dieser erste Teil des Festivals aus meiner Sicht ein sehr gelungener Start nach den Monaten der kulturellen Dürre.

Wie sieht es in diesem Jahr mit den Kosten für die Veranstalter aus?

Selbstverständlich sind die Kosten diesmal höher. Denn wir haben die Veranstaltungen ja mehrfach immer wieder neu geplant. Und aufgrund der Inzidenz-Zahlen im Landkreis hatten wir nur eine sehr kurze Vorlaufzeit Gleichzeitig waren viele Veranstaltungen ursprünglich schon ausgebucht gewesen, doch es gelang uns nicht immer, alle Karteninhaber zu informieren, da wir von vielen gar keine Kontaktdaten hatten. Deshalb konnten wir für manche Veranstaltungen kaum neue Karten verkaufen, obwohl es noch viele Interessenten gab. Wenn dann Alt-Karteninhaber nicht erschienen, war das manchmal etwas enttäuschend. So zum Beispiel bei der Kinderlesung mit Oliver Scherz, der zurzeit als einer der besten Kinderbuchautoren in Deutschland gilt. Aber ich betrachte es als Wert für sich, dass der Literarische Frühling jetzt überhaupt mal stattgefunden hat.

Sie haben bis zum Schluss „auf Sicht navigiert“, wie sie sagten. Wie haben die Besucher auf kurzfristige Änderungen reagiert?

Aufgrund der besonderen Situation mussten wir leider manche kurzfristige Umplanung vornehmen. Das haben viele Gäste mit großer Flexibilität akzeptiert und ich danke ihnen sehr dafür.

Wie geht es nun weiter?

Mit dem zweiten Teil des Festivals, das Anfang September stattfinden soll. Die entsprechenden Termine werden wir recht bald bekanntgegeben. Zudem sind in diesem Jahr zwei Einzelveranstaltungen geplant: Mariana Leky mit ihrem Besteller „Was man von hier aus sehen kann“ wird am 12. August kommen, Hubertus Meyer-Burckhardt am 25. Oktober. Auch dazu folgen weitere Infos später. Und dann schauen wir mal, was das neue Jahr bringt: 2022 wollen wir das Zehnjährige feiern. Von Martina Biedenbach

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