Liebe, Tod und ein Okapi

Literaturfestival Waldeck-Frankenberg: Mariana Leky las aus ihrem beliebten Dorfroman

Literarischer Frühling: In einem Nachholtermin des wegen Corona verschobenen Literaturfestivals las die Autorin Mariana Leky (links) in der Wandelhalle in Bad Wildungen. Hier ist sie im Gespräch mit Festivalleiterin Christiane Kohl.
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Literarischer Frühling: In einem Nachholtermin des wegen Corona verschobenen Literaturfestivals las die Autorin Mariana Leky (links) in der Wandelhalle in Bad Wildungen. Hier ist sie im Gespräch mit Festivalleiterin Christiane Kohl.

In der zweiten Nachholphase der Veranstaltungen des Festivals Literarischer Frühling las Mariana Leky in Bad Wildungen aus ihrem Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“.

Bad Wildungen – Wochenlang stand er an der Spitze der Bestsellerlisten und wurde 2017 sogar zum „Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhändler Deutschlands“ erklärt: Mariana Lekys Erfolgsroman „Was man von hier aus sehen kann“ eroberte in Windeseile die Herzen seiner Leser.

In der zweiten Phase der Nachholtermine des Literarischen Frühlings las jetzt die Autorin in der Wandelhalle Bad Wildungen vor 180 Besuchern aus ihrem Werk. Den Gesprächen am Rande ließ sich entnehmen, dass viele von ihnen bereits Fans der anrührenden Geschichte um Liebe, Verlust und Trauer waren. Lekys Gesprächspartnerin war Christiane Kohl, Leiterin des Literaturfestivals, das von den drei Hotels Die Sonne Frankenberg, Schloss Waldeck und Landhaus Bärenmühle in Ellershausen veranstaltet wird.

Ob Leky in ihren Roman auch Autobiographisches verwoben habe, wollte die Moderatorin gleich zu Beginn wissen. Schließlich spiele die Handlung in einem kleinen Dorf im Westerwald, Leky lebe dagegen in Berlin. Das Landleben sei ihr bestens vertraut, erzählte die Autorin, denn sie habe als Kind oft die Ferien in einem Bauernhaus verbracht. Natürlich habe sie manche Erinnerungen verarbeitet, aber die Geschichte als solche sei erfunden.

Die Bewohner des fiktiven Dorfes – jeder von ihnen eine ausgeprägte Persönlichkeit – und ihre Beziehungen untereinander bilden das Fundament der Handlung. „Es musste ein überschaubarer Ort sein“, sagte Leky, „in New York hätte das nicht spielen können.“

Im Mittelpunkt steht Selma, die Großmutter der Ich-Erzählerin Luise, deren Menschenkenntnis voll trockenen Humors nicht mit provinzieller Eingeschränktheit verwechselt werden darf.

Wichtig sind außerdem Luises Kinder-Freund Martin, der Optiker, der heimlich Selma liebt, Luises Vater mit schier unstillbarem Fernweh, ihre Mutter, die ein Verhältnis mit dem Besitzer des Eiscafés hat, Luises Erwachsenen-Liebe Frederik und einige mehr.

Selma träumt hin und wieder von einem Okapi, einer Waldgiraffe mit Streifen am Hinterteil wie ein Zebra. Das wird von den Dorfbewohnern mit dem bevorstehenden Tod eines der ihren in Verbindung gebracht. „Hier hat mich interessiert, was Menschen machen, wenn sie denken, sie haben nur noch 24 Stunden zu leben“, erklärte Leky. Denn alle seien vom Wahrheitsgehalt des Traums überzeugt, auch wenn sie jeden Gedanken an Aberglauben weit von sich weisen würden. „Die bleiben alle auf dem Boden.“

„Ich empfinde vieles gar nicht als skurril“, sagte sie auf Kohls Frage, ob das Okapi als eine befremdliche Galionsfigur gesehen werden könne. Sie denke zudem, dass auch in einem Liebesroman der Tod nicht ausgespart werden solle. „Jede Liebe ist endlich – umso mehr muss man sich ihrer Kostbarkeit bewusst sein.“ Zum Prozess des Schreibens meinte Leky, dass sie einzelne gelungene Sätze als trostvoll empfinde. „Schreiben kann unfassbar glücklich machen.“ Von Marise Moniac

Weitere Lesungen

Weitere Lesungen im zweiten Nachholteil des Literaturfestivals finden vom 2. bis 5. September statt. Karten und Infos auf literarischer-fruehling.de

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