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Litfaßsäule am Ederauen-Radweg fragt: Ist Demokratie Arbeit?

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„Ist Demokratie Arbeit?“: Zentrale Frage auf der Litfaßsäule von Gerhard Hesse.
„Ist Demokratie Arbeit?“ lässt Gerhard Hesse unter anderem seine Litfaßsäule fragen. © Matthias Schuldt

Eine Litfaßsäule in den Grundfarben rot, blau und gelb und mit viel weißer Fläche steht am Ederauenradweg bei Wellen. Sie stellt den Passanten Fragen.

Wellen – Der Wellener Künstler Gerhard Hesse eröffnete mit seiner Frau Andrea Grimmell-Hesse im Beisein von 70 Gästen seine neue Installation unter der Fragestellung, ob Demokratie Arbeit sei. Sabine Betschel, Kunsthistorikerin und Lehrerin für Kunst und Geografie am Bad Wildunger Gymnasium, nahm das Publikum mit auf eine Hintergrundreise unter der Fragestellung „Was hat die Demokratie mit einer Litfaßsäule zu tun?“

Sie ging auf die Geschichte dieser bekannten Säule ein, eines Kommunikations- und Werbemittels, das im 19. Jahrhundert erfunden wurde und fragte, wofür der Künstler zwei Jahrhunderte später an der Eder werbe? Die Revolution von 1848 stellte den ersten Versuch dar, im damaligen, noch nicht zu einem Staat verbundenen Deutschen Reich die Demokratie als Herrschaftsform zu etablieren. Die erste Demokratie auf gesamtdeutschen Boden wurde jedoch erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Gestalt der Weimarer Republik begründet. Sie wurde von den Nationalsozialisten ab 1933 zerstört. Ab 1949, vier Jahre nach der Niederlage des „Dritten Reiches“, etablierte sich in den Besatzungszonen der westlichen Alliierten eine Demokratie auf der Grundlage von allgemeinen, geheimen, freien und gleichen Wahlen auf Basis des Grundgesetzes. Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone wurde die DDR als sozialistischer Staat ausgerufen. Seit der Wiedervereinigung 1990 gilt das Grundgesetz als Verfassung für ganz Deutschland.

Leben in der Demokratie ohne Engagement: macht das glücklich?

Zwei Jahrhunderte nach dieser Vorgeschichte lässt sich persönlichen Bedürfnissen in Deutschland frei nachkommen, ohne sich für die demokratische Gesellschaft und Staatsform zu engagieren.

„Aber: Macht das glücklich? Bringt das die Demokratie weiter? Wo bleibt die Entwicklung und kann so etwas auf Dauer funktionieren?“, fragte Betschel und gab eine Antwort aus Sicht des Künstlers. Eher befänden wir uns derzeit am Scheidepunkt, die Akzeptanz und das Engagement schwänden, der „mündige Bürger“ sei ein nicht gelebtes Ideal. Die Menschen forderten viel und täten wenig, Dinge zu verbessern. Fragen auf der Litfaßsäule wie „Was würden Sie gerne an dieser Demokratie verändern oder weiterentwickeln“ oder „Wie engagieren Sie sich für die Demokratie?“ können auf den weißen Flächen der Litfaßsäule beantwortet werden. Die Menschen sind eingeladen, das zu tun, auch an Ort und Stelle über die Demokratie und deren Pflege zu diskutieren. Sabine Betschel hob auf den Begriff der sozialen Plastik ab, den Joseph Beuys geprägt habe: „Hier werden die Menschen selbst Teil des Kunstwerks, indem sie durch ihre Beiträge aktiv werden, reflektieren und miteinander kommunizieren.“

Schon am Eröffnungstag gab es viele Beiträge. Sie sollen vorbeikommenden Spaziergängern oder Radfahrerinnen anregen, den Gästen der Vernissage nachzueifern. (red)

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