Parteiloser Logopäde im Interview

Im Gespräch mit Tyche Feddersen - Kandidat zum Korbacher Stadtverordneten

Tyche Feddersen (parteilos) tritt bei der Kommunalwahl in Korbach an.
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Tyche Feddersen (parteilos) tritt bei der Kommunalwahl in Korbach an.

Bei der Kommunalwahl am 14. März stellen sich auch parteilose Kandidaten zur Wahl. So auch in Korbach, wo Logopäde Tyche Feddersen um Stimmen wirbt.

Herr Feddersen, Sie treten zur Wahl als Stadtverordneter an. Wieso jetzt und nicht früher?
„Ich war und bin politisch interessiert und aktiv. Bisher aber noch nicht im Korbacher Stadtparlament. Beruflich wie privat bin ich täglich mit Menschen im Gespräch - dass sich viele Veränderung oder Besserung wünschen, Sorgen und Ängste haben, war nun der ausschlaggebende Punkt für meine Kandidatur.“
Das heißt, auch mit der Kommunalpolitik in Korbach stimmt etwas nicht?
„Ich komme aus dem Norden. Der Fisch stinkt vom Kopf, wie wir sagen. Viel in der Politik wird von oben nach unten durchgereicht und dann einfach umgesetzt. Ich denke, das ist so nicht richtig und passt meistens auch nicht. Für mich ist vor allem die politische Basis gefordert, immer aufmerksam und auch kritisch zu sein. Vor Ort wirken sich die Dinge aus - und nicht in Berlin oder Wiesbaden, wo sie entschieden werden. Kommen also von der kleinen Basis vor Ort keine Forderungen und Rückmeldungen, wird sich auch in der großen Politik nichts ändern.“
Also muss sich auch in Korbach etwas ändern? Und wenn ja, was?
„Ich vermisse oft eine energische Reaktion. Oder proaktives Handeln. Was immer besser ist, als zu reagieren.“
Nennen Sie ein Beispiel?
„Auch wenn es die Kommunalpolitik zwar nicht direkt betrifft, gehört das für mich dazu: Das Gesundheitswesen. Dort bin ich ja tätig. Die Einsparungen hier sind dramatisch. Ein stetiger Rückgang der Facharztpraxen in den Städten ist ein sehr ernstes Problem. Hier bei uns im ländlichen Raum finden sich kaum noch Nachfolger für die bestehenden Praxen. Viele ältere Menschen werden auf diese Weise systematisch von der ärztlichen Versorgung abgeschnitten. Und wissen manchmal nicht, wie sie zum Arzt in die Stadt kommen sollen.“
Was würden Sie dagegen tun?
„Da ist dann wiederum tatsächlich die Politik vor Ort gefragt. So sehe ich es jedenfalls. Helfen könnten zum Beispiel bezuschusste Fahrten mit dem Bus oder Sammeltaxi. Denn die Mitfahrbänke in den Ortsteilen funktionieren leider nicht wie gewünscht. Man kann also was tun. Das hat auch etwas mit der Wertschätzung der Lebensleistung der betroffenen, meist älteren Menschen zu tun. Probleme sollten nicht mit dem Verweis auf die Zuständigkeit anderer ausgesessen, sondern angegangen werden. Die Gelder dafür müssen natürlich im Haushalt eingestellt werden.“
Also wird das Geld in Korbach nicht richtig eingesetzt?
„Für mich weist erneut auch der Korbacher Haushalt 2021 einige Unstimmigkeiten auf, ja.“
Welche sind das Ihrer Meinung nach?
„Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass im Korbacher Haushalt 770.000 Euro für einen Wohnmobilstellplatz ausgewiesen sind. Selbst wenn man EU-Zuschüsse von 200.000 Euro abzieht, zahlen die Korbacher selbst noch 570.000 Euro. Und im selben Zeitraum gibt es gerade mal rund 100.000 Euro für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Und für Kultur ist gar nichts vorgesehen. Da steht eine glatte Null. Für mich ist das so überhaupt nicht in Ordnung! Und kann man also Gelder vom Bund, Land oder der EU bekommen, sollten diese für meine Begriffe in allererster Linie den Menschen dienen. Aber nicht für einen Wohnmobilparkplatz, auf den gerade mal 18 Fahrzeuge passen. Das rechnet sich doch in 100 Jahren nicht.“
Was würden Sie denn mit diesem Geld machen?
„Nehmen wir als Beispiel die öffentliche Wohnraumversorgung direkt gegenüber in der Berliner Straße. Der Bestand dort erfährt ja kaum Aufwertung. Da leben ältere Menschen, die mit ihren Einkaufstüten ohne Hilfe bis in den 3. Stock laufen müssen, weil es keinen Aufzug gibt. Da gibt es ja einiges zu verbessern. Ich sehe hier ohnehin seit vielen Jahren keine zielgerichteten Aktionen im sozialen Wohnungsbau. Die Kommunen investieren nicht und die freie Wirtschaft zieht sich zurück, da es bei den heutigen Baukosten unattraktiv ist, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Das geht doch so nicht für die Menschen. Leider schon viel zu lange. Auch hier in Korbach.“
Wie stehen Sie zur Migrationspolitik?
„An der Küste ist man es gewohnt, dass jeden Tag Schiffe aus aller Herren Länder ankommen. Der Kapitän und die Matrosen müssen sich natürlich an die Regeln des Hafenmeisters halten, wenn sie anlegen wollen. So sehe ich das auch für die Menschen, die zu uns kommen und hier leben möchten. Es geht um ein Leben miteinander und nicht nebeneinander. In einer offenen, vielfältigen Gesellschaft in jeder Hinsicht. Das braucht Rahmenbedingungen Und daran müssen sich alle halten.“
Wie sehen Sie die Zukunft von Korbach?
„Die Zukunft ist in erster Linie die kommende Generation. Die Kinder, die Jugend. Daher gilt Kindern und Jugendlichen besonderes Augenmerk. Korbach hat einiges zu bieten. Der Landkreis auch. Aber das reicht nicht immer. Viele Kinder gehen zum Studium weg in die Großstädte und kommen nicht wieder. Das kann dann auch zum Problem werden, wenn die Eltern im Alter Unterstützung benötigen, aber niemand mehr da ist. Wir brauchen eine Lebens-, Wohn-, Berufs- und Freizeitqualität, die Familien animiert, hierher zu ziehen. Und auch die Kinder animiert, nach dem Schulabschluss hier zu bleiben. Oder nach dem Studium wieder zurück zu kommen.“
Das hört sich nach einer Menge Arbeit an...
„Die Menschen wählen ihre politischen Vertreter, damit sie über den Tellerrand hinaus und auch in die Zukunft sehen. Und nicht, um auf dem Kirchturm zu sitzen und die Dinge doch nur zu verwalten. Die Welt ist im ständigen Umbruch. Immer schneller. Korbach muss am Ball bleiben. Ich trete als Kandidat an, um die Dinge laufend auf den Prüfstand zu stellen. Verändern oder anpassen, wenn es nötig ist, muss die Devise lauten. Ohne großes Hin und Her. Das können wir uns nicht leisten in der heutigen Zeit.“
Aber das schaffen Sie ja nicht alleine...
„Es gibt immer verschiedene Meinungen. Mal findet man Mehrheiten und politischen Konsens, mal nicht. Das ist Demokratie. Wichtig ist, dass man versucht, etwas zu erreichen. Dafür muss man sich bewegen. Ich stelle mich zur Wahl, um etwas zu bewegen. Und das werde ich nach bestem Wissen und Gewissen tun. Auch wenn ich dabei mit meiner Meinung einmal alleine dastehen sollte. Wort halten! Das erwarten die Menschen, die wählen gehen. Das dürfen sie auch. Und diese Erwartung werde ich nicht enttäuschen.“
Vielen Dank für das Gespräch!

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