Pandemie bleibt Herausforderung

Gastronomen in Waldeck-Frankenberg bereiten sich auf kalte Jahreszeit vor

Gut Lüften und moderne Filteranlagen sind im Pandemie-Winter gefragt. Oliver Frekot von der „Vis à Vis Hütte“ in Willingen sieht sich gut aufgestellt – weiß aber, dass viele Kollegen es schwerer haben werden.
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Gut Lüften und moderne Filteranlagen sind im Pandemie-Winter gefragt. Oliver Frekot von der „Vis à Vis Hütte“ in Willingen sieht sich gut aufgestellt – weiß aber, dass viele Kollegen es schwerer haben werden.

Der Sommer nach dem Lockdown lief für viele Gaststätten im Landkreis vergleichsweise gut – doch wie geht es angesichts steigender Infektionszahlen und sinkender Temperaturen weiter?

Waldeck-Frankenberg – Viele der Betriebe, die Plätze vor der Tür anbieten können, seien mit Markisen und Heizstrahlern gut gerüstet, erklärt Dehoga-Kreisvorsitzender Jürgen Figge – verboten seien die zuletzt viel diskutierten „Heizpilze“ im Kreisgebiet seiner Kenntnis nach nirgends.

Wo Gäste drinnen sitzen, muss stark gelüftet werden – je nach Temperatur und Aufbau des Lokals kann das schwierig werden. Wer jetzt noch eine Luftfilteranlage mit Spezialfiltern nachrüsten will, steht vor erheblichen Investitionen – der Dehoga hoffe da auf Unterstützung von der Politik, sagt Jürgen Figge. Denn auch, wenn es in den vergangenen Wochen Lichtblicke gab – sie gleichen die vorherigen Verluste nicht aus: „Das nicht verkaufte Essen wird nicht nachbestellt und die Betten können wir jetzt nicht doppelt belegen.“

Auch, wenn sich eine stabile Gästezahl im normalen Betrieb gewährleisten ließe, stehen die Gastronomen vor einem weiteren Problem: Weihnachtsfeiern machen für viele einen großen Teil des Umsatzes zum Jahresende aus. In diesem Bereich gebe es aber viele Absagen, berichtete Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, der Deutschen Presseagentur. Der Verband geht von sinkenden Gästezahlen im Winter aus.

Wie sehr sich das in der Region auswirkt, ist noch nicht vollends absehbar: Oliver Frekot, Inhaber der „Vis à Vis Hütte“ in Willingen, hätte bis Ende September normalerweise rund 25 Anfragen für kleine wie große Weihnachtsfeiern vorliegen, die gut ein Drittel des Umsatzes ausmachen. Dieses Jahr gab es bis dahin eine. Im Hotel-Restaurant Werbetal wird gemeinhin später gebucht, sagt Christian Gerlach – zuerst steht das Gänseessen an, das gut gebucht wird. Ein anderes Problem hat die Osteria „da Tullio“ in Frankenberg: Im November und Dezember gibt es laut Monja Neugebauer Anfragen für „drei Hochzeiten und 13 bis 15 Weihnachtsfeiern“ – sie fragt sich aber, wie sie diese angesichts der Auflagen unterbringen soll.

Urlaubsregionen Willingen und Edersee zuletzt gut besucht

„Das Wetter hat uns absolut in die Karten gespielt“, sagt Oliver Frekot nach einem gemessen an den Umständen der Pandemie gut besuchten Sommer auf „Vis à Vis Hütte“ in Willingen. Doch als am letzten September-Wochenende der Außenbetrieb auf der Terrasse nicht mehr möglich war, sei der Umsatz eingebrochen.

Seine Kundschaft gehe meist lieber, als sich reinzusetzen. Das Phänomen trifft laut Dehoga nicht jede Gaststätte in diesem Ausmaß, aber überall müssen sich Inhaber Gedanken machen, wie sie angesichts der Corona-Auflagen und fallender Temperaturen ihre Gäste unterkriegen.

Oliver Frekot sieht sich gut vorbereitet: Die Hütte ist geräumig und hat viele Fenster zum Lüften, schon vor der Pandemie verfügte sie über eine Lüftungsanlage mit Filtersystem, die frische Luft einführt und verbrauchte entnimmt. Für den Außenbereich lässt er sich durch eine Zeltbaufirma beraten: Zusammen mit dem Einsatz von Heizstrahlern soll das sicherstellen, dass die Terrasse nahe eines Skihangs in der Wintersaison besetzt werden kann und für die Gäste so schön und angenehm wie möglich ist: „Wenn der Winter gut läuft, werden wir die Menge an Skisportlern nicht rein setzen können“, sagt er.

Etwas anders stellt die Lage sich am Edersee dar: Auch dort war die Nachfrage seit Mitte Juni sehr gut und lasse jetzt nach, berichtet Christian Gerlach vom Hotel-Restautant Werbetal – aber ab Ende Oktober werde es wohl sehr ruhig. Das sei üblich: „Am See sind wir sehr wetterabhängig.“ Im Januar und Februar schließe er wie viele Kollegen in der Anrainer-Region ohnehin, aber auch davor werde er keine Außenwirtschaft betreiben. Von Heizstrahlern hält Christian Gerlach nichts: „Auf dem Weg zum Tisch wird das Essen eh kalt. Und umwelttechnisch sind sie eine zu große Belastung – das geht gegen meine Überzeugung.“

Für seine Gäste habe er drinnen genug Raum. Und auch sein Restaurant habe bereits eine gute Lüftungsanlage. Nun erwäge er, zusätzlich Systeme zur Virenreinigung anzuschaffen – doch bislang sei schwer zu sagen, welche davon überhaupt gut sind. Angesichts der Investionskosten warte er auf eine Empfehlung des Dehoga. Ansonsten heißt es lüften – in diesem Winter könnte es vielerorts Gästen etwas kalt werden.

Während Oliver Frekot in Willingen hoffnungsvoll auf das Alltagsgeschäft blickt, macht ihm der Wegfall besonderer Anlässe Sorgen: Weihnachtsfeiern werden kaum gebucht, er hofft mit Gänseessen zumindest einzelne Abteilungen anzusprechen. Aber auch Silvesterfeiern können nicht im normalen Rahmen stattfinden, dass das Skispringen die üblichen Gäste in den Ort zieht, stehe zu bezweifeln.

Er hoffe, dass die Menschen sich auch im Winter auf die Angebote der Gastronomie einlassen – aber die steigenden Zahlen machten vielen Angst. „Es gibt einfach zu viele, die sich nicht an die Regeln halten. Das schädigt alle“, sagt er: Zuerst die Infizierten selbst, aber auch alle, welche die Lage verängstigt und die Menschen, die es wirtschaftlich in Bedrängnis bringt.

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