Massive Schäden

Wildschweine verwüsten Wiesen in Waldeck-Frankenberg auf der Suche nach Nahrung

Wildschweine wie diese brechen derzeit bei der Nahrungssuche Wiesen auf und richten dabei erhebliche Schäden in der Landwirtschaft an.
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Wildschweine wie diese brechen derzeit bei der Nahrungssuche Wiesen auf und richten dabei erhebliche Schäden in der Landwirtschaft an.

Nicht nur Spaziergänger wundern sich über zahlreiche Wiesen im Kreis, die eher wie umgepflügte Äcker aussehen. So wird von Wiesen zwischen Battenberg und Dodenau berichtet, dass Schwarzwild dort über Nacht bei der Nahrungssuche die Grasnarbe umgedreht hat.

Waldeck-Frankenberg - HNA-Leserin Helge Schmiedl aus Löhlbach berichtet, dass die Wiese vor dem Haus in der Frankenberger Straße „von Wildschweinen verwüstet” wurde. Eine Rotte (Gruppe) von Schwarzkitteln habe sich Anfang der letzten Woche (18. bis 23. Oktober) gleich zweimal nachts über die ortsnahe Wiese hergemacht.

Dr. Jérôme Metz vom Forstamt Frankenberg-Vöhl bestätigt die massiven Wildschäden auf Grünland. Das hänge mit dem feuchten Jahr nach drei voraus gegangenen, niederschlagsarmen und dadurch trockenen Jahren zusammen, sagte Metz. In den trockenen Jahren sei der Boden beinahe betonartig fest und bis in die Tiefe trocken gewesen. Nun sei der durchnässte Boden relativ weich. Dadurch könne Schwarzwild in diesem Herbst auf der Suche nach an eiweißreicher Nahrung wie Regenwürmern leicht fündig werden. Das Aufwühlen des Bodens, das für Landwirte ein erhebliches Ärgernis sei, sei dagegen im Wald von Vorteil. Die Sauen wälzten bei ihrer Nahrungssuche den Mineralboden um. Dadurch würden die Keimbedingungen verbessert, so Dr. Metz. Da dieses Jahr kein Mastjahr ist, also kaum Eicheln und Bucheckern an den Bäumen sind, sättigten sich die Wildschweine an dem, was sie im Boden mit ihren Hauern – den kräftigen Eckzähnen – freilegen.

Großes Ärgernis für Landwirte

Für Landwirte sind die nächtlichen Aktivitäten der Wildschweine auf den Wiesen ein großes Ärgernis. Die aufgebrochenen Wiesen wieder instandzusetzen, ist mit viel Arbeit verbunden. Als Gegenmaßnahmen gilt die intensive Bejagung des Schwarzwildes. Diese ist ohnehin angesagt, um der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen. Durch Jagd können die Wildschweine zwar nicht erheblich dezimiert werden, doch werden sie vergrämt.

Die derzeitigen massiven Schäden durch Wildschweine auf Grünland bestätigt auch der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Matthias Eckel, der auch Jäger ist. Dass in diesem Jahr die Wälder keine Mast hervor brachten, sieht auch Eckel als eine Ursache dafür an, dass die Wildschweine jetzt vermehrt Wiesen umbrechen. Auch er empfiehlt scharfe Bejagung unter zur Hilfenahme von Nachtsichtgeräten, um die Schäden in Grenzen zu halten. Mit Maschinen, die als Wiesenhobel bekannt sind, könne die Grasfläche weitgehend repariert werden.

Experimente zur Schwefeldüngung

Landwirt Eckel kennt Experimente zur „Schwefeldüngung”. Dabei wird schwefelhaltiges Granulat ausgebracht, das das Schwarzwild vom Verwüsten von Wiesen abhalten soll. Ärgerlich ist das derzeitige Problem schließlich auch für die Jagdgenossenschaften und vereinbarungsgemäß die Jagdpächter, die für die Wildschäden aufkommen müssen.

Von Gerhard Kalden

Aufgewühlt: Eine von Wildschweinen aufgewühlte Wiesenfläche im Edertal unterhalb von Dodenau.

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