Verteidigerin: 26-Jähriger wurde getreten

Prozess am Fritzlarer Amtsgericht: Aus Wut Scheiben in Bad Wildungen zertrümmert

Tatort Altstadt: Ein 26-Jähriger stand wegen Sachbeschädigung vor Gericht. Im Prozess wurden Vorwürfe erhoben, er sei geschlagen und getreten worden.
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Tatort Altstadt: Ein 26-Jähriger stand wegen Sachbeschädigung vor Gericht. Im Prozess wurden Vorwürfe erhoben, er sei geschlagen und getreten worden.

Ein Prozess wegen Sachbeschädigung in Bad Wildungen nahm eine überraschende Wende.

  • Ein 26-Jähriger musste sich am Fritzlarer Amtsgericht wegen Sachbeschädigung verantworten.
  • Der Angeklagte soll im Juni 2020 mit einem Baseballschläger Schaufensterscheiben in der Bad Wildunger Altstadt zertrümmert haben.
  • Nach Aussage der Rechtsanwältin soll es am Vortag der Tat zu Gewalt gegenüber dem 26-Jährigen gekommen sein. Das will das Gericht in einer weiteren Verhandlung mit den Beteiligten klären.

Fritzlar/Bad Wildungen – Ein 26-jähriger Mann aus Bad Wildungen muss sich wegen Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten. Der Mann sei vor der Tat im Juni 2020 in Bad Wildungen unter anderem geschlagen und getreten worden, berichtete die Verteidigerin des aus Syrien stammenden Beschuldigten.

Schaufensterscheiben in der Altstadt eingeschlagen

„Ich habe nur die Wahrheit gesagt“, beteuerte er am Ende der Verhandlung. Die wird wegen der neuen Vorwürfe erst im Sommer fortgesetzt. „Wir machen einen neuen Termin und hören uns die ganze Sache von allen Seiten an“, sagte Richterin Corinna Eichler.

Der Reihe nach: Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft Kassel am 13. Juni 2020 mit einem Baseballschläger zwei Schaufensterscheiben einer Shisha-Bar in der Altstadt eingeschlagen und dabei einen Sachschaden von knapp 2000 Euro verursacht zu haben. Das gebe er zu, sagte seine Verteidigerin. Sie schilderte jedoch einen Vorfall, der nicht unter den Tisch gekehrt werden dürfe.

In den „Schwitzkasten“ genommen

Am Vorabend der Sachbeschädigung habe ihr Mandant in der Bar mit einem Freund Bier getrunken und zwischen 1 und 2 Uhr das Lokal verlassen. Der Freund sei nach Hause, der 26-Jährige habe sich in einer anderen Bar für den Nachhauseweg noch ein Bier geholt. Vor dieser Bar hätten sich zwei Pärchen aufgehalten, die „nicht ganz ohne Alkohol waren“. Sie hätten gelacht, „so, als wollten sie meinen Mandanten auslachen“. Daraus habe sich ein Streitgespräch entwickelt. Ein Barbesitzer habe ihn in den Arm genommen und weggezogen.

Dann sei ihr Mandant in den „Schwitzkasten“ genommen, runtergedrückt und von hinten geschlagen und getreten worden. Man habe ihm auch einen Stein in den Rücken geschlagen. Nachdem er zu Boden gegangen sei habe es weitere Tritte gegeben. Seine Gesichtsverletzungen seien später im Krankenhaus behandelt worden. Die Polizei habe ihren Mandanten als den Aggressor ausgemacht, sagte die Anwältin und verwies auf „fünf andere Leute“ auf der Gegenseite.

Rechtsanwältin: Angeklagter hatte falsche Entscheidung getroffen

Auch am nächsten Tag habe der 26-Jährige unter Schmerzen gelitten: „Er war stinksauer und total aufgebracht.“ Es habe sich eine Wut entwickelt, er habe sich hineingesteigert und beschlossen, die Scheibe einzuschlagen. Den Schaden werde er wieder gut machen. Der 26-Jährige sei zuverlässig, habe eine Wohnung, arbeite, wolle sich eine Zukunft aufbauen. Unglückliche Umstände hätten zu der Sachbeschädigung geführt, „eins kam zum anderen“.

Der nicht vorbestrafte Mann habe er sich gereizt gefühlt und eine falsche Entscheidung getroffen. Vor der Tat habe er eine Flasche Wodka getrunken, teilte die Anwältin mit. Sie regte eine Geldstrafe an, „damit er mit einem blauen Auge davon kommt – er hat es nicht als nett empfunden, dass man über ihn gelacht hat“. Er habe sich nicht richtig verhalten, „aber es fällt ihm ein Vorbehalt entgegen“.

Neuer Termin mit allen Beteiligten

Der Staatsanwalt entgegnete: „Wir wollen in Deutschland nicht solche Zustände haben.“ Man müsse ein Signal setzen. Es gehe nur um die Sachbeschädigung.

„Da haben wir ein echtes Problem, das eine geht nicht ohne das andere“, sagte dazu Richterin Eichler. Deshalb soll es einen neuen Termin geben mit möglichst allen Beteiligten sowie den ermittelnden Polizeibeamten. (Manfred Schaake)

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