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Mehr Bestattungen im Wald: Nachfrage in Waldeck-Frankenberg ist groß

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Der Ruheforst bei Bad Arolsen besteht seit 2006. Die Nachfrage ist groß, im Jahr 2021 wurde das Areal, in dem bestattet wird, vergrößert.
Der Ruheforst bei Bad Arolsen besteht seit 2006. Die Nachfrage ist groß, im Jahr 2021 wurde das Areal, in dem bestattet wird, vergrößert. © Julia Janzen

Der Trend weg vom Sarg, hin zur Einäscherung setzt sich fort. In Hessen werden mittlerweile gut 78 Prozent der Toten eingeäschert. Bestattet wird anschließend immer häufiger unter Bäumen. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es mittlerweile einen zweiten Bestattungswald. Die Nachfrage ist groß.

Waldeck-Frankenberg – Seit bereits gut 17 Jahren besteht der Ruheforst Bad Arolsen, zuletzt erweitert wurde er 2021 – um mehr als fünf Hektar. Nun misst das Areal zwölf Hektar. Das entspricht etwa der Fläche von 17 Fußballplätzen.

Die Zahl der Bestattungen im Ruheforst steigt stetig. Waren es 2015 noch 150 Beisetzungen, sind es 2019 schon 196 und im vergangenen Jahr 232 Bestattungen gewesen, sagt Forstwirt Artur Just. Er berät Interessierte und bietet auch Führungen im Ruheforst an, der zum deutschlandweit aktiven Unternehmen Ruheforst gehört. Die Flächen selbst sind im Besitz des Fürstlichen Forstamts, das sich auch um die Verwaltung, Organisation und Pflegearbeiten kümmert.

Seit März 2021 gibt es einen zweiten Bestattungswald im Landkreis: in Bad Wildungen-Reitzenhagen. Die Stadt Bad Wildungen betreibt den Ruhehain, der direkt an den Friedhof Reitzenhagen angrenzt. Insgesamt 100 Bäume stehen dort für Bestattungen bereit. „Die Nachfrage ist ungebrochen hoch“, sagt Astrid Unzicker, bei der Stadtverwaltung fürs Friedhofswesen zuständig. Die erste Beisetzung gab es im März 2021, bisher seien 50 Personen auf dem Areal beigesetzt worden. 36 Plätze seien reserviert.

Im Kirchenkreis Eder gebe es jährlich etwa 600 kirchliche Bestattungen, davon durchschnittlich 30 in einem Bestattungswald, sagt Dekanin Petra Hegmann. „Unsere Zahlen zeigen einen leicht steigenden Trend zu Bestattungen in einem Ruheforst oder Friedwald. Allerdings sind die Bestattungen auf einem Friedhof vor Ort immer noch deutlich mehr.“

Kein Ruheforst in Frankenberg

Im Frankenberger Stadtgebiet gibt es derzeit keinen Ruheforst oder die Möglichkeit zur Waldbestattung. „Die Anforderungen dafür sind sehr hoch, es gelten umfassende Auflagen und man müsste dafür auch entsprechend Baurecht schaffen. Bisher gab es dafür allerdings auch noch keinerlei Anfragen in Frankenberg“, sagt Stadt-Pressesprecher Florian Held.

Geplant seien aber Baumbestattungen auf bestehenden Friedhöfen, so Held. „Bis Jahresmitte soll hier ein Konzept zur Abstimmung gebracht werden, um zukünftig Urnenbestattungen am Fuß von Bäumen zu ermöglichen - direkt auf dem Friedhofsgelände.“

Einen Ruhewald gibt es aber in der Stadt Hallenberg, er liegt in der Nähe des Stadtteils Braunshausen, einem Nachbarort von Rengershausen und Somplar. Auf der Internetseite des Hallenberger Ruhewaldes (ruhewald-hallenberg.de) heißt es über diese Bestattungsform:

„In den letzten Jahren hat der Wunsch zu veränderten Bestattungsformen enorm zugenommen. Gründe hierfür sind der demografische Wandel, die Zunahme von Ein- und Zweikinder-Familien sowie kinderlose Lebensgemeinschaften. Es werden Gräber erwartet, die mit wenig zeitlichem Einsatz gepflegt werden können. Außerdem zwingen die hohen Kosten für Dauergrabpflege, strenge Friedhofsordnungen sowie ungepflegte Gräber im Sinne des Generationenvertrages zu einem Umdenken bei der Grabpflege.“

Baumbestattungen: Konzept stammt aus der Schweiz

Das Konzept der Baumbestattungen stamme aus der Schweiz, dort habe es 1999 den ersten Bestattungswald gegeben, sagt die Europäische Ethnologin Dr. Julia Kaiser, die ihre Doktorarbeit dem Thema widmete. 2001 wurde der erste deutsche Bestattungswald eingerichtet, mittlerweile gebe es rund 250 Bestattungswälder, sagt Alexander Halbach von „Aeternitas – Verbraucherinitiative Bestattungskultur“. Daran lasse sich die Beliebtheit dieser Bestattungsform festmachen. „Es kommen weiterhin neue Wälder hinzu.“ Konkrete Zahlen zu Beisetzungen gebe es aber nicht.

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