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Hilfe gegen Suizid: Netzwerk für Nordhessen gegründet

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Von: Katja Rudolph

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Eine Engelsfigur und eine Laterne
Hilfe gegen Suizid: Präventions-Netzwerk in Nordhessen gegründet. © Carmen Jaspersen/dpa

Suizid ist eine unterschätzte Todesursache. In Hessen gibt es pro Jahr im Durchschnitt 12,2 Fälle pro 100 000 Einwohner. Unser Bundesland hat damit unter den 16 Bundesländern die fünfthöchste Suizidziffer. Zu versuchten Selbsttötungen kann die Polizei keine belastbaren Zahlen liefern, da viele nicht gemeldet werden. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer beim Zehnfachen liegt.

Nordhessen - Demnach gäbe es jährlich allein im Kreis Kassel um die 600 versuchte und vollzogene Suizide – also fast zwei pro Tag. Nun hat sich ein „Regionales Netzwerk Suizidprävention Nordhessen“ gegründet.

Darin haben sich 25 Institutionen aus Nordhessen zusammengeschlossen, die mit suizidalen Menschen arbeiten. Durch Vernetzung und Fortbildung wollen sie Hilfe für Betroffene weiter verbessern. Ziel sei auch, das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, sagt Reinhard Lindner, Professor für Soziale Therapie an der Uni Kassel. Er hat das Netzwerk initiiert. „Wir wollen zeigen, dass Hilfe möglich ist“, sagt er.

Der Psychiater und Psychotherapeut ist auch in der Leitung des Nationalen Suizidpräventionsprogramms tätig (Naspro). Es besteht seit über 20 Jahren und arbeitet mit zahlreichen Akteuren aus Politik, Gesundheitswesen und Gesellschaft bundesweit zusammen. Seit Oktober laufen die Fäden in der Geschäftsstelle in Kassel zusammen, die an Lindners Fachgebiet angesiedelt ist.

Viele Menschen, die sich verzweifelt fühlen, wenden sich an die Telefonseelsorge. In 30 Prozent der E-Mails oder Chats und in 5 Prozent der Anrufe – und damit in etwa 800 Kontakten pro Jahr – würden Suizidgedanken geäußert, sagt Salome Möhrer-Nolte von der Telefonseelsorge Nordhessen. „Oft verliert das Thema sein großes Gewicht, wenn es ausgesprochen werden darf“, sagt sie. Es sei wichtig, auch gesellschaftlich größere Sensibilität für das Thema zu erreichen.

In der Psychiatrie sei bei jedem zweiten aufgenommenen Patienten Suizidalität zumindest latent ein Thema, sagt Dr. Matthias Bender, Ärztlicher Direktor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bad Emstal. Häufig hänge es mit Depressionen zusammen. Bei akuter Suizidgefahr gehe es darum, durch die therapeutische Behandlung, aber auch bauliche Vorkehrungen Überlebenshilfe zu leisten, so Bender. „Die allermeisten Patienten sind hinterher dankbar, dass sie abgehalten wurden.“

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