Willem Verriet war zehn Tage unterwegs

Mengeringhäuser fuhr mit dem Rad in alle Dörfer in Waldeck-Frankenberg

Ein Mann mit roter Funktionsjacke und Fahrradhelm auf seinem Fahrrad.
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Willem Verriet hat in zehn Tagen alle Dörfer in Waldeck-Frankenberg mit seinem Trekkingfahrrad (ohne Elektroantrieb) erkundet. Dazu startete er an zehn aufeinander folgenden Tagen jeweils morgens in aller Frühe in Mengeringhausen und kehrte erst am späten Nachmittag zurück.

199 Dörfer gibt es in Waldeck-Frankenberg und Willem Verriet hat sie alle „erfahren“. Insgesamt war er 72 Stunden und 42 Minuten unterwegs, hatte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,3 Kilometern pro Stunde.

Bad Arolsen-Mengeringhausen – Zehn Tage lang war der gebürtige Niederländer mit seinem Trekking-Rad unterwegs, hat morgens in aller Frühe seine drei Butterbrote und zweieinhalb Liter Apfelschorle und Tee verstaut und hat sich dann auf den Weg gemacht.

Zwischen dem 15. und 24. März erlebte er Episoden mit Graupelschauer, Regen und Sonne. Die Temperaturen schwankten zwischen Minus 2,5 und 12 Grad. Meistens war es einfach nur kalt und der Fahrtwind tat ein Übriges.

Ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen

Nach Etappen von 48 bis 173 Kilometern war er dann wieder zu Hause, gönnte sich zwei Fläschchen von seinem Heineken-Bier und bereitete sich dann geistig auf die nächste Etappe vor. Insgesamt hat er so 1402 Kilometer zurückgelegt.

Gut verpackt: Mehrere Lagen warme Funktionskleidung schützen Willem Verriet auf seinen zehn Tagestouren.

Willem Verriet ist ein Ausnahmesportler: ehrgeizig, zäh und ebenso willens- wie leistungsstark. Das war er schon als Jugendlicher. Damals in Nijmegen hatte er seinen Bruder als noch leistungsstärkeren Trainingspartner. Gemeinsam haben sie sich gegenseitig angespornt. Niederländische Meistertitel sammelten die beiden wie gleichaltrige Jungs damals Briefmarken.

Während Rudi die Qualifikation zur Leichtathletik-EM in Griechenland schaffte, reichte es für Willem „nur“ für die niederländischen Königreichs-Meisterschaften im südamerikanischen Surinam.

Vom Ausdauersportzentrum magisch angezogen

Der junge Mann wurde Physiotherapeut und machte sich Anfang der 80er Jahre auf die Suche nach einer Anstellung in Deutschland. Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet bei Venlo gibt es viele Pendler. Das deutsche Arbeitsamt empfahl Willem Verriet damals Stellen in Hamburg, Celle und Arolsen.

Die Stadt Arolsen machte sich damals gerade einen Namen als Ausdauersportzentrum. Das reizte den jungen Niederländer. Am 28. März kam er nach Arolsen, übernahm eine Stelle im städtischen Kurmittelhaus und meldet sich schon am zweiten Tag bei Karl Kuhaupt zum Lauftreff in Wetterburg an.

In Mengeringhausen heimisch geworden

Bei der 750-Jahr-Feier der Stadt Mengeringhausen lernte er seine spätere Frau kennen und war dann vollends überzeugt, dass es richtig war, beim niederländischen Abitur das Fach Deutsch statt Englisch gewählt zu haben.

Als das Kurmittelhaus geschlossen wurde, wechselte Willem Verriet als Physiotherapeut ins Krankenhaus, später in die Tinnitus-Klinik bis er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig macht. „Ich arbeitete damals so viel, dass ich kaum mehr Zeit zur eigenen sportlichen Betätigung hatte“, erinnert sich Verriet.

Alles sauber geplant und dokumeniert

Deshalb habe er sich einen Heimtrainer angeschafft und sich jeden Abend Kilometer um Kilometer abgestrampelt. Akribisch hat er jedes Training dokumentiert und kann daher nachweisen, dass er zwischen 2001 und 2020 stolze 245.439 Kilometer geschafft hat, davon rund 191.000 auf dem Heimtrainer und 54.000 auf dem Trekking-Fahrrad.

Aktuell, Stand Donnerstag, liegt seine Fahrleistung bei 250.951 Kilometern. Davon stammen 1402 Kilometer von der Zehn-Tages-Tour kreuz und quer durch den Landkreis. Mit Zahlen, Daten und Streckenbeschreibungen kann er alles belegen.

Zur Orientierung diente Willem Verriet kein elektronisches Navigationsgerät, sondern eine Wahlkampf-Karte der SPD. Die Streckendaten aber erfasste ein Fahrradcomputer.

Bei seiner jüngsten Zehn-Tages-Tour war er insgesamt 72 Stunden und 42 Minuten unterwegs. Auf den hügeligen Strecken zwischen Ammenhausen und Willingen, zwischen Wrexen und Hatzfeld überwand er 19.500 Höhenmeter.

Die längste Etappe war 173 Kilometer lang. Dafür brauchte er acht Stunden und zwölf Minuten. Bei einer dieser Etappen hatte sich Willem Verriet verfranst, so dass er von Dachsloch nicht den Abzweig nach Osterfeld fand. Deshalb musste er am nächsten Tag noch einmal in die gleiche Ecke des Landkreises.

Mentale Tricks helfen

Um das durchzuhalten und jeden Morgen wieder loszufahren, bedarf es einer großer Portion Selbstbeherrschung und vieler mentaler Tricks. Willem Verriet kennt das von seinen anderen sportlichen Herausforderungen:

„Ich habe angefangen meinen Pedal-Umdrehungen zu zählen, wenn mich ein Auto überholt hat. In dieser Zeit habe ich nicht auf meinen Tacho geschaut, sondern auf meine Füße oder nach vorn.“

Bei der Tour de France virtuell mit dabei

Was ihm ebenfalls helfe, seien Streckenberechnungen nach dem Motto: Jetzt habe ich ein Zehntel der Tagesetappe geschafft. Jetzt ist Bergfest, die Hälfte ist geschafft.

Zurück zu Hause setzt er sich abends wieder auf seinen Heimtrainer und bei der nächsten Tour de France ist er auch wieder mit dabei: Dann wird der Fernseher eingeschaltet und mitgestrampelt. (Elmar Schulten)

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