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Hessens Bundes- und Europaministerin Lucia Puttrich besucht Bäckerei Weber in Sachsenberg

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Von: Marianne Dämmer

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„Da steckt viel Arbeit, Geld und vor allem viel Herzblut drin“, sagt Ministerin Lucia Puttrich beim Besuch in der Bäckerei Weber und überreicht eine Spende für die „Brotbrücke Ukraine“: (von links) Hendrik Brand, Karim Belgacem, Ministerin Lucia Puttrich, Bäckermeister Dirk Weber und Bürgermeister Henning Scheele.
„Da steckt viel Arbeit, Geld und vor allem viel Herzblut drin“, sagt Ministerin Lucia Puttrich beim Besuch in der Bäckerei Weber und überreicht eine Spende für die „Brotbrücke Ukraine“: (von links) Hendrik Brand, Karim Belgacem, Ministerin Lucia Puttrich, Bäckermeister Dirk Weber und Bürgermeister Henning Scheele. © Marianne Dämmer

Steigende Energie- und Rohstoffpreise, Fachkräftemangel – wie geht eine handwerklich arbeitende Bäckerei damit um? Antworten auf diese Frage suchte Lucia Puttrich (CDU), hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, in der Bäckerei Weber in Sachsenberg.

Lichtenfels-Sachsenberg –Rund zwei Stunden nahm sie sich am Mittwochmorgen Zeit, um Einblick in die drängenden Fragen der Zeit zu erhalten. So viel vorneweg: „Es wird ausreichend Brot und Brötchen geben, aber es wird teurer“, schloss Lucia Puttrich aus dem Gespräch.

Bäcker- und Konditormeister Dirk Weber führte die Ministerin im Beisein von Bürgermeister Henning Scheele und dem Landtagsabgeordneten Jan-Wilhelm Pohlmann (CDU) sowie Hendrik Brand und Karim Belgacem von der Jungen Union durch die vor drei Jahren erweiterte und energetisch modernisierte Backstube. Während seine rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktuell in Betriebsferien sind, backt Weber für die Belieferung seiner Hotel- und Jugendherbergskunden. Er hatte Zeit, Zusammenhänge zu erklären und Einblicke zu gewähren in seinen Betrieb, der 177 Jahre alt ist und in 5. Generation betrieben wird.

„Die Bäckerei vor Ort hat eine hohe Bedeutung als Arbeitgeber und für die Versorgung der Bevölkerung vor Ort mit 1a-Qualitätsware“, betonte Bürgermeister Scheele. 1996 übernahm Dirk Weber die Bäckerei von seinem Vater. Er arbeite voll handwerklich, verwende weder vorgefertigte Teiglinge noch Convenience-Produkte, sagte er: „Ich finde es toll, gutes Brot zu backen. Qualität ist meine gute Chance, mich gegen einen starken Markt durchzusetzen“.

„Treue zu Vertragspartnern zahlt sich aus“

Größenordnung? Er produziere zum Beispiel samstags rund 5500 Weizenbrötchen und weitere 5500 Spezialbrötchen, neben diversen Brotarten und Kuchen. Dafür habe er vor der Corona-Pandemie viele Kuchen für Beerdigungen und Feste gebacken, „das fällt seit zwei Jahren ja alles weg“. Seit 2019 verarbeite Weber nur noch Bioland-Mehle, produziert von heimischen Landwirten und gefertigt von der Schmillinghäuser Mühle. Er setze auf Verbindungen zu seinen treuen Vertragspartnern – und das zahle sich für ihn jetzt aus. „Die sorgen dann auch für mich. Der Schmillinghäuser Müller sagt, es gibt genug Getreide, mach dich nicht verrückt“, so Weber. Auch Rohstoffe wie Butter gebe es genug, „aber der Preis ist schon eine fette Nummer“.

Auf die Frage von Ministerin Puttrich: „Sie produzieren Qualität, wie ist ihr Preis?“ sagt Weber: „Wir sind zu billig.“ Er müsse angesichts der gestiegenen Kosten die Preise erhöhen, tue das aber nur moderat. „Es muss sich auch der ein gutes Brot leisten können, der nicht viel Geld in der Tasche hat“, so Weber.

Mit Solarenergie unabhängiger werden

Lohnkosten seien deutlich gestiegen, „von 42 bis 44 Prozent des Umsatzes auf fast 50 Prozent, und die werden weiter steigen mit Blick auf Mindestlohn und weitere Erhöhungen.“ Energiekosten? Noch sei er von Gas und Öl abhängig, „das wird noch spannend“, sagt Weber. Als treuer Kunde habe er in der EWF einen verlässlichen Lieferanten. Zur Eigenstromversorgung plane er Photovoltaik-Anlagen zu bauen inklusive Speicher, er brauche Strom rund um die Uhr. „Die Lieferwagen laufen auf Diesel, der nächste wird ein E-Auto“, so Weber.

Annerkennung für ehrenamtliches Engagement

Leider habe das Handwerk einen schlechten Stand bei der Jugend – da müsse noch viel passieren. Und die Bürokratie sei ein Ärgernis. „Seit Jahrzehnten wird darüber gesprochen, die Bürokratie abzubauen – es wird aber immer mehr und die Zeit, die ich dafür aufbringen muss, Stichwort Hessen-Statistik, wird mir nicht gezahlt.“ „Ich nehme das mit“, sagte Lucia Puttrich – und überreichte einen Scheck in Höhe von 500 Euro für die „Brotbrücke Ukraine“, die Weber als Mitglied des Berufsverbands „Die freien Bäcker“ seit Monaten tatkräftig unterstützt. (Von Marianne Dämmer)

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