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Mit 22 Jahren zwei Meistertitel und Chef eines Betriebs

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Von: Julia Janzen

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Ein junger Mann an einer Säge
In der Werkstatt: Philipp Müller ist Zimmerer- und Dachdeckermeister und führt seit vergangenem Jahr den Familienbetrieb in mittlerweile zehnter Generation. © Julia Janzen

Zwei Meistertitel, ein eigener Betrieb – und das mit 22 Jahren: Im Landkreis ist Philipp Müller aus Marienhagen sicher einer der wenigen, der das in diesem Alter geschafft hat.

Als Philipp Müller nach dem Abitur die Ausbildung zum Zimmerer begann, wusste er bereits, wie es danach weitergehen würde: Schon damals meldete er sich für die begehrten Meisterkurse für Zimmerer und Dachdecker an. „Ich wollte auf zwei Beinen stehen“, sagt er.

Dabei war sein Werdegang alles andere als vorgezeichnet – der langen Zimmerertradition der Familie zum Trotz. Den ein oder anderen Berufswunsch gab es zuvor, und bis er 16 Jahre alt war, hat Philipp Müller nie im Betrieb des Vaters mitgearbeitet. „Ich bin ihm sehr dankbar, denn er hat mich nie gezwungen, in den Betrieb einzusteigen“, sagt der 22-Jährige. Er habe selbst entscheiden können, welchen Beruf er ergreifen möchte.

Als er 16 wurde und tatsächlich auch mal an einer Säge arbeiten durfte, war schnell klar, dass er auch Zimmerer werden würde. „Wenn die Verantwortung zunimmt, steigt auch das Interesse.“ Nach dem Abitur an der Alten Landesschule machte er die Ausbildung bei Wiegand in Strothe innerhalb von zwei Jahren. Wegen des Abis habe er das erste Lehrjahr überspringen dürfen, sagt er. Ein halbes Jahr arbeitete er dann mit seinem Vater Johannes Werner Müller zusammen im Betrieb, bevor die Meisterschule im Februar 2021 begann.

In Vollzeit absolvierte er den Weg zum Meister – bis sein Vater nach langer Krankheit verstarb. Neben der Schule übernahm er – samt gesonderter Genehmigung – dann schon den heimischen Betrieb. Anfang diesen Jahres hatte er den ersten Meistertitel dann in der Tasche, als bereits der nächste Kurs begann. Für Zimmerermeister gibt es einen gesonderten Dachdecker-Meisterkurs: Vier Monate, die insgesamt rund 700 Unterrichtsstunden umfassen, dauert dieser, am Ende steht die Prüfung. Die Arbeit rund um den Familienbetrieb lief in dieser Zeit parallel. „In den Pausen habe ich viel telefoniert, abends standen oft Baubesprechungen an“, sagt Philipp Müller. Seit Juni ist er nun fertig, der zweite Meistertitel ist absolviert.

Pläne für die Zukunft

Der Betrieb in Marienhagen – den er nun in der zehnten Generation führt – ist derweil schon im Frühjahr gewachsen. Vier Mitarbeiter hat der junge Chef mittlerweile, darunter einen Auszubildenden. „Ich hatte vier Bewerbungen, obwohl ich gar keine Stelle ausgeschrieben hatte“, erzählt er. Die Auftragslage sei sehr gut, manchmal müsse er Anfragen sogar ablehnen, weil es einfach nicht zu schaffen sei.

Was er im vergangenen Jahr erwirtschaftet hat, habe er gleich investiert, neue Maschinen und Fahrzeuge angeschafft. Damit geht es nun weiter, am liebsten bald in einer neuen Werkstatt. Die bestehende Halle will er neu und größer bauen, hat er sich vorgenommen. Konkret sind die Pläne aber noch nicht.

Neben der Arbeit im eigenen Betrieb ist der Marienhagener auch privat vielfältig engagiert: Für die SPD sitzt er im Vöhler Gemeindeparlament, außerdem ist er seit einigen Monaten Ortsgerichtsschöffe. „Ich laufe nicht vor Verantwortung weg“, sagt er schlicht. „Und ich habe eine gesunde Motivation“, sagt er lachend. jj

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