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Martin Scholz (54) aus Rhenegge fliegt dem HSV auch bis nach Los Angeles hinterher

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Von: Lutz Benseler

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Die Fahne mit der Raute ist immer dabei: HSV-Fan Martin „Scholli“ Scholz (54) aus Rhenegge in Los Angeles.
Die Fahne mit der Raute ist immer dabei: HSV-Fan Martin „Scholli“ Scholz (54) aus Rhenegge in Los Angeles. © PR

Die blaue Fahne mit der Raute weht im Garten, im Kleiderschrank hängt nichts ohne HSV-Logo und vor der Haustür ist ein 1887 gepflastert – das Geburtsjahr des Hamburger Sportvereins: Dass Martin „Scholli“ Scholz (54) aus Rhenegge HSV-Fan ist, lässt sich nur schwer übersehen.

Ende November hat er die Spieler sogar zehn Tage ins Trainingslager nach Los Angeles begleitet.

Nur knapp 100 Fans sind beim Trip in die USA dabei. Einige kommen direkt aus den Staaten, viele sind extra aus Deutschland angereist. Dazu gehört auch Martin Scholz. Zusammen mit zwei anderen Fans ist er über London nach Los Angeles gereist und hat sich dort ein Apartment gemietet. „Trainingslager ist eigentlich nicht so mein Ding“, sagt Scholz. Dabei ist er beim HSV Dauergast.

1979 sah „Scholli“ sein erstes Spiel live im Stadion: Der HSV gewinnt 3:1 im Gelsenkirchener Parkstadion gegen Schalke. Für die Hamburger standen unter anderem Felix Magath, Horst Hrubesch, Jimmy Hartwig und die beiden Torschützen Kevin Keegan und Invan Buljan unter Trainer Branko Zebec auf dem Platz. „Damals war ich schon mit Mütze und Fahne dabei“, erinnert sich Scholz. In der Saison 1993/94 verfolgte er erstmals alle Aufritte der Hamburger in einer Spielzeit im Stadion. Seit 2006 ist er ein echter Dauerfahrer. „Seitdem habe ich maximal zehn Spiele verpasst.“ Selbst in der Corona-Zeit war er so gut wie immer dabei, sofern die Spiele nicht komplett ohne Zuschauer ausgetragen wurden.

„Scholli Diemelsee“: Das Banner hängt bei jedem Spiel an der Tribüne im Volkspark-Stadion in Hamburg.
„Scholli Diemelsee“: Das Banner hängt bei jedem Spiel an der Tribüne im Volkspark-Stadion in Hamburg. © PR

In Kalifornien hat Scholz nun sein erstes Trainingslager mit dem HSV erlebt. Grund dafür ist seine Frau Petra, die er – wie könnte es auch anders sein – auch über den HSV kennengelernt hatte: „Ich hatte mit ihr ausgemacht, dass ich zu jedem Pflichtspiel fahren darf, aber alles andere tabu ist“, erklärt „Scholli“. Als es jetzt aber nach Kalifornien ging, habe sie gesagt: „Da fliegst du mit. Das ist ein Erlebnis, da musst du hin.“

Gesagt, getan – und Scholz bereut es nicht: „Das war mega. Dichter kommst Du an die nicht ran als beim Training“, sagt er. Jeden Morgen ging es um 10 Uhr auf den Platz. „Wir standen direkt am Spielfeldrand und konnten uns auch mit den Spielern und Trainer Tim Walter unterhalten.“ Das Training dauerte jeweils etwa zwei Stunden, anschließend erkundeten Scholz und seine beiden Begleiter L.A. und Umgebung: „Wir haben das auch ein bisschen mit Urlaub verbunden.“ Dabei trafen sie zufällig an der Santa Monica Pier am Ende der Route 66 auf eine Fotografin, die gerade Bilder von Sebastian Schonlau, Miro Muheim, Leo Oppermann, Daniel Heuer Fernandes und Matheo Raab machte. Auch „Scholli“ und Co. bekamen ein Foto, ließen es sich gleich ausdrucken und holten sich am nächsten Tag die Unterschriften der Spieler. Und einen Tag, bevor es wieder zurück ging, feierte Scholz in Kalifornien seinen 54. Geburtstag.

„Tränen sind geflossen“

Mit dem HSV verbindet Martin Scholz viele besondere Momente: Am 25. Mai 1983 feierten die Hamburger den größten Triumph der Vereinsgeschichte. Im Finale des Europapokals der Landesmeister besiegten sie Juventus Turin mit 1:0 und der HSV setzte sich Europas Fußballkrone auf. „Das war für mich bis heute der emotionalste Sieg“, sagt „Scholli“.

2012 war der Rhenegger Fan des Tages: Mit der Hebebühne fuhr er über Spielfeld und Ränge hinauf und „Lotto King Karl“ stimmte neben ihm die Stadion-Hymne „Hamburg, meine Perle“ an.

Im dramatisches Relegationsspiel 2015 gegen Karlsruhe verhinderte der HSV in den letzten Minuten den Abstieg in die Zweite Liga. „Unglaublich! Was da Tränen geflossen sind!“, erinnert sich „Scholli“ Als 2018 das Undenkbare doch Realität wurde und der „Dino“ der Bundesliga abstieg, fragte ihn jemand, welchen Verein er sich denn jetzt suchen werde. Eine Frage, die ihn bis heute fassungslos macht. Für ihn ist klar: Ein echter Fan steht zu seinem Verein, in guten wie in schlechten Zeiten.

2019 war Martin Scholz Teil der Kampagne „Raute dich“, mit der der Verein um neue Mitglieder warb. Die Plakate hingen überall im Stadion, sein Foto war einen Tag lang auf der Startseite des HSV im Internet zu sehen. 2020 schenkte ihm seine Frau eine lebenslange Mitgliedschaft. Und sein Enkelkind hat Scholz gleich nach der Geburt im Verein angemeldet. Der 54-Jährige ist außerdem offizieller Ansprechpartner für HSV-Fans aus Nordhessen und dem Sauerland. „Wer irgendetwas über den Verein wissen will, Karten oder einen Fahrer zum Spiel sucht, kann sich an mich wenden.“

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