Mitgliederverluste: Evangelische Kirchenkreise werben für Wiedereintritt

Kircheneintrittsstelle Frankenberg: Für eine einfache und unbürokratische Rückkehr in die evangelische Kirche wirbt dieses Schild am Büro von Dekanin Petra Hegmann in Frankenberg. 15 Personen nutzten dies im vergangenen Jahr. Foto: Völker

Waldeck-Frankenberg. Die Mitgliederzahl der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ist im vergangenen Jahr, wie Prälatin Marita Natt in ihrem jüngsten Personalbericht bei der Frühjahrstagung der Landessynode vorlegte, um 1,76 Prozent gesunken. Dabei spielte der demografische Wandel eine große Rolle, wie das Ungleichgewicht von nur 6543 Taufen gegenüber 11 499 Beerdigungen deutlich widerspiegelt.

In Waldeck-Frankenberg waren die Mitgliederverluste in den beiden Kirchenkreisen Eder (1,59 Prozent) und Eisenberg-Twiste (1,57 Prozent) deutlich niedriger.

Und das, obwohl die Zahl der Kirchenaustritte in beiden Kirchenkreisen im Vergleich zum Vorjahr anstieg: Im Bereich Eisenberg-Twiste kehrten 171 Menschen im Jahr 2014 ihrer Kirche den Rücken zu (2013: 133), und im Bereich Eder waren es 244 (2013: 170). Da solche Austrittserklärungen zwar persönlich, aber ohne Angaben von Gründen beim jeweiligen Amtsgericht zu Protokoll gegeben werden können, erfahren die Kirchen in den meisten Fällen die Gründe für eine solche Entscheidung nicht.

Der Finanzskandal im katholischen Bistum Limburg könne dabei ebenso eine Rolle gespielt haben wie „Irritationen im Zuge des neuen Einzugsverfahrens für Kirchensteuer auf Kapitalerträge“, wie man im Landeskirchenamt in Kassel vermutet.

Nachdem jede Bank ihre Kunden mit einem eigenen Schreiben über dieses neue Verfahren informiert hatte, war für einige wenig informierte Kirchensteuerzahler nicht deutlich, dass es sich hier nicht etwa um eine neue Steuer, sondern lediglich ein vereinfachtes Abrechnungsverfahren handelte.

„Diesen Informationsmangel haben wir vielleicht am Anfang unterschätzt“, erklärte damals Dekanin Eva Brinke-Kriebel (Korbach). Sie wie auch ihr Kollege Gerhard Failing im Dekanat Biedenkopf waren sich darin einig, dass die Kapitalertragssteuer „die wirklich kleinen Leute und damit einen großen Teil unserer Kirchenmitglieder überhaupt nicht trifft“.

Was immer auch die Gründe für das Austreten aus der Kirche sein mögen - die Kirchenkreise in Waldeck-Frankenberg wollen ihren ehemaligen Mitgliedern einen Wiedereintritt leicht machen. Dazu dienen die „Kircheneintrittsstellen“ in den jeweiligen Dekanaten Frankenberg (Auf der Burg 9), Korbach (Kilianstraße 5) und Bad Arolsen (Kirchplatz 3). „Das Verfahren ist hier unkomplizierter und wir sind durch die verlängerten Bürozeiten besser ansprechbar“, hebt Dekanin Petra Hegmann hervor. Im Jahr

2014 kehrten bei ihr 15 Personen in die Kirche zurück, während bei ihrer Amtskollegin im Kirchenkreis Twiste-Eisenberg elf Wiedereintritte zu verzeichnen waren – allerdings auch hier weniger als im Vorjahr.

Beide Dekaninnen werben für ihre vereinfachten Eintrittsangebote. Und Eva Brinke-Kriebel bekennt: „Solche Wiedereintrittsgespräche sind eine meiner Lieblingsbeschäftigungen im Dekanat!“

Wie Ausgetretene ihre Rückkehr begründen und wie die Evangelische Landeskirche Hessen-Nassau mit Sitz in Darmstadt das Thema kommentiert, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Karl-Hermann Völker

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