Hilfe bei chronischen Schmerzen

Gesundheitsinterview: Multimodale Schmerztherapie statt Operation

Gemeinsam gegen den Schmerz: (von links) Dr. Luis Ferraris (Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie), Claudia Bethke (Abteilungsleiterin Physiotherapie), Markus Maria Stübner (Abteilung Ergotherapie), Jörg Eisenhuth (Abteilungsleiter Psychologie), und Phillip Imhoff (Abteilungsleiter Sporttherapie) an der Werner Wicker Klinik Bad Wildungen.
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Gemeinsam gegen den Schmerz: (von links) Dr. Luis Ferraris (Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie), Claudia Bethke (Abteilungsleiterin Physiotherapie), Markus Maria Stübner (Abteilung Ergotherapie), Jörg Eisenhuth (Abteilungsleiter Psychologie), und Phillip Imhoff (Abteilungsleiter Sporttherapie).

Dr. Luis Ferraris, Chefarzt am Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie an der Werner Wicker Klinik in Bad Wildungen, und Claudia Bethke, Leiterin der Abteilung Physiotherapie informieren.

Rückenschmerzen sind zu einer Volkskrankheit geworden: Immer mehr Menschen in Deutschland leiden darunter. Häufig rühren die Beschwerden von der Wirbelsäule her. Je nach Diagnose kommt aber nicht immer eine Operation infrage. Wie Betroffenen dennoch geholfen werden kann und wie man chronische Schmerzen mit konservativen Methoden in den Griff bekommt, darüber sprachen wir mit Dr. Luis Ferraris, Chefarzt am Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie an der Werner Wicker Klinik in Bad Wildungen, und Claudia Bethke, Leiterin der Abteilung Physiotherapie.

Was kennzeichnet die nichtoperative Schmerztherapie und für wen ist sie geeignet?
Dr. Luis Ferraris: „In interdisziplinärer Zusammenarbeit behandeln und helfen Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen, Ärzte und Sporttherapeuten Patienten, die meist unter Rückenschmerzen leiden. Liegt ein fortgeschrittener Verschleiß, von dem mehrere Segmente betroffen sind, zugrunde, ist eine Operation in den meisten Fällen nicht zielführend. Es kann auch sein, dass ein chirurgischer Eingriff zu viele Risiken mit sich bringt. In diesen und weiteren Fällen – vor allem bei chronischen Schmerzen – kommt eine multimodale Schmerztherapie infrage.
Um was handelt es sich dabei?
Dr. Ferraris: „Bei der multimodalen Schmerztherapie arbeiten verschiedene medizinische Fachrichtungen zusammen. Dazu gehören neben den Fachärzten Physio-, Ergo- und Sporttherapeuten sowie Psychologen. Eine ausführliche Anamnese und Diagnostik sind dabei ein wesentlicher Baustein für die Einleitung der Therapie.
Claudia Bethke: „Schmerzen sind sehr individuell und neigen dazu, chronisch zu werden. Ist dieser Prozess erst in Gang gesetzt, wird der Schmerz selbst zur Krankheit. An dieser Stelle helfen wir, den negativen Kreislauf zu durchbrechen. Wir bringen den Patienten bei, wie sie sich selbst helfen können – auch nach dem Klinikaufenthalt.
Sie behandeln die Schmerzpatienten sowohl ambulant als auch stationär. Wie muss ich mir einen stationären Aufenthalt vorstellen?
Dr. Ferraris: „Wir nehmen fortlaufend kleine Gruppen von bis zu sechs Patienten für die Dauer von zwei Wochen auf. In dieser Zeit finden täglich von 9 bis 16.30 Uhr verschiedene Anwendungen statt. Von ärztlicher Seite aus geht es neben Anamnese und Diagnostik auch um die richtige Einstellung mit Medikamenten.“
Claudia Bethke: „Wir beschäftigen uns mit der Muskulatur und dem Bewegungsapparat und wenden verschiedene, auf den Patienten zugeschnittene Behandlungen an. Darunter sind autogenes Training, Atemübungen, Rückenschule und Nordic Walking. Hinzu kommen kontinuierliche psychologische Interventionen, die nicht nur den Umgang mit dem Schmerz behandeln, sondern auch die Begleiterkrankungen wie Depression, Angst und Stress. Medizinische Trainingstherapie, Ergo- und Wassertherapie runden den Behandlungsplan ab. Nicht zu vergessen ist die Gruppendynamik: Sie hat einen extrem positiven Einfluss auf das Gesamtbefinden der Patienten. Der gegenseitige Austausch hilft ihnen enorm.
Was macht die Multimodale Schmerztherapie so erfolgreich?
Claudia Bethke: „Das Therapeutenteam arbeitet seit Jahren interprofessionell und hat sich für die Behandlung der Schmerzpatienten intensiv weiterqualifiziert. Im Team der Physiotherapeuten haben wir unter anderem einen ausgebildeten MBSR-Lehrer („Achtsamkeit“), einen ausgebildeten Schmerztherapeuten, qualifizierte Rückenschullehrer, Ausbildungen im Bereich der Faszientherapie, Zilgrei und Progressive Muskelentspannung. Entscheidend ist aber nicht nur, welche Methode angeboten wird, sondern wer und wie die Vermittlung beziehungsweise Anwendung stattfindet.
Welche Kriterien müssen erfüllt werden, damit ein Patient an dieser zweiwöchigen Behandlung teilnehmen kann?
Dr. Ferraris: „Wenn eine unimodale Therapie keinen Erfolg hatte und die Medikamente nicht helfen.“

Kontakt

Werner Wicker Klinik
Multimodale Schmerztherapie
Tel. 05621 803599
E-Mail: schmerztherapie@werner-wicker-klinik.de
www.wicker.de

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