Naturschützer fordern, Komplett-Räumung von Schadflächen im Landkreis zu unterlassen

NABU Waldeck-Frankenberg: Mehr Totholz im Wald lassen

Geräumte Fichten-Schadfläche. Das Foto wurde im Gemeindewald Edertal nördlich von Wellen im April 2020 aufgenommen. Die im Hintergrund stehenden Fichten sind inzwischen laut NABU auch abgestorben. Diese Fläche wurde vor einigen Wochen ebenfalls komplett geräumt. Es sei eine Kahlfläche von 4,5 Hektar entstanden.
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Geräumte Fichten-Schadfläche. Das Foto wurde im Gemeindewald Edertal nördlich von Wellen im April 2020 aufgenommen. Die im Hintergrund stehenden Fichten sind inzwischen laut NABU auch abgestorben. Diese Fläche wurde vor einigen Wochen ebenfalls komplett geräumt. Es sei eine Kahlfläche von 4,5 Hektar entstanden.

Mit dem Thema Wiederbewaldung abgestorbener Nadelwaldbestände hat sich der Kreisverband Waldeck-Frankenberg des Naturschutzbundes (NABU) in einer Video-Konferenz befasst. Er kritisiert maschinelle Komplett-Räumungen der Schadflächen. Diese hätten vielerorts verheerende Folgen für den Naturhaushalt. Das komme den ökologisch schädlichen Kahlschlägen gleich, betonte Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider (Laisa).

Waldeck-Frankenberg – Diese Praxis beeinträchtige das Mikroklima, die Tier- und Pflanzenwelt und den Boden. Es komme zu erhöhter Sonneneinstrahlung und einer Verschlechterung des Wasserhaushalts. Daher müsse mehr Totholz im Wald bleiben, das sei für die Bildung einer schützenden Humusschicht wichtig. Ohne sie könne es in Extremsommern zu großflächigen Ausfällen gepflanzter Jungbäume kommen.

Ein weiteres großes Problem ist laut NABU die Bodenverdichtung durch den Einsatz schwerer Maschinen. Aus Naturschutzsicht besonders gravierend sei deren Einsatz während der Brutzeit. Holz-Einschläge, mit Ausnahme von Fällungen aus Forstschutzgründen, sollten grundsätzlich von Oktober bis Februar erfolgen. Der Einschlag abgestorbener Borkenkäfer-Fichten sollte sich überwiegend auf die Wegränder beschränken, um die Gefahren abbrechender Bäume für die Waldbesucher zu mindern.

Das komplette Abräumen der toten Bäume sei mit den Zielen des Klimaschutzes und dem Aufbau eines naturnahen Dauerwalds aus heimischen Baumarten nicht vereinbar. Der NABU fordert daher, dass statt einer Förderung von Flächenräumungen das Belassen von Holz auf der Fläche finanziell unterstützt werden sollte.

Auf abgestorbenen Fichtenflächen siedelten sich zunächst Pioniergehölze an wie zum Beispiel Birken und Vogelbeeren, später dann insbesondere Buchen. Die Erfahrungen hätten laut NABU gezeigt, dass sich auf solchen Flächen auch Fichten dominierend verjüngen könnten. In diesen Fällen sollte auch die Fichte als Vorwald angesehen werden, unter deren Schutz später heimische Baumarten (Buche, Weißtanne) eingebracht werden können. So könnten sich Laubmischwälder mit Fichte als Begleitbaumart entwickeln.

Naturverjüngung habe den Vorteil, dass die Keimlinge den Wurzelraum besser erschließen können als gepflanzte Bäume. Der Naturverjüngung sehr ähnlich sei eine Saat der heimischen Traubeneiche. Sie sei sehr lichtbedürftig und komme gut mit dem Freiflächenklima zurecht. Sorgen bereitet den Naturschützern die kontinuierliche Zunahme fremdländischer Baumarten wie Douglasie, Amerikanische Roteiche oder Küstentanne.

Der NABU-Kreisvorstand und die Vertreter der Ortsgruppen haben beschlossen, sich bei Waldbesitzern und Forstämtern über die Situation des Waldes und die Wiederbewaldung auch vor Ort zu informieren.  

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