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Nachbarn in Diemelsee mit Absicht angefahren: Drei Jahre Freiheitsstrafe

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Von: Wilhelm Figge

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Justitia vor dem Amtsgericht Nürnberg (Symbolbild)
Wegen versuchten Totschlags fiel in Kassel ein Urteil. © David-Wolfgang Ebener / dpa (Symbolbild)

Versuchter Totschlag mit dem Auto als Werkzeug: Nachdem ein Nachbarschaftsstreit in Diemelsee eskalierte, ist ein Urteil gefallen.

Diemelsee/Kassel – Nachdem er seinen Nachbarn mit dem Auto angefahren hat, ist ein 32-Jähriger aus der Gemeinde Diemelsee am Landgericht Kassel zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden: Die sechste große Strafkammer erkannte versuchten Totschlag, gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Das Gericht sah die angeklagten Vorfälle als erwiesen an: Kurz nach Mitternacht am 2. November 2017 hatte der 32-Jährige demnach so geparkt, dass die Scheinwerfer direkt ins Wohnzimmer seines Nachbarn leuchteten, mit dem er schon länger im Streit lag. Nachdem er mehrmals aufblendete, kam der heute 68-Jährige heraus, mit Taschenlampe und Stock. Der jüngere Mann beschleunigte „mäßig bis zügig“ und hielt direkt auf den am Zaun stehenden Mann zu, der nicht ausweichen konnte, vom vorderen Seitenbereich des Autos getroffen und heruntergeschleudert wurde. Er zog sich Frakturen an Schien- und Wadenbein und Knöchel zu.

Die Ausführungen des Angeklagten, dass er mit seinem Auto da stand, um Geld zu zählen, vor Schreck losfuhr, als sein Nachbar rauskam, und nach einem Schlag aufs Auto versehentlich lenkte, glaubte das Gericht nicht. Schließlich befand er sich nicht auf seinem üblichen Parkplatz: „Er stand dort zur Provokation des Nachbarn.“ Seine Schilderung des weiteren Tatverlaufs wirke zu konstruiert. Die Entscheidung, auf den Nachbarn loszufahren, sei aber nach Überzeugung des Gerichts erst im Moment gefasst worden – es sei nicht auszuschließen, dass eine vom Gutachter bestätigte schwere Depression seine Impulskontrolle minderte, weshalb nach eingeschränkter Schuldfähigkeit geurteilt wurde.

„Eine Tötungsabsicht können wir als solche nicht feststellen“, hielt der vorsitzende Richter fest – dafür reiche nicht aus, dass im langen Nachbarschaftsstreit mal Sätze wie „Ich schlag dich mit dem Kopf durch die Wand“ oder „Ich bring dich über den Jordan“ gefallen waren. Eine bedingte Tötungsabsicht – es für möglich halten und in Kauf nehmen, dass der Gegenüber stirbt – liege aber vor. Der Nachbar konnte nicht ausweichen, zwischen Auto und Zaun seien auch bei relativ niedriger Geschwindigkeit lebensgefährliche Verletzungen möglich. Als der 32-jährige die Polizei rief, sprach er nur von Sachschaden; den Krankenwagen alarmierte die Ehefrau des Verletzten.

Die Kombination der Delikte, die Tatfolgen und ihre Dauer wirkten erschwerend; zum Tatzeitpunkt lagen aber noch keine Vorstrafen vor. Alles mit eingerechnet sank der Strafrahmen von 5 bis 15 Jahren auf drei Monate bis siebeneinhalb Jahre; das Gericht hielt drei Jahre für angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  (wf)

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