Wesebach soll renaturiert werden

Natur-Idyll in Edertal: Wesetal ist Heimat seltener Vogel- und Fischarten

Die Wese: Der Bachlauf an der Grundmühle bei Giflitz. Der Erlen-Galeriewald bildet den charakteristischen Uferbewuchs.
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Die Wese: Der Bachlauf an der Grundmühle bei Giflitz. Der Erlen-Galeriewald bildet den charakteristischen Uferbewuchs.

Das Wesetal ist ein landschaftliches Kleinod und zudem Heimat einiger seltener Arten.

  • Das Wesetal am Südost-Rand des Nationalparks Kellerwald-Edersee gehört zu den besonders idyllischen Tälern des Kreises Waldeck-Frankenberg.
  • Der Uferstreifen des Wesebachs ist zwischen Gellershausen und Giflitz als FFH-Gebiet ausgewiesen.
  • Der Wesebach soll demnächst renaturiert werden, die Plangenehmigung wurde im Staatsanzeiger für das Land Hessen im Februar erteilt.

Edertal – Der Edertaler Luftkurort Kleinern wirbt mit seiner Lage im schönen Wesetal. Zu Recht, denn das Wiesental am Südost-Rand des Nationalparks Kellerwald-Edersee gehört zu den besonders idyllischen Tälern des Kreises Waldeck-Frankenberg.

In den 1930-er Jahren Trasse für Ost-West-Autobahn geplant

Wer durch das Wesetal von Giflitz über Kleinern nach Gellershausen wandert und sich an der Landschaft erfreut, mag nicht daran denken, dass durch dieses reizvolle Tal in den 1930-er Jahren die Trasse für eine Ost-West-Autobahn geplant war, die sogar schon vermessen wurde. Es ist aber nicht nur die Ästhetik der Landschaft, die den Wert des Wesetals ausmacht, sondern auch seine Naturausstattung. Der Wesebach mit Uferstreifen ist zwischen Gellershausen und Giflitz als FFH-Gebiet ausgewiesen. Das ist ein europäisches Schutzgebiet für Pflanzen (Flora), Tiere (Fauna) und deren Lebensräume (Habitate).

Der Wesebach – kurz die Wese – besitzt eine sehr gute Wasserqualität, aber die Gewässerstruktur bedarf Verbesserungen. Die Strukturgüte zeigt an, inwieweit ein Bach oder Fluss in der Lage ist, sein Bett auf natürliche Weise zu entwickeln. Ähnlich wie an der Eder, wenn auch in viel bescheideneren Dimensionen, ist deshalb eine naturnahe Umgestaltung der Wese vorgesehen. Die Plangenehmigung wurde im Staatsanzeiger für das Land Hessen vom 8. Februar 2021 erteilt. Die Renaturierung hat vor allem zwei Ziele:

Renaturierung des Wesebachs hat zwei wesentliche Ziele

Erstens die Schaffung von Uferzonen zu den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, um Raum zur eigendynamischen Entwicklung des Baches zu geben.

Zweitens die Durchgängigkeit des Gewässers herzustellen, indem nicht mehr benötigte Querbauwerke an ehemaligen Mühlbach-Abzweigungen beseitigt werden, um den Fischen wieder Wanderungen zu ermöglichen.

Fischart mit europäischem Schutzstatus

Charakterart der Wese, die fischereibiologisch zur Forellenregion gehört, ist die Bachforelle. Sie besiedelt schnell fließende, sauerstoffreiche Gewässer mit Kies- oder Sandgrund. Seltene Begleitfischart ist die Groppe oder Mühlkoppe. Sie ist ein nachtaktiver Grundfisch mit urigem Aussehen.

Durch Elektrobefischung konnte ein fortpflanzungsfähiger Bestand dieser Fischart mit europäischem Schutzstatus nur oberhalb von Gellershausen festgestellt werden. Verbreiteter, aber nicht häufig ist das Bachneunauge, das zur Tiergruppe der Rundmäuler gehört. Laichgruppen, wo die aalförmigen Tiere ihre Eier ablegen, wurden in sandigen Bereichen der besonders naturnahen Wesemündung gefunden.

Brutröhren des Eisvogels an den Steilufern

Charakteristisch ist die Wasseramsel, zu erkennen an ihrem weißen Brustlatz. An der Wese hat Biologe Michael Wimbauer im Rahmen seiner wissenschaftlichen Vogelberingung 2020 sieben Brutpaare festgestellt. Wasseramseln brüten in Nistkästen unter den Wese-Brücken, die der NABU Edertal angebracht hat und betreut. Diese nutzen auch Gebirgsstelzen, zu erkennen an ihrem grauen Rücken und gelber Unterseite. Auch eine Eisvogelbrut ist bekannt. Dieser schöne Vogel benötigt lehmige Steilwände, in die er seine Brutröhren graben kann. Er profitiert auch von einer naturnahen Bachstruktur. (Wolfgang Lübcke)

Mit Geduld und Glück zu beobachten: Balzendes Wasseramsel-Pärchen.
Prächtiges Gefieder: Ein Eisvogel-Weibchen, Bewohnerin des Wesetals.

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