1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Neue Ehrenamtliche im ambulanten Hospiz Bad Arolsen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Corinna Schwolow, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes Bad Arolsen, und ihre fachkundige Unterstützerin Michaela Hannich in der Mitte der erfolgreichen Kursteilnehmer.
Corinna Schwolow, Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes Bad Arolsen, und ihre fachkundige Unterstützerin Michaela Hannich in der Mitte der erfolgreichen Kursteilnehmer. © Barbara Liese

Anfang September 2021 trafen sie sich im Pfarrheim der katholischen Gemeinde St. Johannes Baptist zum ersten Mal. 12 Frauen, die sich von nun an regelmäßig sehen sollten. In 70 Stunden bereiten sie sich zurzeit intensiv auf ihre neue Aufgabe im ambulanten Hospizdienst Bad Arolsen vor.

Corrina Schwolow hat einen umfassenden Kursplan zusammenstellt. „Die Begleitung eines Menschen in der letzten Lebensphase ist eine sehr erfüllende Aufgabe, die aber gleichzeitig ein solides Fundament und unterschiedlichste Fähigkeiten braucht“, erklärt die Koordinatorin des ambulanten Hospizdienstes und betont: „Empathie und Zuverlässigkeit sind zum Beispiel persönliche Voraussetzungen. Respekt und Wertschätzung gegenüber den Menschen, die ihren letzten Weg gehen, müssen außerdem selbstverständlich sein.“

Gemeinsam hat die Gruppe in den vergangenen Kursmonaten viel gelernt über die Bedürfnisse, Ängste und Wunsche Sterbender und deren Angehörige. Es werden pflegerische, rechtliche und seelsorgerische Themen behandelt. Die Kommunikation mit Sterbenden und ihren Angehörigen, die Möglichkeiten der Palliativmedizin, Tod und Sterben aus juristischer Sicht, Familiensysteme und -strukturen, Gespräche mit Angehörigen, Trauerphasen, Trauerarbeit, aber natürlich auch die Anzeichen des herannahenden Todes sind weitere Themen. Die alles umfassende Schweigepflicht zieht sich dabei wie ein roter Faden durch jede Kurseinheit.

Sensibilität gefragt

Der Umgang mit einem Sterbenden erfordert ein vielseitiges Wissen und Einfühlungsvermögen. So sind alle theoretischen Inhalte immer verbunden mit den Berichten von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Das ist für alle Beteiligten nicht immer leicht, manchmal kommen Zweifel auf.

Warum sollte es wichtig sein das Innere nach außen zu kehren, bevor man als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Hospizdienstes in ein Sterbezimmer gehen kann? Kursleiterin Corinna Schwolow: „Am Lebensende spüren Menschen Ängste und Befürchtungen des anderen schnell. Und sie spüren, ob man authentisch ist. Sterbende brauchen ein stabiles Gegenüber. Nur wer psychisch mit sich im Einklang ist, kann ihnen unbefangen und frei begegnen.“ Mit einem langen Wochenende im April ging der Kurs schließlich in der Evangelischen Tagungsstätte in Hofgeismar zu Ende. Alles Gelernte sollte unter Anleitung noch einmal vertieft werden. Rückschau, Trauer, Resilienz und die seelische Widerstandskraft waren die Themen. „Wir haben gelernt, aufeinander zuzugehen, uns zu vertrauen“, ergänzt eine der Teilnehmerinnen. Handlungsanweisungen für die Zukunft als Hospizbegleiterin gibt es nicht, außer: hingehen, zuhören, reagieren.

An Grenzen stoßen

Während der Begleitung eines Sterbenden, dass wird bald allen klar, muss man sich auf sich selbst verlassen können, auf Intuition und Gefühl. Gleichzeitig muss man die eigenen Möglichkeiten erkennen und sich selbst reflektieren. Kein akademischer Grad, kein beruflicher Erfolg, kein Status ist hier von Bedeutung, Es geht um das Leben – auch im Sterben. Keine leichte Erkenntnis, die dem einen oder anderen Kursteilnehmer auch Grenzen aufzeigt.

„Die letzte Herausforderung des Lebens ist der Tod. Die Zeit des Sterbens kann, bewusst und individuell gestaltet, wertvoll werden“, erklärt Corinna Schwolow und sagt: „Diese Zeit ist häufig mit großen Belastungen sowie hohen Erwartungen an alle Beteiligten verbunden. Unterstützung und Begleitung sind auf vielfältige Weise möglich, und wie alle anderen, sind auch unsere neuen Mitarbeiterinnen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe gewappnet.“

Einen Wunsch aber hat sie noch: „Die meisten Ehrenamtlichen im Hospizdienst sind Frauen, Männer gibt es nur wenige. Das ist schade, besonders jüngere Menschen oder auch ältere Männer würden sich manchmal gern einem Mann anvertrauen. Männliche Unterstützung fehlt uns noch – wer Interesse hat, kann sich gerne bei mir melden. Wir finden sicher einen Weg.“

Barbara Liese

Auch interessant

Kommentare